MediaMarktSaturn hat sämtliche Ledger-Produkte international aus seinen Geschäften und Onlineplattformen genommen. Der vorsorgliche Verkaufsstopp folgt einem Bericht über mutmaßlich manipulierte Hardware-Wallets in Deutschland und wurde nach Angaben von Ledger mit dem Hersteller abgestimmt.

MediaMarkt stoppt Ledger-Verkauf in allen Ländern

Ein Sprecher von MediaMarktSaturn bestätigte am 13. Oktober, dass die Entscheidung das gesamte internationale Sortiment betrifft:

„Die Produkte wurden international in allen unseren Ländern aus dem Sortiment genommen. Wir haben dies als Vorsichtsmaßnahme getan.“

Ledger erklärte, ein Kunde aus Deutschland habe eine zusätzliche Hardwarekomponente in einem Gerät gemeldet. Während der Untersuchung werde der Verkauf bei MediaMarktSaturn sowohl online als auch in den Filialen ausgesetzt. Im Zusammenhang mit diesem Fall seien bislang keine Vermögensverluste gemeldet worden.

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Der Kundendienst prüfe den Bericht, während das Sicherheitsforschungsteam Ledger Donjon das Gerät untersuchen soll. Hinweise darauf, dass Ledgers Infrastruktur, Systeme oder Dienste kompromittiert wurden, gebe es nach Angaben des Unternehmens nicht.

Der X-Nutzer Johannes hatte am 12. Oktober berichtet, in zwei Ledger-Geräten aus unterschiedlichen MediaMarkt-Filialen dieselben verdächtigen Veränderungen entdeckt zu haben. Dazu zählten zusätzliche Kabel und ein LTE-Modul. Das Auspacken des zweiten Geräts habe er gefilmt.

„Ich kann bestätigen, dass die Lieferkette von Ledger auch in Europa kompromittiert ist. Ledger sollte sofort einen Produktrückruf einleiten, um Nutzer zu schützen.“

Diese Einschätzung stammt von Johannes. Sein Bericht belegt bislang keinen flächendeckenden Befall des europäischen Bestands. Nach eigenen Angaben schickte er das erste Gerät an Mark Karpelès und wollte das zweite Ledger zur Analyse überlassen.

Unabhängig davon meldete der frühere Mt.-Gox-Chef Karpelès am 13. Oktober einen Fund in einem Ledger Flex, das ein Käufer am Flughafen Singapur erworben und ihm zur Untersuchung geschickt hatte. Auf X schrieb er:

„Es ist bestätigt: Ein am Flughafen Singapur verkauftes Ledger Flex enthält ein Spionageimplantat!“

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Ob die gemeldeten Geräte aus Deutschland und Singapur mit dem CryptoBilis-Vorfall zusammenhängen, ist bislang nicht geklärt.

Echtheitsprüfung erkennt Spionagehardware nicht

Die Untersuchung begann nach Verlustmeldungen vom 9. Oktober im Zusammenhang mit dem südostasiatischen Wiederverkäufer CryptoBilis. Ledger bestätigte am 10. Oktober ein unautorisiertes Implantat in einem betroffenen Kundengerät. CryptoBilis setzte anschließend den Verkauf sämtlicher Hardware-Wallet-Marken aus.

Nach Ledgers Untersuchungsupdate vom 13. Oktober erfassten Implantate die während der Einrichtung angezeigten 24 Wörter der Wiederherstellungsphrase und übermittelten sie per LTE über eine eSIM. Der Sicherheitschip selbst, das Betriebssystem sowie Transaktionen und Signaturen seien dabei unverändert geblieben.

Das erklärt eine entscheidende Grenze der softwaregestützten Echtheitsprüfung. Ledger Donjon schreibt in seiner eigenen Sicherheitsdokumentation:

„Eine Echtheitsprüfung kann unautorisierte physische Veränderungen an der Hardware, etwa Spionageimplantate, nicht erkennen, wenn das ursprüngliche Secure Element intakt bleibt.“

Ein erfolgreich bestandener Genuine Check bestätigt damit die Echtheit des Sicherheitschips, aber nicht die Unversehrtheit aller Bauteile. Für die weitere Untersuchung ist entscheidend, an welcher Stelle die Geräte verändert wurden und welche Bestände betroffen sind. Der internationale Verkaufsstopp begrenzt vorerst den Vertrieb über MediaMarktSaturn, das Ausmaß der Manipulationen bleibt offen.