Trotz des historischen Binance-Hacks am Donnerstag, bei dem Vermögenswerte im Wert von über 6,3 Milliarden US-Dollar gestohlen wurden, hält sich der Bitcoin-Kurs bislang oberhalb der Marke von 76.000 US-Dollar. Zum Redaktionszeitpunkt notiert Bitcoin bei 77.169,23 US-Dollar. (Artikel geht nach dem Chart weiter)
Zahlreiche Indikatoren haben inzwischen jedoch von neutral auf stark bärisch gedreht, sodass weitere Kursverluste drohen könnten.
Auch Bitcoin-ETFs bluten jetzt
Nachdem Bitcoin-ETFs von Montag bis Donnerstag insgesamt 435 Millionen US-Dollar an Zuflüssen verzeichnet hatten, schlug die Stimmung auch unter institutionellen Anlegern um: Am Freitag kam es zu einem massiven Kapitalabfluss von 643 Millionen US-Dollar.

Damit wurden die Zuflüsse der vorangegangenen Tage vollständig aufgezehrt. Auf Wochensicht ergibt sich ein Nettoabfluss von 208 Millionen US-Dollar. Ethereum-ETFs verzeichnen bereits seit sieben Tagen Abflüsse. Am Freitag setzte sich die Negativserie mit weiteren 135 Millionen US-Dollar fort.
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Doch nicht nur der Kryptomarkt steht unter massivem Verkaufsdruck. Auch an den US-Aktienmärkten kam es am Freitag zu deutlichen Kursverlusten, insbesondere bei Technologie- und Halbleiteraktien. Die Intel-Aktie brach nach enttäuschenden Geschäftsaussichten um knapp 29 % ein, während Sandisk rund 13 % verlor.

Auch bei den großen Tech-Konzernen Microsoft, Meta, Amazon und Alphabet kam es zu weiteren Abverkäufen. Der technologielastige Nasdaq Composite verlor 2,9 %, während der breite S&P 500 um 1,8 % nachgab. Trotz dieser Verluste liegt der S&P 500 seit Jahresbeginn noch rund 10,7 % im Plus.
Allein der Nasdaq-100 verlor im Oktober laut Reuters mehr als 2 Billionen US-Dollar an Börsenwert, davon knapp eine Billion innerhalb der letzten Handelswoche. Besonders Technologieaktien leiden unter Sorgen über hohe KI-Investitionen und deren Rentabilität.
Zwar konnte Bitcoin gegenüber dem Aktienmarkt bislang relative Stärke behaupten, doch der Abwärtsdruck erfasst zunehmend auch den Kryptomarkt. Der Binance-Hack verstärkt dabei die Verunsicherung. Der Fear-and-Greed-Index ist auf einen Wert von 36 gefallen und signalisiert damit wachsende Angst unter Krypto-Anlegern.
Der Ölpreis bewegt sich weiterhin auf einem historisch hohen Niveau. Brent notiert zum Redaktionszeitpunkt bei 112 US-Dollar und ist damit gegenüber den 109 US-Dollar vom Freitagmorgen erneut gestiegen. Hohe Energiepreise verstärken den Inflationsdruck und können risikoreiche Anlageklassen wie Bitcoin belasten.
Laut dem FedWatch-Tool der CME liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am 9. Dezember 2026 bei über 70 %. Diese aus Sicht des Kryptomarkts ebenfalls bärische Maßnahme gilt laut Analysten allerdings bereits als eingepreist. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist zuletzt von 5,3 % auf 4,9 % gesunken, liegt damit aber weiterhin über ihrem Niveau zu Jahresbeginn.

Hohe US-Staatsanleiherenditen machen vergleichsweise sichere Anlagen attraktiver. Dadurch kann risikoreichen Anlagen wie Bitcoin Liquidität entzogen werden, was den Verkaufsdruck erhöht.
Geht es weiter bergab?
Analysten sind sich derzeit uneins darüber, wie es mit Bitcoin weitergeht. Der auf X bekannte Analyst Ali Martinez erklärt, dass bei zunehmendem Verkaufsdruck die Marke von 73.000 US-Dollar für Bitcoin entscheidend werden könnte:
“Sollte sich der Verkaufsdruck infolge des Hackerangriffs auf Binance und der bevorstehenden US-Zwischenwahlen (Midterms) verstärken, gilt die Marke von 73.000 US-Dollar als ein besonders wichtiges Kursniveau, das Anleger im Auge behalten sollten.
In diesem Bereich liegt derzeit die sogenannte Kostenbasis kurzfristiger Bitcoin-Halter (Short-Term Holder Cost Basis).
Diese Kennzahl beschreibt den durchschnittlichen Einstiegspreis jener Marktteilnehmer, die ihre BTC erst vor relativ kurzer Zeit erworben haben.
Sie gilt damit als wichtiger Indikator für die Marktstimmung und kann Aufschluss darüber geben, ob kurzfristige Anleger zunehmend unter Verkaufsdruck geraten.”

Der Analyst Michaël van de Poppe betrachtet den Binance-Hack dagegen als Marktbereinigung, die schwache Marktteilnehmer aus dem Markt drängen und damit den Weg für steigende Kurse ebnen könnte. Auf X schreibt er dazu:
“Kryptomärkte finden ihren Boden oft nach massiven Liquidationen und sogenannten Black-Swan-Ereignissen.
Gestern haben wir genau ein solches Ereignis erlebt.
Bemerkenswert ist dabei, dass Bitcoin lediglich um wenige Prozent gefallen ist. Einige Altcoins notieren gegenüber dem US-Dollar sogar im Plus, während die meisten gegenüber Bitcoin deutlich an Stärke gewonnen haben.
Ich setze weiterhin massiv auf diesen Markt und bleibe ausgesprochen optimistisch.
Meiner Einschätzung nach spricht vieles dafür, dass wir uns in einer Phase befinden, die den Grundstein für eine neue Aufwärtsbewegung legen könnte.
Die besten Zeiten könnten uns noch bevorstehen.”
Bis zu den US-Zwischenwahlen am 3. November 2026 dürfte es bei Bitcoin und am Kryptomarkt volatil bleiben. Danach wird entscheidend sein, wie stark eine erneute, von Trump bereits angekündigte Eskalation im Nahen Osten den Kryptomarkt unter Druck setzen könnte.
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Für langfristige Bitcoin-Anleger gilt es nun, durchzuhalten. Wer mit Hebel handelt, sollte besonders wachsam bleiben, da weitere Kursausschläge nach unten möglich sind.












