• Vitalik Buterin kritisiert, dass viele DAOs faktisch nur „Treasuries mit Token-Voting“ seien und damit anfällig für Übernahmen und ineffizient.
  • Er fordert neue DAO-Designs, die konkrete Infrastrukturprobleme lösen, etwa bessere Oracles, Onchain-Streitbeilegung und langfristige Projektsteuerung.

Vitalik Buterin ist wieder bei einem Thema, das in Web3 gern als „gelöst“ verkauft wird, bis es knallt. Der Ethereum-Mitgründer hat am Montag auf X neue DAO-Designs gefordert und sich dabei deutlich vom Standardmodell abgesetzt.

Viele DAOs seien in der Praxis nur „a treasury controlled by token holder voting“, also eine Kasse, die von Tokenhaltern abgestimmt wird. Das sei nicht nur langweilig, sondern auch gefährlich.

Token-Voting als Capture-Risiko, Governance als Theater

Buterin nennt das verbreitete Modell ineffizient und anfällig für Capture. Wer genügend Token hat, kann Entscheidungen steuern. Wer kurzfristig genug Kapital mobilisiert, kann Abstimmungen drehen. Das ist kein theoretisches Problem, sondern ein Muster, das man in mehreren Ökosystemen gesehen hat, insbesondere wenn Treasury-Größen wachsen und Anreize schief sind.

Sein härtester Satz ist politisch: Token-Voting-DAOs würden „utterly“ daran scheitern, die Schwächen menschlicher Politik zu mildern. Das ist bemerkenswert, weil DAOs genau damit werben. Transparenz, Automatisierung, Regeln statt Deals. Buterin sagt im Kern: Wenn das Ergebnis nur eine andere Form von Mehrheitsmacht ist, hat man das Problem nicht gelöst, sondern verpackt.

Oracles, Streitbeilegung und Stewardship als echte Infrastruktur

Stattdessen schlägt Buterin vor, DAOs sollten konkrete Infrastrukturprobleme adressieren. Er nennt bessere Oracles, also die Schnittstelle zwischen Onchain-Logik und Offchain-Daten, als ersten Baustein. Ohne robuste Oracles werden Verträge fragil, und fragile Verträge erzeugen Streit.

Genau dort setzt sein zweiter Punkt an: Onchain dispute resolution. Wenn es Konflikte gibt, braucht es Mechanismen, die nicht einfach in Twitter-Drama oder Governance-Gridlock enden. Ein funktionierendes Schiedsverfahren ist in traditionellen Märkten banal. In DeFi ist es oft improvisiert.

Drittens spricht Buterin über langfristige Projektsteuerung, Stewardship statt kurzfristiger Abstimmungen. Das ist die unbequeme Wahrheit vieler DAOs: Sie können gut Geld verteilen, aber schlecht langfristig planen. Wer das ändern will, braucht Strukturen, die Verantwortung abbilden, ohne die Dezentralität nur als Marketing zu benutzen.