• Bybit will ab Februar Retail-Bankkonten mit persönlichen IBANs starten und damit Banküberweisungen in mehreren Währungen direkt in die Plattform holen.
  • CEO Ben Zhou kündigt „My Bank powered by Bybit“ als nächste Expansion über reines Krypto-Trading hinaus an, rund ein Jahr nach einem Hack-Vorfall, der das Unternehmen stark belastete.

Bybit will seine Nutzer näher an klassisches Banking heranführen, ohne dass sie die App wechseln müssen. Die Börse kündigte an, ab Februar Retail-Banking-Services zu starten. Das Produkt trägt den Namen „My Bank powered by Bybit“ und wurde in einer Online-Keynote vorgestellt. CEO Ben Zhou stellte dabei ein Feature in den Mittelpunkt, das in Europa und vielen internationalen Zahlungsräumen den Ton angibt: eine persönliche IBAN.

Persönliche IBAN als Brücke zwischen Bankrails und Krypto-App

Mit einer eigenen IBAN können Nutzer Geld direkt über das Bankensystem senden und empfangen, in mehreren Währungen. Zum Start soll laut Zhou der US-Dollar unterstützt werden. Das klingt nach einem simplen Add-on, ist aber strategisch.

Wer Banküberweisungen sauber integriert, reduziert Reibung beim On- und Offramp, senkt Abhängigkeiten von Drittanbietern und bindet Nutzer stärker an die Plattform. Für viele Retail-Kunden ist eine IBAN der Unterschied zwischen „Krypto-Börse“ und „Finanz-App“.

Bybit positioniert das Produkt damit als Erweiterung über Trading hinaus. Das ist ein Muster, das man bei mehreren großen Börsen sieht. Wenn Spot- und Derivatevolumen zyklisch schwanken, wird Payments und Banking zur zweiten Einnahmeschicht, und zur zweiten Vertrauensschicht.

Vertrauen als Währung, ein Jahr nach dem Hack

Der Zeitpunkt ist nicht ohne Kontext. Bybit war vor etwa einem Jahr von einem Hack betroffen, der mit 1,4 Milliarden US-Dollar beziffert wurde. Solche Ereignisse prägen die Wahrnehmung, selbst wenn danach Security-Prozesse verstärkt werden. Ein Banking-Produkt setzt deshalb zusätzliche Erwartungen: Compliance, Verfügbarkeit, Support, und vor allem klare Abgrenzung, was Bankkonto ist und was Börsenkonto bleibt.

Eine persönliche IBAN bedeutet in der Praxis auch, dass Bybit stärker in regulierte Prozesse hineinrutscht. KYC wird nicht nur „Exchange-KYC“, sondern Bankniveau. Monitoring wird Zahlungsmonitoring. Und Nutzer erwarten, dass Auszahlungen nicht „in Krypto-Manier“ verzögert werden, sondern wie bei Banken funktionieren.

Bybit macht damit einen Schritt, der technisch machbar ist, aber operativ anspruchsvoll. Wenn „My Bank“ sauber läuft, wird Bybit mehr als ein Handelsplatz. Wenn nicht, wird die IBAN schnell zum Stresstest für das Vertrauen, das eine Börse nach einem großen Sicherheitsvorfall erst wieder aufbauen muss.