- Die Bank of England und die FCA haben eine gemeinsame Vision für Tokenisierung in britischen Wholesale-Finanzmärkten vorgestellt.
- Ein neuer Call for Input soll Unternehmen mehr Klarheit zu Regulierung, Infrastruktur und Abwicklung geben.
Großbritannien will bei tokenisierten Finanzmärkten mehr Ordnung schaffen. Die Bank of England und die Financial Conduct Authority haben am Montag eine gemeinsame Vision für Tokenisierung in Wholesale-Märkten vorgestellt und dazu einen Call for Input gestartet.
Tokenisierung verlässt die Pilotphase
Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem tokenisierte Vermögenswerte langsam aus Testumgebungen herauswachsen. Viele Banken, Börsen und Infrastruktur-Anbieter haben in den vergangenen Jahren mit Distributed-Ledger-Technologie experimentiert. Jetzt geht es um die schwierigere Frage: Wie lassen sich solche Systeme tatsächlich im regulierten Markt einsetzen?
Die beiden britischen Aufseher sprechen davon, dass Tokenisierung von „Pilots to Production“ übergeht. Gemeint ist ein Wechsel von begrenzten Versuchen zu Anwendungen, die reale Finanzmarktprozesse berühren können.
Dazu gehören etwa tokenisierte Anleihen, Sicherheiten, Geldmarktinstrumente oder Abwicklungsprozesse zwischen institutionellen Akteuren.
Für Unternehmen ist dabei nicht nur die Technologie entscheidend. Sie brauchen Klarheit darüber, wie tokenisierte Produkte bilanziert, besichert, abgewickelt und beaufsichtigt werden. Ohne diese Sicherheit bleibt vieles im Labor hängen.
Regulierer wollen offene Fragen gezielter klären
Bank of England und FCA wollen nun genauer verstehen, wo Marktteilnehmer noch Unsicherheit sehen. Genannt werden unter anderem die prudenzielle Behandlung tokenisierter Vermögenswerte, tokenisierte Sicherheiten und geeignete Abwicklungsinstrumente.
Gerade diese Punkte sind zentral. Ein tokenisiertes Wertpapier ist nur dann wirklich nützlich, wenn auch Zahlung, Lieferung und Sicherheitenmanagement sauber funktionieren. Sonst entsteht zwar ein digitaler Token, aber keine bessere Marktinfrastruktur.
Für London geht es auch um Standortpolitik. Die britische Finanzbranche will bei digitalen Marktinfrastrukturen nicht hinter den USA, der EU oder asiatischen Finanzzentren zurückfallen. Gleichzeitig wollen die Aufseher verhindern, dass neue Systeme außerhalb klarer Risikoregeln wachsen.
Der Call for Input ist deshalb kein fertiges Regelwerk. Er ist eher der Versuch, Industrie und Aufsicht enger zusammenzubringen, bevor Tokenisierung in größeren Marktsegmenten produktiv wird.







