- Stani Kulechov sagt, DAOs seien nicht „doomed“, aber in der heutigen Form extrem schwer zu betreiben und zu konfliktanfällig.
- Er fordert eine Governance, in der Tokenholder weniger über operative Details abstimmen und Führung stärker Verantwortung übernimmt.
Stani Kulechov legt den Finger auf eine Schwäche, die im DeFi nicht neu ist, aber gerade wieder sichtbar wird.
Der Aave-Gründer schreibt, DAOs müssten sich weiterentwickeln. Nicht weil das Modell tot sei, sondern weil es in der Praxis oft zu zäh, zu politisch und am Ende zu ineffizient wird.
Zu viele Abstimmungen, zu wenig Steuerbarkeit
Kulechovs Kommentar kommt nach den jüngsten Aave-Governance-Streitigkeiten über die Ausrichtung des Protokolls. Seine Diagnose ist ziemlich direkt: DAOs seien „extraordinarily difficult“ zu betreiben, weil interne Konflikte schnell eskalieren und selbst einfache Entscheidungen in Wochen aus Forum-Posts, Temp Checks und mehreren Votes zerlegt werden.
Das ist nicht nur ein Zeitproblem. Es ist auch ein Verantwortungsproblem. Wenn jede Detailfrage in den Tokenholder-Vote rutscht, wird die Steuerung unklar. Niemand führt wirklich, aber alle haben eine Meinung. Und die operative Realität wartet nicht auf die nächste Abstimmung.
Wenn Governance zur Aufmerksamkeitspolitik wird
Kulechov beschreibt zudem, dass DAOs sehr schnell politisiert werden. Abstimmungen würden leicht zu einem Kampf um Aufmerksamkeit.
Teilnehmer nehmen Seiten ein, orientieren sich an den lautesten Stimmen und bilden Allianzen, um später eigene Vorschläge durchzubekommen. Das klingt nach Parlament, ist aber meist ohne die Institutionen, die Parlamentsbetrieb stabilisieren.
Sein impliziter Vorschlag: weniger direkte Tokenholder-Demokratie bei operativen Fragen, mehr klare Rollen, mehr Führung, mehr Verantwortlichkeit.
Nicht als Rückkehr zu zentraler Kontrolle, sondern als Versuch, die DAO entscheidungsfähig zu halten, ohne den Anspruch auf Dezentralität komplett zu verlieren.
Aave ist dabei ein gutes Beispiel, weil das Protokoll groß genug ist, dass Governance nicht mehr nur Community-Spiel ist, sondern faktisch Unternehmenssteuerung ohne Unternehmen.
Kulechovs Punkt wirkt deshalb weniger wie ein theoretischer Rant und mehr wie ein Hinweis aus dem Maschinenraum: Wenn DAOs weiter wachsen, müssen sie auch anders organisiert werden.






