- Vitalik Buterin warnt, dass viele Prognosemärkte heute vor allem „dumme Meinungen“ und kurzfristige Spekulation statt sinnvoller Informationssignale belohnen.
- Der Ethereum-Mitgründer fordert einen Kurswechsel hin zu AI-basierten Hedging-Tools, die reale Konsum- und Geschäftsrisiken abbilden.
Die Kritik kommt ausgerechnet von einem Investor: Vitalik Buterin, Ethereum-Mitgründer und Polymarket-Unterstützer, stellt die strategische Ausrichtung der Branche offen infrage.
Buterin warnt vor „ungesundem Produkt-Markt-Fit“
In einem Beitrag auf X schrieb Buterin, er beginne sich ernsthaft um Prognosemärkte zu sorgen. Viele Plattformen würden sich auf ein enges Set an Produkten einpendeln: kurzfristige Krypto-Preiswetten, Sportwetten und ähnliche Formate, die vor allem als Dopamin-Lieferanten funktionieren.
Diese Entwicklung habe zwar Nutzerzahlen gebracht, liefere aber kaum noch gesellschaftlich relevante Informationen. Aus Märkten, die eigentlich Wahrscheinlichkeiten über Wahlen, Politik oder makroökonomische Szenarien aggregieren sollten, seien primär Glücksspiele mit Krypto-Interface geworden.
Buterin kritisiert, dass sich das Liquiditätsmodell zunehmend auf uninformierte Spekulanten stütze. Wenn ein Großteil des Volumens aus „dummen Meinungen“ bestehe, bröckele das ursprüngliche Versprechen der Branche: Preise als komprimiertes Wissen vieler Marktteilnehmer.
Von Wettplattform zu AI-gestütztem Absicherungsinstrument
Stattdessen skizziert Buterin ein anderes Zielbild. Prognosemärkte und Onchain-Derivate sollten näher an realen Haushalts- und Unternehmensrisiken arbeiten. Denkbar seien AI-gestützte Hedging-Tools, die etwa Energiepreise, Konsumausgaben oder branchenspezifische Umsätze modellieren und automatisch passende Kontrakte abschließen.
In diesem Szenario wären Prediction Markets weniger Casino und mehr Infrastruktur: Verbraucher und Unternehmen könnten Schwankungen in Mieten, Stromrechnungen oder Rohstoffpreisen absichern, während Algorithmen Liquidität und Risiken steuern.
Für die Branche bedeutet Buterins Intervention eine unbequeme Frage: Reicht ein Geschäftsmodell, das vor allem auf spekulative Unterhaltung setzt, oder müssen Plattformen stärker in Richtung regulierungsfähiger Risiko- und Informationsmärkte umsteuern.







