- Die Reichweite von Krypto-YouTube ist in den vergangenen drei Monaten deutlich gefallen und liegt laut geteilten Channel-Daten auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang 2021.
- Beobachter deuten den Rückgang als Zeichen von Retail-Müdigkeit, während institutionelle Akteure den Zyklus stärker prägen und manche Privatanleger in Richtung Edelmetalle ausweichen.
Krypto hat ein Stimmungsbarometer, das oft schneller ausschlägt als Preise: YouTube. In den vergangenen drei Monaten ist die Viewership in der Krypto-Ecke laut von Benjamin Cowen geteilten Daten deutlich zurückgegangen. Gemessen an den 30-Tage-Durchschnittsviews über verschiedene Kanäle sei das Niveau auf den tiefsten Stand seit Januar 2021 gefallen.
Sinkende Views seit Oktober, Social-Interesse im „Bear“-Modus
Auch Tom Crown verweist auf einen breiteren Rückgang, nicht nur bei YouTube, sondern plattformübergreifend seit Oktober 2025. In seiner Lesart liegt das Social-Interesse wieder in einem Bereich, der zuletzt im Bärenmarkt 2021 typisch war.
Solche Aussagen ersetzen keine harten Marktdaten, aber sie passen zu einem bekannten Muster: Wenn Retail raus ist, verschwinden Klicks zuerst. Und dann oft auch die Kommentarspalten.
Es ist zudem ein anderer Zyklus als früher. Institutionelle Produkte, ETFs, Treasury-Allokationen, all das erzeugt Nachfrage, aber nicht zwangsläufig Content-Hunger. Ein Fondsmanager schaut keine zehn Videos über „100x-Coins“. Er handelt, reportet, geht weiter.
Scam-Fatigue und Rotation in „seriösere“ Narrative
In den Kommentaren wird der Rückgang häufig mit Ermüdung erklärt, Scam-Wellen, Pump-and-Dump-Mechaniken, Influencer-Promos, die im Nachhinein schlecht aussehen. Das trifft besonders den Teil des Marktes, der über Aufmerksamkeit funktioniert. Wenn zu viele Retail-Teilnehmer das Gefühl haben, sie sind am Ende nur Exit-Liquidität, wird der Spaß schnell zur Abwehrhaltung.
Parallel berichten Beobachter von einer Verschiebung der privaten Erzählung hin zu „härteren“ Assets, etwa Edelmetallen. Ob das statistisch groß ist, sei dahingestellt, aber als Story wirkt es: Gold ist in solchen Phasen das Gegenbild zur Meme-Ökonomie.
Der Rückgang der Views ist damit weniger ein Urteil über Bitcoin oder Krypto an sich, sondern über den Zustand der Öffentlichkeit. Weniger Hype, weniger Tutorials, weniger „breaking news“ im Minutentakt. Für den Markt kann das zweierlei bedeuten: Entweder der nächste Retail-Schub braucht länger, oder er kommt später umso heftiger zurück, wenn Preise wieder eine Geschichte erzählen, die auch ohne Influencer funktioniert.






