- Die EZB stellt sich laut Reuters gegen Vorschläge, die Regeln für Euro-Stablecoins zu lockern.
- Die Notenbank warnt, eine breitere Stablecoin-Ausgabe könne Bankeinlagen abziehen und die Kreditvergabe schwächen.
Die Europäische Zentralbank bremst bei Euro-Stablecoins. Nach Angaben von Reuters wehrt sich die EZB gegen Vorschläge, die Regeln für solche digitalen Euro-Token zu lockern. Der Grund ist nicht neu, aber politisch heikel: Die Notenbank fürchtet Risiken für Banken und Geldpolitik.
Bankeinlagen stehen im Zentrum der Sorge
Aus Sicht der EZB könnten breit verfügbare Euro-Stablecoins Geld aus Bankeinlagen abziehen.
Das klingt technisch, trifft aber den Kern des europäischen Finanzsystems. Banken finanzieren einen Teil ihrer Kreditvergabe über Kundeneinlagen. Wenn größere Beträge in Stablecoins wandern, kann sich diese Finanzierungsbasis verschieben.
Die Sorge geht noch weiter. Weniger stabile Einlagen könnten Banken dazu zwingen, sich teurer zu refinanzieren oder vorsichtiger Kredite zu vergeben.
Das wäre besonders in einem Umfeld sensibel, in dem Unternehmen und Haushalte ohnehin stark auf Bankkredite angewiesen sind. Europa ist anders strukturiert als die USA, wo Kapitalmärkte eine größere Rolle spielen.
Zentralbanker um EZB-Präsidentin Christine Lagarde lehnen daher offenbar eine weichere Linie ab. Für die EZB geht es nicht nur um Krypto-Regulierung, sondern um Kontrolle über Liquidität, Zahlungsverkehr und die Wirksamkeit der Zinspolitik. Wenn digitale Geldformen außerhalb des Bankensystems stark wachsen, wird die Transmission der Geldpolitik komplizierter.
Europa ringt mit Dollar-Dominanz im Stablecoin-Markt
Der Konflikt hat aber eine zweite Seite. Der Brüsseler Thinktank Bruegel warnt, zu strenge EU-Regeln könnten Aktivität ins Ausland treiben und die digitale Dollarisierung verstärken. Genau dort liegt Europas Dilemma.
Der Stablecoin-Markt wird klar vom US-Dollar dominiert. Wenn europäische Anbieter kaum Spielraum bekommen, nutzen Unternehmen und Trader weiter Dollar-Stablecoins. Das stärkt US-Infrastruktur, nicht europäische Zahlungsautonomie.
Die EZB priorisiert Stabilität. Teile der Industrie und einige Marktbeobachter sehen dagegen das Risiko, dass Europa bei digitalem Geld zu vorsichtig agiert. Euro-Stablecoins könnten grenzüberschreitende Zahlungen, Tokenisierung und On-Chain-Abwicklung in Europa unterstützen. Aber nur, wenn sie regulatorisch überhaupt skalieren können.







