• Ethereum bleibt mit rund 45,4 Milliarden Dollar Total Value Locked die größte DeFi-Blockchain.
  • Der Marktanteil von Ethereum am DeFi-TVL ist seit Anfang 2025 von 63,5 Prozent auf etwa 54 Prozent gefallen.

Ethereum bleibt im DeFi-Sektor die klare Nummer eins. Nur ist die Führung nicht mehr ganz so komfortabel wie früher. Der Anteil des Netzwerks am gesamten Total Value Locked ist bis zum 7. Mai auf rund 54 Prozent gefallen. Anfang 2025 lag er noch bei 63,5 Prozent.

Ethereum verliert Anteil, aber nicht die Führung

Mit rund 45,4 Milliarden Dollar an gebundenem Kapital bleibt Ethereum weiterhin die wichtigste Infrastruktur für dezentrale Finanzanwendungen. Viele der größten Lending-Protokolle, DEXs, Liquid-Staking-Anbieter und institutionell genutzten DeFi-Produkte sitzen weiterhin direkt auf Ethereum oder sind eng mit dem Ethereum-Ökosystem verbunden.

Das hat Gründe. Ethereum bietet die längste DeFi-Historie, tiefe Liquidität, eine große Entwicklerbasis und eine Sicherheitswahrnehmung, die für größere Kapitalbeträge weiterhin wichtig ist.

Gerade institutionelle Nutzer schauen nicht nur auf Gebühren oder Geschwindigkeit. Sie fragen auch: Wie lange läuft das Netzwerk stabil? Wie groß ist die Liquidität? Wie belastbar sind die Protokolle im Stressfall?

Trotzdem zeigt der Rückgang des Marktanteils, dass DeFi nicht mehr so stark um eine einzige Chain kreist wie noch vor einigen Jahren. Solana, BNB Smart Chain, Bitcoin, Tron und Base liegen jeweils im mittleren einstelligen Prozentbereich. Keiner dieser Wettbewerber greift Ethereum allein ernsthaft an. Zusammen aber verändern sie die Marktstruktur.

Das ist der eigentliche Punkt. Ethereum verliert nicht, weil ein einzelner Rivale plötzlich vorbeizieht. Der Markt verteilt sich. Nutzer, Entwickler und Liquidität bewegen sich dorthin, wo Gebühren, Geschwindigkeit, Renditen und konkrete Anwendungen besser zum jeweiligen Zweck passen. DeFi wird weniger monolithisch, etwas unordentlicher, aber auch vielseitiger.

DeFi wird stärker fragmentiert

Für Ethereum ist diese Entwicklung zweischneidig. Einerseits bleibt das Netzwerk der tiefste Liquiditätsmarkt im DeFi-Bereich. Hohe Sicherheit, lange Protokollhistorie und ein großes Entwicklerökosystem sprechen weiter für Ethereum.

Gerade bei komplexen Finanzanwendungen, großen Kreditmärkten oder institutionellen Produkten zählt diese Verlässlichkeit mehr als ein paar Basispunkte weniger Transaktionskosten.

Andererseits ist die Konkurrenz inzwischen deutlich praktischer geworden. Solana punktet mit schnellen und günstigen Transaktionen, was besonders für aktive Trader und kleinere Positionen attraktiv ist.

Tron bleibt stark bei Stablecoin-Flüssen, vor allem dort, wo schnelle Transfers und niedrige Kosten wichtiger sind als ein breites DeFi-Angebot.

Base profitiert von der Nähe zu Coinbase und einer wachsenden Nutzerbasis, die leichter aus zentralisierten Plattformen in On-Chain-Anwendungen wechseln kann.

Bitcoin gewinnt über neue DeFi-nahe Konstruktionen ebenfalls an Sichtbarkeit, auch wenn der Markt dort anders funktioniert als auf klassischen Smart-Contract-Chains.

Dort geht es weniger um klassische DeFi-Komposabilität wie auf Ethereum, sondern stärker um Wrapped Assets, Layer-2-Ansätze und neue Formen der Nutzung von Bitcoin-Liquidität.

Der sinkende TVL-Anteil ist deshalb weniger ein Bruch als eine Verschiebung. Ethereum bleibt der Referenzpunkt für DeFi, aber die zweite Reihe rückt enger zusammen.

Für Trader und Protokolle bedeutet das: Liquidität liegt nicht mehr automatisch dort, wo sie früher lag.

Sie verteilt sich über mehrere Ökosysteme, und genau dort entsteht inzwischen der eigentliche Wettbewerb. Nicht nur um Kapital, sondern auch um Nutzererfahrung, Integrationen und die Frage, welche Chain im Alltag wirklich gebraucht wird.