- Japans FSA unterstützt ein Konsortium aus Mizuho Bank, MUFG und SMBC bei der gemeinsamen Ausgabe eines Zahl-Stablecoins; beteiligt sind zudem Mitsubishi Corporation, Progmat Inc. sowie Mitsubishi UFJ Trust and Banking.
- Der Pilot prüft Stablecoins als „Electronic Payment Instruments“ nach japanischem Recht – mit Fokus auf regulatorische Konformität, Betriebsprozesse und Praxis-Use-Cases im Zahlungsverkehr.
Mit der offiziellen Rückendeckung der Financial Services Agency(FSA) rückt Japan die tokenbasierte Abwicklung von Zahlungen weiter ins Zentrum seiner Reformagenda. Das Vorhaben der drei Megabanken Mizuho, MUFG und SMBC zielt darauf, eine gemeinsam emittierte Yen-gebundene Digitalverbindlichkeit unter dem Rechtsstatus „Electronic Payment Instrument“ (EPI) zu erproben.
Dieser Status adressiert in Japans überarbeitetem Zahlungsdiensterecht unter anderem Anforderungen an Emittenten-Qualifikation, Sicherheiten und Reserven, Einlöse- und Rücknahmeprozesse sowie KYC/AML- und Sanktionskontrollen entlang der gesamten Customer Journey.
Im Rahmen des Piloten sollen Governance-Modelle zwischen mehreren Bankengruppen getestet werden: Wie werden Emissions-, Reserve- und Einlösepflichten verteilt; welche Daten- und Meldeprozesse sichern Aufsichtskonformität; und wie lassen sich Betriebs-SLAs (Verfügbarkeit, Latenz, Wiederanlauf) so definieren, dass sie bankaufsichtlich tragfähig und betriebswirtschaftlich effizient sind. Die Einbindung von Mitsubishi Corporation, Progmat Inc. und Mitsubishi UFJ Trust and Banking deutet darauf hin, dass neben Emission und Buchung auch Treuhand- und Verwahrungsthemen sowie Plattform-Interoperabilität im Fokus stehen.
Ein zentrales Ziel ist die Präzisierung der Abgrenzung zwischen tokenisierten Einlagen und Stablecoins: Während erstere als Bankverbindlichkeit im Kernbankensystem geführt werden, adressiert der EPI-Stablecoin programmierbare Zahlungsfälle mit 1:1-Einlösbarkeit und klaren Reserveanforderungen. Der Pilot kann so als Proof of Process dienen, ob die strengen japanischen Vorgaben operativ und kundenseitig friktionsarm umgesetzt werden können.
Anwendungsfälle und technische Leitplanken im Pilot
Inhaltlich sollen zahlungsnahe Use-Cases priorisiert werden: B2B-Zahlungen und Rechnungsbegleichungen mit T+0-Finalität, Handels- und Lieferkettenflüsse mit konditionalen Freigaben, E-Commerce-Checkouts mit geringer Latenz sowie Handel-und-Wertpapier-nahe Abwicklungen, bei denen programmierbare Ereignisse (z. B. Liefer- oder Status-Orakel) Zahlungsfreigaben auslösen. Für eine bankfähige Umsetzung bleiben drei technische Leitplanken maßgeblich.
Erstens Interoperabilität: Schnittstellen zu ISO-20022-Datenpfaden, Konto- und Treasury-Systemen sowie Clearing-/Settlement-Rails müssen deterministische Abgleichs- und Reporting-Prozesse erlauben.
Zweitens Sicherheit und Resilienz: MPC/HSM-gestützte Schlüsselverwaltung, segregierte Bestände, Notfall- und Wiederanlaufpläne und DDoS-/Latenz-Kontrollen sind für einen 24/7-Betrieb zwingend.
Drittens Compliance by Design: KYC/AML-Workflows, Sanktions-Screenings und – wo einschlägig – Travel-Rule-Anforderungen sollten über Policy-Engines und verifizierbare Atteste in die Ausführungsschicht eingebettet werden, ohne unnötige Daten zu exponieren.
Für die Emissions- und Einlöseprozesse sind Transparenz über Reserven, attestierte Preis- und Statusfeeds sowie klar definierte Prioritäten bei Rückgaben ausschlaggebend. Gleichzeitig wird die Rollenverteilung zwischen Emittent, Treuhand-/Trust-Bank und technischer Plattform präzisiert, um Einlagen- und Emittentenrisiken sauber zu trennen.
Die Betriebsmessung dürfte sich an SLA-Kennzahlen (Finalitätszeiten, Erfolgsraten), Kostenpfaden (Gebühren je Transaktion) und Audit-Trails orientieren, die Abschluss- und Aufsichtsprüfungen erleichtern.
Mit dem Pilotprojekt positioniert sich Japan, tokenbasierte Zahlungen in ein strenges Bank- und Aufsichtsregime einzubetten, ohne auf die Programmability-Vorteile zu verzichten.
Gelingt der Nachweis, dass mehrbankfähige Emission, Einlösung und Compliance auf einer gemeinsamen Infrastruktur funktionieren, entstünde die Grundlage für skalierbare, regulierte Stablecoin-Schienen im japanischen Zahlungsverkehr – mit Anschlussfähigkeit an Treasury-, Handels- und Retail-Anwendungen.






