• Senatorin Elizabeth Warren fordert vom OCC Antworten zu nationalen Trust-Chartern für Krypto-Unternehmen wie Ripple und Coinbase.
  • Sie warnt, einige Firmen könnten faktisch als Krypto-Banken auftreten, ohne den vollständigen Bankregeln zu unterliegen.

Elizabeth Warren erhöht den Druck auf die US-Bankenaufsicht OCC. In einem Brief an Comptroller Jonathan Gould hinterfragt die Senatorin Genehmigungen für nationale Trust-Charter, die seit 2025 an mehrere Krypto-nahe Unternehmen vergeben wurden.

Warren sieht Grauzone zwischen Trust und Bank

Nach Warrens Darstellung hat das OCC seit 2025 neun nationale Trust-Charter für Krypto-Unternehmen genehmigt. Auf ihrer Liste stehen auch Namen wie Ripple und Coinbase.

Die Senatorin stellt nun infrage, ob einige dieser Unternehmen tatsächlich nur treuhänderische Dienstleistungen anbieten oder in der Praxis deutlich näher an einem vollständigen Bankmodell operieren.

Genau hier liegt der Kern des Streits. Eine Trust-Gesellschaft darf bestimmte Verwahr- und Treuhandfunktionen übernehmen. Eine Bank dagegen unterliegt strengeren Anforderungen, etwa bei Kapital, Liquidität, Einlagenschutz, Risikomanagement und laufender Aufsicht.

Warren argumentiert, einige Krypto-Firmen wollten bankähnliche Geschäfte betreiben, ohne die vollen Pflichten einer Bank tragen zu müssen.

In ihrem Schreiben spricht sie von Unternehmen, die faktisch Krypto-Banken seien und grundlegende Schutzmechanismen umgehen wollten. Das ist politisch zugespitzt, aber nicht überraschend. Warren zählt seit Jahren zu den schärfsten Kritikern der Kryptoindustrie in Washington.

OCC-Charter werden zum politischen Streitpunkt

Für Ripple, Coinbase und andere Krypto-Unternehmen sind nationale Trust-Charter strategisch wichtig. Sie können regulatorische Klarheit schaffen, den Zugang zu institutionellen Kunden erleichtern und Verwahrdienste unter einem bundesweiten Rahmen ermöglichen. Genau das macht sie aber auch politisch sensibel.

Warren warnt, die OCC-Genehmigungen könnten Risiken für Verbraucher, die Stabilität des Bankensystems und die Trennung von Bankgeschäft und Handel schaffen. Diese Trennung ist in den USA historisch wichtig, weil sie verhindern soll, dass kommerzielle Unternehmen zu tief in das klassische Bankwesen hineinwachsen.

Der Streit kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Krypto stärker in regulierte Finanzstrukturen drängt. Stablecoins, Tokenisierung, Custody und Zahlungsdienste nähern sich klassischen Bankfunktionen an. Für das OCC wird damit die Frage dringlicher, wo eine Trust-Charter endet und wo eine Banklizenz beginnen müsste.