• Russland will im Juli ein neues Krypto-Regelwerk einführen, das auch Retail-Teilnahme ermöglichen soll, der finale Text soll Ende Juni zur Abstimmung gestellt werden.
  • Treiber ist laut dem Duma-Abgeordneten Anatoly Aksakov der politische Wille, Krypto unter einen klaren Rahmen zu stellen, statt es weiter in einer Grauzone laufen zu lassen.

Russland will im Sommer einen klareren Krypto-Rahmen setzen. Nach Angaben von Anatoly Aksakov, dem Vorsitzenden des Duma-Ausschusses für den Finanzmarkt, soll das kommende Regelpaket Ende Juni für die Abstimmung finalisiert werden.

Der Rollout ist für Juli avisiert. Auffällig ist dabei ein Punkt, der in Russland oft vorsichtiger formuliert wurde: Retail soll teilnehmen dürfen.

Ende Juni Abstimmung, Juli Start: Russland baut den Rahmen nach innen

Wenn der Zeitplan hält, entsteht damit ein formaler Übergang von informeller Nutzung zu regulierter Infrastruktur. Russland hat seit Jahren einen ambivalenten Umgang mit Krypto, auf der einen Seite Diskussionen über Kapitalflüsse, auf der anderen Seite praktisches Interesse an digitalen Assets in Handel und Technologie.

Ein Regelwerk, das Retail explizit einschließt, deutet darauf hin, dass man Krypto nicht nur als Spezialinstrument für Institutionen oder Export-Use-Cases sieht, sondern als Markt, der kontrolliert geöffnet werden kann.

Die entscheidenden Details sind noch nicht öffentlich ausformuliert. Aber der Prozess ist typisch: erst die politische Einigung, dann die technische Ausgestaltung, dann die Aufsichtspraxis.

In vielen Jurisdiktionen entscheidet am Ende weniger der Gesetzestext als die Frage, wie streng Lizenzen vergeben werden, wie KYC und AML aussehen und welche Produkte tatsächlich erlaubt sind.

Retail-Teilnahme und die Frage nach Produkten

Retail „zulassen“ kann vieles bedeuten. Es kann heißen, dass Privatpersonen offiziell handeln dürfen. Es kann aber auch heißen, dass sie nur über bestimmte Plattformen und nur in bestimmten Assets investieren dürfen, möglicherweise mit Limits, Risikohinweisen und strengen Reportings. Gerade in Märkten, in denen Kapitalverkehr und Bankensystem politisch sensibel sind, wird Regulierung oft als Filter gebaut, nicht als offene Tür.

Für den globalen Markt ist Russlands Schritt deshalb weniger ein Volumen-Event, sondern ein Governance-Event. Ein klarer Rahmen schafft rechtliche Pfade, für Börsen, Verwahrer, Payment-Anbieter und für die Frage, wie der Staat Steuern und Kontrolle organisiert.

Wenn Aksakovs Zeitplan stimmt, wird Ende Juni zur entscheidenden Wegmarke. Danach ist die Frage nicht mehr, ob Russland Krypto reguliert, sondern wie restriktiv oder pragmatisch die Öffnung für Retail am Ende ausfällt.