Wie wir bereits gestern berichteten, stehen die Chancen für eine mögliche Zinserhöhung durch die FED für den 29.07.2026 laut dem FED-Watchtool bei heute 37,9 % (gestern 33,7 %). Damit ist das Risiko leicht gestiegen, jedoch besteht weitestgehend Konsens darüber, dass eine eventuelle Erhöhung erst später in diesem Jahr stattfinden soll.

Balkendiagramm zu den erwarteten US-Leitzinsen für die Fed-Sitzung am 29. Juli 2026: 62,1 Prozent Wahrscheinlichkeit für unverändert 350–375 Basispunkte und 37,9 Prozent für eine Erhöhung auf 375–400 Basispunkte.
Markterwartungen für die Fed-Sitzung am 29. Juli 2026: 62,1 Prozent rechnen mit unveränderten Zinsen, 37,9 Prozent mit einer Erhöhung um 25 Basispunkte.

Der milliardenschwere Vermögensverwalter Citadel Securities hingegen rechnet mit einer überraschenden Wende der FED und damit möglichen Erhöhung der Zinsen um 25 Basispunkte.

Citadel Securities erwartet Zinserhöhung für diesen Mittwoch

Ein Zinsschritt um 25 Basispunkte würde nach Einschätzung von Frank Flight, Leiter der Makrostrategie bei Citadel Securities, die Glaubwürdigkeit von Fed-Chef Kevin Warsh im Kampf gegen die Inflation stärken. Gleichzeitig könnte die Zentralbank damit zeigen, dass geldpolitische Entscheidungen nicht mehr grundsätzlich lange im Voraus signalisiert werden. Er führt dazu im Detail aus:

“Der Markt unterschätzt möglicherweise erneut das Ausmaß des Kurswechsels der Fed in Richtung einer restriktiveren Geldpolitik.”

Eine Zinserhöhung in dieser Woche „würde die Ära der Forward Guidance endgültig beenden“ und gleichzeitig die Unabhängigkeit der Fed unterstreichen. Flight sieht die Märkte offenbar nicht ausreichend auf einen restriktiveren Kurs vorbereitet.

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Eine Zinserhöhung im Juli würde aus seiner Sicht das bisherige System der detaillierten Forward Guidance deutlich zurückdrängen und die operative Unabhängigkeit der Fed unterstreichen. Für eine Sitzung unmittelbar vor dem Zinsentscheid ist das ein ungewöhnlich hohes Maß an Unsicherheit. Eine Zinserhöhung bis September gilt dagegen als vollständig eingepreist.

Zuletzt hatten schwächere Beschäftigungs- und Inflationsdaten die Wahrscheinlichkeit einer unmittelbaren Erhöhung zunächst sinken lassen. Flight argumentiert jedoch, einzelne Datenpunkte dürften nicht stärker gewichtet werden als das breitere Bild. Die Inflationsrisiken seien weiterhin erhöht, während sich der Arbeitsmarkt stabil zeige.

Für die globalen Finanzmärkte und Bitcoin wäre eine überraschende Straffung heikel. Höhere US-Zinsen stützen üblicherweise den Dollar und erhöhen die Finanzierungskosten. Risikoanlagen wie BTC, Krypto sowie Technologieaktien und Kryptowährungen reagieren auf solche überraschenden Veränderungen oft empfindlich, besonders wenn der Schritt nicht vollständig eingepreist ist.

Bitcoin fällt auf 63.000 USD

Wenngleich US-Präsident Trump einen möglichen Friedensdeal mit dem Iran für diese Woche angekündigt hat, ist der Bitcoin-Kurs in den letzten 24 Stunden von 65.600 USD auf 63.300 USD und damit um 2,88 % gefallen.

Dennoch scheint der Markt durch diese Ankündigung kurzzeitig Panikverkäufe nach sich zu ziehen. Die Ölpreise gaben am Montag zwar nach, nachdem die USA ihre täglichen Angriffe gegen Iran ausgesetzt hatten. Im Monatsverlauf liegen sie dennoch etwa 20 Prozent höher.

Die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen drohen weiterhin mit Angriffen auf saudische Exporte im Roten Meer. Damit bleibt das Risiko neuer Störungen der Energieversorgung bestehen.

Anhaltend hohe Energiepreise könnten die Inflation erneut antreiben und laut Flight den Ausschlag für eine Zinserhöhung geben. Für die Fed wäre das ein präventiver Schritt, bevor höhere Transport- und Produktionskosten breiter in Verbraucherpreise und Lohnverhandlungen einfließen.

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Bitcoin-ETFs zeigten gestern Abflüsse in Höhe von 11,6 Millionen USD, Ether-ETFs hingegen 9,2 Millionen USD Zuflüsse. Das folgende Diagramm zeigt die Entwicklung der ETF-Flüsse seit dem Jahr 2024.

Zeitreihe der US-Spot-Bitcoin-ETFs von Januar 2024 bis Juli 2026 mit täglichen Nettozuflüssen und -abflüssen, Gesamtvermögen und Bitcoin-Kurs. Am 27. Juli 2026 lagen die Nettoabflüsse bei 11,64 Millionen US-Dollar.
Entwicklung der US-Spot-Bitcoin-ETFs bis zum 27. Juli 2026: täglicher Nettoabfluss von 11,64 Millionen US-Dollar, verwaltetes Vermögen von 78,71 Milliarden US-Dollar und ein Bitcoin-Kurs von 64.984 US-Dollar.

Laut CryptoQuant-Analysten Darkfost markiert der Gesamtbestand an langfristigen Haltern mit 16,3 Millionen BTC jüngst einen Rekord. Die durchschnittliche Kostenbasis liegt bei etwa 49.400 US-Dollar. Er führt dazu aus:

„Das von langfristigen Haltern kontrollierte Angebot hat einen neuen Höchststand erreicht. Diese Marktteilnehmer liegen derzeit jedoch nur rund 30 Prozent im Gewinn. Im Januar 2025 hatte ihr Nettogewinn noch ungefähr 340 Prozent betragen.“

Bitcoin-Langzeithalter: Realisierte Gewinne und Verluste
Bitcoin-Langzeithalter: Realisierte Gewinne und Verluste, Quelle: X @Darkfost_Coc

Der Wert lässt keine eindeutige Schlussfolgerung zu. Positiv ist, dass offenbar nur wenige Marktteilnehmer bereit sind, ihre Bestände auf dem aktuellen Niveau zu verkaufen.

Gleichzeitig deutet die Kennzahl darauf hin, dass bislang keine vergleichbare Bereinigungsphase wie am Tiefpunkt des vorherigen Bärenmarktes stattgefunden hat. Damals lagen die Positionen langfristig orientierter Anleger zeitweise etwa 20 Prozent unter ihrem Einstandspreis.

Als besonders kritisch gilt derzeit die schwache Gesamtnachfrage an den Spot- und Terminmärkten. Nach Berechnungen von Darkfost fehlen dem Markt aktuell rund 127.000 BTC an Nachfrage.

Bitcoin-Spot- und -Futures-Nachfragewachstum, 30-Tage-Summe
Bitcoin-Spot- und -Futures-Nachfragewachstum, 30-Tage-Summe, Quelle: X @cryptoquant_com

Der Analyst erklärte auf X, dass die derzeitige Marktstärke nicht ausreiche, um eine belastbare Aufwärtsbewegung einzuleiten. Die jüngste Beruhigung sei vielmehr darauf zurückzuführen, dass der Verkaufsdruck nachlasse. Für eine nachhaltige Trendwende müssten Spot- und Futures-Märkte dagegen gleichzeitig wieder deutliche Kaufimpulse liefern.