• Fed-Chef Jerome Powell sagte, das Justizministerium habe der Notenbank am Freitag Grand-Jury-Subpoenas zugestellt und mit einer strafrechtlichen Anklage im Zusammenhang mit seiner Senatsanhörung im Juni 2025 gedroht.
  • Powell stellt den Vorgang in den Kontext der Unabhängigkeit der Fed und verweist darauf, dass Zinsentscheidungen auf ökonomischen Bewertungen beruhen und nicht auf politischen Präferenzen.

Jerome Powell beschreibt einen Vorgang, der in der Moderne selten offen so ausgesprochen wird: Das US-Justizministerium habe der Federal Reserve am Freitag Grand-Jury-Subpoenas zugestellt.

In Powells Darstellung steht dabei die Drohung einer strafrechtlichen Anklage im Raum. Anlass sei seine Senatsanhörung im Juni 2025, in der es um Renovierungsarbeiten an Fed-Gebäuden ging.

Renovierungen als Aufhänger, Strafandrohung als Eskalation

Powell machte deutlich, dass der Streit formal an seiner Aussage vor dem Senat hängt. Renovierungen sind normalerweise ein Verwaltungs- und Budgetthema, politisch unerquicklich, aber kein Stoff für Grand Juries. Genau deshalb wirkt der Schritt so schwer.

Wenn ein Notenbankchef öffentlich von Subpoenas und der Möglichkeit einer Anklage spricht, ist das nicht mehr nur Washington-Lärm, sondern ein Belastungstest für Institutionen.

Powell deutete an, dass die Eskalation nicht bei Baufragen endet. Er sagte, die Drohung stehe im Zusammenhang mit den unabhängigen Zinsentscheidungen der Fed. Diese Entscheidungen würden auf wirtschaftlichen Bewertungen beruhen, nicht auf den Präferenzen eines Präsidenten. Das ist die klassische Unabhängigkeitsformel, nur diesmal mit juristischem Hintergrundrauschen.

Märkte lesen das als Risiko für die Fed-Unabhängigkeit

Für Märkte ist das kein Nebenschauplatz. Fed-Unabhängigkeit ist ein Pfeiler, weil sie Erwartungen über Inflation, Zinsen und die Reaktionsfunktion der Geldpolitik stabilisiert.

Wenn der Eindruck entsteht, dass politische oder juristische Instrumente Druck auf die Notenbank ausüben könnten, steigt die Unsicherheit. Das betrifft nicht nur US-Treasuries, sondern auch Risiko-Assets, Aktien, Credit, Krypto, die oft sensibel auf Zins- und Dollarerwartungen reagieren.

Kurzfristig ist unklar, ob es bei Subpoenas bleibt oder ob daraus ein größerer Konflikt wird. Aber allein die Tatsache, dass Powell das Thema so rahmt, zeigt, wie angespannt die Lage ist. In einer Phase, in der Inflation, Wachstum und fiskalische Debatten ohnehin politisiert sind, ist ein Streit um die institutionelle Autonomie der Fed ein zusätzlicher Faktor, den niemand gern in sein Risikomodell schreibt.