Für IOTAs Handelsprojekte in Afrika liegt eine zentrale Herausforderung darin, bereits vorhandene digitale Daten über Behörden- und Landesgrenzen hinweg nutzbar zu machen. Eine Bestandsaufnahme von Alban Jackohango vom Tony Blair Institute zeigt, warum das Vorhaben noch immer stockend anläuft.
Der am 29. Oktober veröffentlichte Bericht schildert einen Workshop in Nairobi, bei dem Banken, Behörden und Unternehmen die nächsten Schritte für Kenias digitalen Handel diskutierten. Der Tenor lautete: Elektronisch eingereichte Dokumente führen noch nicht zu durchgehend digitalen Abläufen. Manuelle Freigaben, Papieroriginale und voneinander abgeschottete Systeme sind weiterhin ein großes Problem.
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Dies ist gleich für zwei IOTA-Initiativen in Afrika von zentraler Bedeutung: Die Handelsplattform TLIP nutzt die IOTA-basierte TWIN-Infrastruktur für den Austausch von Handelsdaten. Auch die vom AfCFTA-Sekretariat mit der IOTA Foundation, dem Tony Blair Institute und dem Weltwirtschaftsforum entwickelte Initiative ADAPT baut auf TWIN auf. Sie soll digitale Identitäten, Datenaustausch und Zahlungen grenzüberschreitend verbinden.
Der Engpass für IOTA liegt bei bestehenden Systemen
Kenia hat bereits erhebliche Teile seiner Handelsverwaltung digitalisiert. Handelsminister Lee Kinyanjui zufolge verbindet TradeNet mehr als 40 Behörden und spart Unternehmen jährlich rund 185 Millionen US-Dollar. Commonwealth-Beraterin Vashti Maharaj beziffert in dem Bericht die Umsetzung papierlosen Handels im Inland auf 89 Prozent, grenzüberschreitend dagegen auf 67 Prozent.
Diese Lücke zeigt den möglichen Nutzen, aber auch den Engpass für TWIN: Daten müssen zwischen bestehenden Systemen ausgetauscht und von den jeweiligen Empfängern verwendet werden können. Eine digitale Einreichung in Kenia hilft einem Exporteur aber nur begrenzt, wenn der nächste Beteiligte erneut Papier verlangt oder dieselben Angaben nochmals erfasst.
Die technische Verbindung mittels IOTA und TWIN löst die Probleme also nicht allein. ICC-Kenya-Vorsitzender Julius Opio formulierte die Grenze deutlich:
„Die Privatwirtschaft kann nicht vollständig digital werden, solange Gesetze und Institutionen weiterhin eine handschriftliche Unterschrift verlangen.“
TradeMark-Africas Mark Priestley berichtete beim Workshop zudem von TLIP-Piloten in Kenia und der geplanten Anbindung weiterer Länder. So ist ein Abkommen mit Indien für den Informationsaustausch zwischen Zollbehörden geplant.
Laut Jurist Daniel Ngumy fehlen Kenia unter anderem Regeln dafür, wer elektronische Traditionspapiere kontrolliert und wie diese Kontrolle übertragen wird. Banken verlangen deshalb weiterhin physische Konnossemente. Für IOTA bedeutet das: Die Nachprüfbarkeit digitaler Informationen muss einen Rechtsrahmen bekommen. Dieser fehlt teilweise noch immer.
Der wirtschaftliche Nutzen reicht dabei über schnellere Abfertigung hinaus. Anna Brod-Ohana vom EBRD-Handelsfinanzierungsprogramm erklärte:
„Ziel ist nicht einfach papierloser Handel. Es geht um Handel, der durch Finanzierung ermöglicht wird.“
Ein Beispiel liefert das Rechnungsregister eTIMS der kenianischen Steuerbehörde. Deren Vorsitzender Ndiritu Muriithi sagte:
„Das Register existiert, die Daten existieren. Aber ich darf sie nicht an Banken weitergeben.“
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ADAPT soll die grenzüberschreitende Nutzung erproben
Vor diesem Hintergrund könnte der geplante ADAPT-Test zwischen Kenia und Nigeria ein wichtiger Schritt sein. Alban J. Odhiambo vom Tony Blair Institute kündigte eine regulatorische Sandbox an, die etwa im Februar 2027 beginnen und ungefähr ein Jahr laufen soll. Sie soll erproben, ob digitale Nachweise eines Landes im anderen anerkannt und genutzt werden können.
Odhiambo erklärte das aktuelle Problem klar:
„Sobald die Grenze überschritten wird, läuft alles auf Papierbasis.“
Genau hier soll die geplante Sandbox ansetzen und die grenzüberschreitende Anerkennung digitaler Nachweise erproben.
Für IOTA lässt sich aus Jackohangos Bericht damit eine konkrete Bedingung für breitere Adoption ableiten: TWIN muss in gemeinsam akzeptierte Handelsabläufe eingebunden werden, und die regulatorischen Bedingungen müssen ausgebaut werden. Bis dahin werden die IOTA-Projekte in Afrika weiterhin noch stockend vorankommen.












