• Matt Hougan von Bitwise sieht eine deutliche Diskrepanz zwischen dem, was Investoren über Krypto glauben, und dem, was institutionell bereits passiert.
  • Aus seiner Sicht könnte Krypto deshalb strukturell falsch bewertet sein, weil der Vorstoß der Wall Street in Richtung Onchain-Infrastruktur am Markt noch nicht vollständig ankommt.

Matt Hougan hält den Markt für womöglich einen Schritt zu langsam. In einem Memo an Kunden beschreibt der Bitwise-CIO eine wachsende Lücke zwischen der öffentlichen Wahrnehmung des Kryptomarkts und dem tatsächlichen Tempo, mit dem traditionelle Finanzhäuser sich in Richtung tokenisierte und onchain-basierte Infrastruktur bewegen.

Alte Narrative, neues Marktumfeld

Hougan argumentiert, viele Investoren blickten noch immer durch eine alte Linse auf den Sektor. Gemeint sind Bilder, die von frühen Skandalen und Zusammenbrüchen geprägt wurden, also von einer Phase, in der Krypto für viele vor allem mit Chaos, Rechtsgrauzonen und technischer Unreife verbunden war. Diese Sicht, so seine These, passt nicht mehr sauber auf den heutigen Markt.

Er führt das auf einen klassischen Ankereffekt zurück. Anleger orientieren sich zu stark an überholten Bezugspunkten und unterschätzen dadurch, wie sehr sich die Marktstruktur verändert hat. Das ist kein kleiner psychologischer Nebenaspekt. Wenn Kapital an veralteten Erzählungen hängt, werden neue Entwicklungen oft erst spät eingepreist.

Wall Street baut, während der Markt noch zweifelt

Der Kern seiner Aussage liegt genau dort: Nicht alles, was institutionell relevant wird, spiegelt sich sofort im Preis wider. Während große Finanzhäuser ihre Onchain-Strategien, Tokenisierungsprojekte und digitale Abwicklungsschienen ausbauen, verhalte sich ein Teil des Marktes noch so, als wäre Krypto vor allem ein spekulativer Randbereich.

Hougan deutet damit keinen kurzfristigen Kurstreiber an, eher eine strukturelle Fehlbewertung. Wenn die Infrastrukturseite schneller wächst als die Wahrnehmung, dann kann daraus eine Schieflage entstehen: Fundamentale Entwicklung auf der einen Seite, zögerliche Bewertung auf der anderen. Genau diese Lücke, ziemlich trocken formuliert, könnte für Anleger gerade relevanter sein als der nächste Tageschart.