- Binance führt eine Schutzfunktion ein, die Onchain-Auszahlungen für einen festgelegten Zeitraum blockieren kann.
- Die Maßnahme richtet sich auch gegen physische Bedrohungen, bei denen Krypto-Nutzer gezwungen werden, eigene Gelder zu verschieben.
Binance reagiert auf ein Risiko, das in der Kryptobranche lange eher am Rand diskutiert wurde: nicht Phishing, nicht Malware, sondern Gewalt und Erpressung im echten Leben.
Auszahlungssperre für Hochrisiko-Situationen
Die neue Funktion heißt Withdraw Protection. Wird sie aktiviert, blockiert Binance alle Onchain-Auszahlungen aus dem Konto für ein zuvor festgelegtes Sperrfenster. Während dieser Zeit kann niemand die Kryptowährungen von der Plattform abziehen, auch der Nutzer selbst nicht.
Binance beschreibt den Anwendungsfall ziemlich direkt. Es gebe eine Risikokategorie, die klassische Sicherheitsmaßnahmen nicht abdecken: physische Nötigung. Gemeint sind Situationen, in denen jemand persönlich unter Druck gesetzt wird, seine eigenen Gelder zu bewegen.
Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung und Gerätefreigaben helfen in solchen Fällen nur begrenzt. Wenn der rechtmäßige Kontoinhaber selbst zur Transaktion gezwungen wird, greifen viele digitale Schutzmechanismen ins Leere. Eine harte Auszahlungssperre verlagert die Verteidigung deshalb auf Zeit. Sie macht eine sofortige Überweisung unmöglich.
Wrench Attacks werden zum Sicherheitsproblem
Der Schritt kommt vor dem Hintergrund zunehmender sogenannter Wrench Attacks. Dabei werden Krypto-Besitzer nicht technisch gehackt, sondern körperlich bedroht, entführt oder erpresst. CertiK hatte im Februar berichtet, dass Angriffe mit physischen Drohungen zum Diebstahl von Kryptowährungen 2025 um 75 Prozent gestiegen seien.
Auch Behörden beschäftigen sich stärker mit dem Thema. Französische Ermittler untersuchten zuletzt 88 Personen im Zusammenhang mit einer Serie von Entführungen und Erpressungen gegen Krypto-Halter.
Für Binance ist die Funktion damit mehr als ein weiteres Konto-Feature. Sie zeigt, dass Krypto-Sicherheit nicht mehr nur aus besseren Passwörtern und Wallet-Praktiken besteht. Je größer private Bestände werden, desto stärker rückt auch persönliches Risiko in den Vordergrund.
Für Nutzer bedeutet das eine unbequeme Abwägung: weniger sofortige Verfügbarkeit, aber mehr Schutz in genau den Momenten, in denen Geschwindigkeit gefährlich wird.







