- Fed-Forscher sehen makro-fokussierte Prediction Markets als laufend aktualisierte Messgröße für Inflations- und Zins-Erwartungen.
- Parallel ziehen einzelne US-Bundesstaaten die Schrauben bei der Durchsetzung an und zielen auf genau diese Märkte.
Die Spannung ist ungewöhnlich klar: In Washington entdecken Ökonomen die Nützlichkeit von Prediction Markets, während lokale Aufseher sie gerade als Problemfeld behandeln.
Fed-Papier: Echtzeit-Signal statt Umfragewert
In einem Working Paper argumentieren Forscher der US-Notenbank, dass Prediction Markets, sofern sie auf makroökonomische Ereignisse ausgerichtet sind, Politikern ein marktgetriebenes Echtzeit-Barometer liefern können.
Gemeint sind Erwartungen zu Inflation, Zinsentscheidungen und zentralen Datenveröffentlichungen, also genau die Variablen, auf die ein Großteil der geldpolitischen Debatte hinausläuft.
Der Kernbefund: Die aus den Märkten abgeleiteten Modelle lägen nahe an etablierten Prognose-Benchmarks und könnten diese in Teilen sogar übertreffen. Ein praktischer Vorteil, den klassische Forecasts selten bieten, ist die permanente Aktualisierung.
Statt eines Punktwerts entsteht eine Wahrscheinlichkeitsverteilung, die sich in Minuten bewegen kann, wenn neue Informationen auftauchen oder das Risikoempfinden dreht.
Die Autoren sprechen von einer sinnvollen Ergänzung zu bestehenden Werkzeugen, sowohl in der Forschung als auch im Policy-Alltag. Es ist kein Plädoyer, Umfragen oder traditionelle Modelle zu entsorgen.
Eher ein Hinweis, dass Preis- und Wahrscheinlichkeitsinformationen, wenn sie sauber strukturiert sind, schneller reagieren als vieles, was in der Praxis genutzt wird.
Bundesstaaten: Vollzug trifft auf neue Produktformen
Währenddessen verschärfen einzelne Bundesstaaten ihre Durchsetzung gegen Prediction-Market-Angebote. Die Stoßrichtung ist bekannt: Fragen nach Zuständigkeit, Zulässigkeit, Verbraucherschutz und der Abgrenzung zu Glücksspiel- oder Derivateprodukten.
Für Plattformen ist das ein klassisches US-Problem, ein Flickenteppich aus Regeln, der nicht wartet, bis Bundesbehörden sich sortiert haben.
Für den Sektor entsteht damit ein paradoxes Bild. Auf der einen Seite steigt die Anerkennung als Informationsinstrument, auf der anderen Seite wächst das Risiko, dass genau diese Märkte regional ausgebremst oder in engeren Rahmen gezwungen werden.







