• Der US-Senat hat S. Res. 708 verabschiedet und den Handel auf Prognosemärkten für Senatoren und Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung verboten.
  • Die Maßnahme folgt auf wachsende Bedenken, dass vertrauliche Regierungsinformationen für Wetten auf politische Ereignisse genutzt werden könnten.

Der US-Senat zieht eine klare Grenze bei Prognosemärkten. Senatoren, Mitarbeiter und Amtsträger der Kammer dürfen künftig nicht mehr auf Ereignisse wetten, bei denen sie durch ihre Arbeit möglicherweise Informationsvorsprünge haben.

Washington reagiert auf Insider-Sorgen

Die von Senator Bernie Moreno aus Ohio eingebrachte Resolution S. Res. 708 ändert die Geschäftsordnung des Senats. Laut Bericht tritt das Verbot sofort in Kraft. Ziel ist es, den Anschein zu vermeiden, dass öffentliche Ämter für private Glücksspiele missbraucht werden können.

Prognosemärkte wie Polymarket oder Kalshi haben zuletzt deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Nutzer handeln dort Wahrscheinlichkeiten für politische Entscheidungen, Wahlen, Gerichtsverfahren oder geopolitische Ereignisse. Genau das macht sie für Märkte interessant, aber für Politiker heikel.

Moreno begründete den Schritt mit dem Risiko von Insiderhandel. In Washington ist dieses Thema ohnehin sensibel, weil auch Aktiengeschäfte von Abgeordneten seit Jahren kritisch diskutiert werden. Bei Prognosemärkten ist das Problem noch direkter: Ein einzelnes vertrauliches Briefing kann den Wert einer Wette verändern.

Polymarket-Fall erhöht den Druck

Auslöser der Debatte war unter anderem ein Fall rund um eine Wette auf den möglichen Machtverlust des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Ein Polymarket-Konto soll damit rund 400.000 Dollar verdient haben. Später wurde der aktive US-Soldat Gannon Ken Van Dyke festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, vertrauliche Informationen für diese Wette genutzt zu haben. Er bekannte sich nicht schuldig.

Der Fall hat die Schwachstelle sichtbar gemacht. Prognosemärkte können öffentliche Erwartungen sehr effizient abbilden. Sie können aber auch anfällig werden, wenn Personen mit privilegiertem Zugang zu Regierungs- oder Sicherheitsinformationen teilnehmen.

Das Verbot gilt zunächst für den Senat. Ob ähnliche Regeln im Repräsentantenhaus oder für andere Teile der US-Regierung folgen, bleibt offen. Für die Branche ist das Signal trotzdem deutlich: Politische Prognosemärkte werden nicht mehr nur als Krypto-Nische behandelt, sondern als Teil der breiteren Debatte über Ethik, Marktintegrität und Informationsvorsprung.