- ASIC-Präsident Joe Longo fordert, dass Australien die Chance der Tokenisierung nutzt, um Kapitalmärkte zu modernisieren – sonst drohe das Land „zum Land der verpassten Chancen“ zu werden.
- Beispiele aus dem Ausland: >3,1 Mrd. US-$ tokenisierte Anleiheemissionen in der Schweiz seit 2021; J.P. Morgan plant vollständig tokenisierte Geldmarktfonds binnen zwei Jahren; Nasdaq skizziert 24/7-Handel für tokenisierte Wertpapiere.
In einer Grundsatzrede warnte Joe Longo, Vorsitzender der Australian Securities and Investments Commission (ASIC), vor strukturellen Wettbewerbsnachteilen für Australien, sollte das Land die Dynamik bei der Tokenisierung realer Vermögenswerte unterschätzen.
Distributed-Ledger-Technologie (DLT) ermögliche die Zerlegung traditioneller Vermögenswerte in digitale, handelbare Einheiten und schaffe die Basis für nahezu sofortige Abwicklung.
Damit könnten Transaktionskosten sinken, Gegenparteirisiken durch Datenverfügbarkeit und programmierbare Settlement-Prozesse reduziert und Liquiditätsquellen über Märkte hinweg neu erschlossen werden.
Longo verwies auf die historische Rolle Australiens als Frühadoptierer – von elektronischem Handel bis zu Clearing-Innovation – und mahnte, diese Position nicht preiszugeben. Während andere Jurisdiktionen aggressive Roadmaps umsetzen, müsse Australien rasch regulatorische Klarheit schaffen, Sandbox-Modelle erweitern und Interoperabilität über digitale Identitäten, ISO-20022-konforme Datenmodelle und verifizierbare Oracles sicherstellen.
Internationale Benchmarks und der Handlungsbedarf im Inland
Als Gradmesser nannte Longo mehrere internationale Referenzen. Die Schweiz habe seit 2021 auf ihrer digitalen Wertpapierbörse mehr als 3,1 Mrd. US-Dollar an tokenisierten Bonds platziert – ein Beleg für Nachfrage und regulatorische Umsetzbarkeit. J.P. Morgan strebe an, Geldmarktfonds vollständig zu tokenisieren und damit Effizienzgewinne in Abwicklung, Collateral-Management und Intraday-Liquidität zu heben.
Gleichzeitig plane die Nasdaq, den Rund-um-die-Uhr-Handel für tokenisierte Wertpapiere einzuführen – ein Schritt, der die Grenzen klassischer Börsenzeiten aufweichen und die Marktliquidität verändern könnte.
Für Australien stellt sich laut Longo die Frage, wie ein tragfähiges Rahmenwerk gestaltet wird: Reserveanforderungen für tokenisierte Verbindlichkeiten, Einlösemechanismen, KYC/AML- und Sanktionskontrollen, Datenschutz, sowie Governance für Daten- und Preisfeeder (z. B. Proof-of-Reserve, NAV-Oracles). Zudem bedürfe es klarer Zuständigkeiten zwischen Regulatoren, Bankensektor und Infrastrukturbetreibern – inklusive aufsichtlicher Leitplanken für Custody (MPC/HSM), segregierte Konten und Wiederanlauf-Prozesse bei Störungen.
Longo unterstrich, dass Tokenisierung kein Selbstzweck sei, sondern die Effizienz und Inklusivität der Kapitalmärkte erhöhen könne – etwa durch fractional ownership bei Immobilien, tokenisierte Staatsanleihen und digitale Fondsanteile, die Zeichnung, Abrechnung und Registerführung über eine DLT-Schicht automatisieren.
Um diese Potenziale zu heben, brauche es koordinierte Initiativen zwischen öffentlichem und privatem Sektor, technische Standards für Interoperabilität und verlässliche Compliance-Pipelines, die regulatorische Anforderungen by design abbilden.






