• NYDIG hält die These für überzogen, dass Bitcoin strukturell mit US-Softwareaktien „konvergiert“ und als Tech-Proxy taugt.
  • Laut Greg Cipolaro erklärt sich die jüngste Parallelrally plausibler über ein gemeinsames Makro-Regime für langlaufende, liquiditätssensitive Risikoassets.

Bitcoin lief in den vergangenen Tagen auffällig parallel zu US-Softwarewerten. Für viele Marktbeobachter war das der nächste Beweis, dass BTC am Ende nur ein Tech-Proxy mit anderem Ticker sei. NYDIG hält genau diese Schlussfolgerung für zu bequem.

„Visuell überzeugend“, aber kein struktureller Beweis

Greg Cipolaro, Research-Chef bei NYDIG, schreibt, der optische Eindruck sei verführerisch. Indexierte Preisverläufe von Bitcoin und Softwareaktien passen aktuell gut zusammen.

Daraus aber abzuleiten, dass Bitcoin und Softwaretitel strukturell zusammengewachsen seien oder die gleichen Themenexposures hätten, sei übertrieben.

Gemeint ist vor allem die Erzählung, Bitcoin werde über KI, „quantum risk“ oder andere Tech-Megathemen im selben Atemzug wie US-Software gespielt. Für Cipolaro ist das eher Storytelling als Marktmechanik.

Bitcoin ist ein globales, hochliquides Asset, Software-Aktien sind Unternehmensrisiko mit Earnings, Margen und Bewertung. Dass sich beide in einem kurzen Fenster ähnlich bewegen, sagt zunächst nur: Sie bewegen sich ähnlich.

Makro-Regime statt Tech-Narrativ

Cipolaro verweist auf eine andere Erklärung, die im Handel oft banal ist, aber meist besser passt. Beide Märkte reagieren stark auf Liquidität, Zinsniveau und Risikoappetit, also auf das, was er als „long-duration, liquidity-sensitive risk assets“ beschreibt.

Wenn das Makro-Regime diese Art Assets begünstigt, laufen Bitcoin und Software eben gemeinsam, ohne dass man eine neue strukturelle Beziehung konstruieren muss.

Für Anleger ist der Punkt nicht akademisch. Wer Bitcoin als Tech-Proxy behandelt, riskiert falsche Hedges und falsche Positionsgrößen. In Phasen, in denen die Korrelation wieder auseinanderläuft, wird aus der vermeintlichen Diversifikation schnell ein Doppelrisiko.