Ein Mitarbeiter der IOTA-Stiftung gehört zu den aktivsten Autoren des neuen UN/CEFACT Web Vocabulary für den internationalen Handel. José Manuel Cantera Fonseca steuert einen erheblichen Teil des Codes bei und verfügt im offiziellen Repository auch über Merge-Rechte.

Dies bedeutet aber nicht die Integration von IOTA. Die Blockchain wird in dem Vokabular nicht genannt.

IOTA-Mitarbeiter ist zweitaktivster Autor

Auf die Beteiligung machte der X-Account Iota Feed aufmerksam. Eine aktuelle Auswertung des offiziellen UN/CEFACT-Repositorys bestätigt den X-Post.

Zum Stand vom 21. September stammen 55 der insgesamt 320 Commits im Main-Branch von Cantera. Damit ist er hinter dem maßgeblichen UN/CEFACT-Autor Steve Capell der zweitaktivste Entwickler des Projekts.

Tipp der Redaktion: Nach IOTA-Exploit: Virtue bringt Recovery-Modul auf das Mainnet

Über sämtliche Branches führt GitLab derzeit 125 von Cantera verfasste Beiträge bei insgesamt 444 Commits. Seine ersten Beiträge zum Repository leistete Fonseca am 30. Juli.

Noch aussagekräftiger als die reine Zahl der Commits ist Canteras Rolle bei den Merge-Requests. Von mittlerweile 51 abgeschlossenen Anträgen hat er 15 selbst eingereicht. Sechs Merge-Requests führte er eigenständig mit dem Hauptprojekt zusammen.

Dazu gehört ein am 16. September integrierter Vorschlag von Steve Capell. Dieser befasst sich mit einer neuen Methode zur Modellierung der Lebenszyklen von Handelsdokumenten und anderen Entitäten.

Die Merge-Aktivität zeigt, dass Cantera eine zentrale Rolle bei dem Projekt spielt. Er besitzt weitreichende technische Berechtigungen, um bereits geprüfte Änderungen in das zentrale Repository zu übernehmen.

Das bedeutet jedoch keine alleinige Kontrolle über den Standardisierungsprozess. Nach den Governance-Regeln werden Änderungsvorschläge von registrierten UN/CEFACT-Experten und dem Sekretariat geprüft.

Gemeinsames Wörterbuch für den Welthandel

Das UN/CEFACT Web Vocabulary soll zwei bereits bestehende UN-Vokabulare in einer gemeinsamen Linked-Data-Ontologie zusammenführen: das Buy-Ship-Pay-Referenzmodell und das United Nations Transparency Protocol (UNTP).

Das Projekt ordnet die Begriffe des internationalen Handels in sieben Bereiche: Core, Trade, Transport, Regulatory, Finance, Production und Conformity. Es soll damit die Rolle als maschinenlesbares Wörterbuch für Handelsdokumente, Lieferketten, regulatorische Angaben, Finanzierung und Konformitätsnachweise übernehmen.

Lesetipp: IOTA-Manager tritt VWT-Lenkungsgremium bei: Das bedeutet der Schritt

Wichtig ist allerdings zu betonen, dass das Vokabular nicht festlegt, auf welcher Blockchain oder technischen Infrastruktur Dokumente verarbeitet werden müssen. Unterschiedliche Systeme können die Begriffe verwenden und damit untereinander technisch kommunizieren.

UN-Protokolle bestätigen Canteras Verantwortung

Bemerkenswert ist auch, dass sich Canteras Rolle nicht nur auf GitLab beschränkt. In den offiziellen Sitzungsprotokollen vom 25. August wird ihm die Verantwortung für zwei Dokumentationsbereiche übertragen.

Demnach soll er einen Abschnitt über eine skalierbare Architektur ausarbeiten und eine Seite zu den Designprinzipien verfassen. Diese soll die Ausrichtung an UN/CEFACT sowie weiteren Vokabularen erklären.

Die Aufgaben wurden im Rahmen des verwandten UNVTD-Projekts vergeben und sollen auf das neue Web Vocabulary Bezug nehmen.

Trotz der personellen Verbindung ist die Aussage, IOTA werde Teil eines UN-Standards, derzeit falsch. Weder das IOTA-Netzwerk noch der IOTA-Token oder eine konkrete Blockchain werden im Vokabular vorgeschrieben.

Hinzu kommt, dass laut Governance-Seite momentan sämtliche enthaltenen Begriffe den Status „proposed“ tragen. Sie wurden damit vorgeschlagen, aber noch nicht für die Verwendung ratifiziert.