Die britische 3Sixty Trade Ltd ist als kommerzieller Betreiber der IOTA-basierten Handelsinfrastruktur TWIN neu in das Ökosystem gekommen und hat nach eigenen Angaben im Oktober den britischen Pilotbetrieb übernommen.

Registerunterlagen zeigen, dass IOTAs Handelschef Jens Munch Lund-Nielsen 80 Prozent der Stimmrechte hält, während die Tangle Ecosystem Association (TEA) die übrigen 20 Prozent kontrolliert.

IOTA-Handelschef und TEA kontrollieren die Firma

Die Gesellschaft wurde bereits am 23. August 2024 als 3RD Chain Ltd gegründet und im Juli 2025 umbenannt. Lund-Nielsen ist seit der Gründung Direktor. Die zum 22. August 2026 erstellte und am 9. September eingereichte Gesellschafterbestätigung weist ihm acht Millionen stimmberechtigte Aktien zu, TEA hält zwei Millionen.

Diese Aktien verfügen auch über volle Dividendenrechte. Weitere 1,7 Millionen Aktien verteilen sich auf neun Personen und haben laut Bestätigung weder Stimm- noch Dividendenrechte. Die Ausgabe von 9,99 Millionen stimmberechtigten Aktien erfolgte im Oktober 2025 zu jeweils 0,0001 Pfund.

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TEA ist ein Verein in Zug, dessen Vorstand Dominik Schiener vorsitzt. Für die Förderung des Ökosystems wurden TEA 2023 insgesamt 552 Millionen IOTA zugeteilt, damals zwölf Prozent der vorgesehenen Gesamtmenge, mit schrittweiser Freigabe über vier Jahre.

Interessant ist auch, dass mehrere weitere Gesellschafter Verbindungen zum IOTA-Umfeld haben. Martyn Janes arbeitete als Softwareentwickler am Firefly-Wallet. Andrew Brough leitete früher UX und Design bei IOTA und gründete die Beratung Digital Zen.

Ian Clark verantwortete als Head of Product die TWIN-Produktentwicklung und kündigte inzwischen seinen Abschied an. Manuel Vigilius war Kommunikationsberater für IOTA und vorübergehender Kommunikationsleiter für TWIN, sein Auftrag ist mittlerweile abgeschlossen.

Niall Terence Murphy ist Direktor von 3Sixty sowie früherer Mitgründer und CEO von EVRYTHNG, das von Digimarc übernommen wurde.

3Sixty beschreibt seine Rolle im Ökosystem auf der offiziellen Website so:

„3Sixty ist der kommerzielle Betreiber auf dieser Grundlage. Dazu gehören das Team, die Beziehungen zu Regierungen und die Integrationen.“

Das Unternehmen will TWIN mit Hafen-, Speditions- und Behördensystemen verbinden. Die Einnahmen sollen im Privatsektor aus Gebühren pro Sendung und Unternehmensabonnements entstehen, im öffentlichen Sektor aus Dienstleistungsverträgen.

Die offene Infrastruktur bleibt in der Verantwortung der TWIN Foundation. Dies stellte nicht zuletzt auch IOTA-Mitbegründer Dominik Schiener im Rahmen des Manifests vom 22. Januar fest:

„In Verbindung mit IOTA ist TWIN kein kommerzielles Produkt. Es ist eine digitale Infrastruktur als öffentliches Gut, die der gesamten Weltwirtschaft dienen soll.“

Breitere Adoption ab 2027?

Auch technisch ist der Übergang von TWIN zur 3Sixty Trade Ltd sichtbar. Die GitHub-Organisation von 3Sixty umfasst 38 öffentliche Repositories, angelegt zwischen dem 2. und 9. Oktober. Das Node-Repository nennt ausdrücklich das frühere IOTA-Repository als Ursprung. TWINs eigene GitHub-Organisation zeigt dagegen lediglich ein öffentliches Profil-Repository.

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Das npm-Paket @3sixty/core wurde erstmals am 9. Oktober veröffentlicht. Die bisherigen Pakete @twin.org/core und @twin.org/node waren bei unserer Prüfung nicht mehr abrufbar.

Für Großbritannien kündigt 3Sixty auf seiner offiziellen Website bis Jahresende einen geschlossenen Pilotbetrieb an. Weitere Importeure, Spediteure und Händler sollen ab dem ersten Quartal 2027 Zugang erhalten. Auch den landesweiten TLIP-Rollout in Kenia erwartet das Unternehmen in diesem Zeitraum.

Dies passt auch zu den Angaben der TWIN Foundation, die am 24. Juni größere britische Hafenanbindungen und den vollständigen öffentlichen TLIP-Start noch für 2026 angekündigt hatte.

Fraglich bleiben jedoch die konkreten Verträge zwischen IOTA Foundation, TWIN Foundation, TEA und 3Sixty. TEAs Beteiligung schafft eine mögliche Verbindung zwischen Unternehmensgewinnen und der Förderung des IOTA-Ökosystems.

Welche Erlöse tatsächlich zurückfließen und welche Kontrollrechte die TWIN Foundation besitzt, sind aber brennende Fragen, deren Antworten in den von uns geprüften Dokumenten nicht aufzufinden sind.