Der Bitcoin-Kurs hat sich über 64.000 US-Dollar gekämpft. Die neue Wochenanalyse von Glassnode zeigt jedoch weiterhin ein eher schwaches On-Chain-Bild: Institutionelles Kapital ist zurückgekehrt, aber die Spot-Nachfrage, die On-Chain-Aktivität und der Optionsmarkt signalisieren keine breite Überzeugung.

Kann Bitcoin wieder über 70.000 USD steigen?

Von einer schnellen Bitcoin-Erholung in Richtung 70.000 US-Dollar ist laut Glassnode momentan nicht auszugehen. Zwar stieg das kurzfristige Price Momentum innerhalb einer Woche von 50,8 auf 66,9 und liegt damit über dem statistischen Hochband von 62,8 (grün im Chart).

Price Momentum
Price Momentum, Quelle: Glassnode

Die Spot-Daten bestätigen diesen Ausbruch jedoch nicht. Das Spot-Volumen fiel innerhalb der letzten Woche um 21,5 Prozent von 5,2 auf 4,1 Milliarden US-Dollar. Damit liegt es unter dem statistischen Tiefband von 4,7 Milliarden US-Dollar. Glassnode führt dazu aus:

„Bitcoin hat seine Erholung vom jüngsten Ausverkauf fortgesetzt und nach neuen lokalen Tiefs wieder Boden gutgemacht. Zwar ist das Kursmomentum in den bullischen Bereich gewechselt, doch das Spot-Handelsvolumen ist um 21,5 Prozent gesunken und der Spot Cumulative Volume Delta ins Negative gedreht. Dies deutet darauf hin, dass der Anstieg eher von dünner Liquidität als von einer breiten Kaufüberzeugung getragen wurde.“

Der Spot CVD, der aggressive Käufe und Verkäufe über Market Orders gegenüberstellt, fiel von plus 17,2 Millionen auf minus 58,8 Millionen US-Dollar. Dies bedeutet, dass zuletzt trotz steigender Kurse mehr Verkäufer als Käufer aktiv waren.

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Ein ähnlich schwaches Bild zeigt der Futures-Markt. Das Open Interest blieb mit 31,3 Milliarden US-Dollar nahezu unverändert.

Futures Open Interest
Futures Open Interest, Quelle: Glassnode

Die täglichen Funding-Daten der Long-Seite stiegen um 13,4 Prozent. Trader zahlen damit weiterhin eine Prämie, um ihre Long-Positionen aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig fiel der Perpetual CVD um 81,7 Prozent – von 457,5 auf 83,9 Millionen US-Dollar.

Diese Daten zeigen, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer zwar weiterhin auf steigende Kurse setzt, neue aggressive Käufe am Futures-Markt jedoch deutlich nachgelassen haben.

Auch am Optionsmarkt positionieren sich Händler vorsichtig. Der 25-Delta Skew stieg von 18,47 auf 18,87 Prozent und lag damit am oberen Ende seiner statistischen Bandbreite. Der 25-Delta Skew misst das Verhältnis zwischen der Nachfrage nach Absicherungen gegen fallende Kurse (Put-Optionen) und Wetten auf steigende Kurse (Call-Optionen).

Ein hoher positiver Wert zeigt, dass Put-Optionen deutlich teurer sind als vergleichbare Call-Optionen. Das deutet darauf hin, dass Marktteilnehmer verstärkt für Absicherung bezahlen und kurzfristig mit einem erhöhten Risiko fallender Kurse rechnen. Glassnode beschreibt dazu im Detail:

„Der 25-Delta Skew ist weiter gestiegen und zeigt eine anhaltende Präferenz für Absicherungen gegen fallende Kurse. Der aktuelle Wert von 18,87 Prozent deutet darauf hin, dass Trader weiterhin vorsichtig positioniert sind. Die Nachfrage nach schützenden Put-Optionen überwiegt weiterhin die Spekulation auf steigende Kurse mit Calls.“

Bitcoin Options Delta Skew
Bitcoin Options Delta Skew, Quelle: Glassnode

Bitcoin-ETFs und Langzeithalter leicht optimistisch

Das stärkste positive Signal kommt derzeit von den US-Spot-ETFs. Die zuvor beobachteten Kapitalabflüsse kehrten sich um: In der vergangenen Woche verbuchten die ETFs wieder Nettozuflüsse in Höhe von 161,3 Millionen US-Dollar.

Spot Bitcoin ETF Mittelströme
Spot Bitcoin ETF Mittelströme, Quelle: Glassnode

Allerdings sank das ETF-Handelsvolumen um rund zwölf Prozent auf 8,4 Milliarden US-Dollar. Auch der ETF-MVRV von 1,02 zeigt, dass die Bestände der Investoren im Durchschnitt nur knapp über ihrer durchschnittlichen Kostenbasis liegen.

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Glassnode sieht deshalb eine vorsichtige Rückkehr institutionellen Kapitals, aber noch keinen spekulativen Nachfrageboom.

Auch bei den Bitcoin-Haltern verbessert sich die Lage, aber nur langsam. Der Anteil des umlaufenden BTC-Angebots im Gewinn stieg von 50,8 auf 52,8 Prozent.

Auch der Net Unrealized Profit/Loss, kurz NUPL, verbesserte sich von minus 13,6 auf minus 10,4 Prozent. Der Bitcoin-Markt sitzt damit insgesamt weiterhin auf mehr nicht realisierten Verlusten als Gewinnen. Der Verlustüberhang ist gegenüber der Vorwoche aber kleiner geworden.

Gleichzeitig sind Langzeithalter (LTH) derzeit gegenüber kurzfristigen Haltern (STH) massiv in der Überzahl. Die STH/LTH Supply Ratio fiel auf 12,1 Prozent.

STH/LTH Supply Ratio
STH/LTH Supply Ratio, Quelle: Glassnode

Glassnode wertet dies als Zeichen einer ungewöhnlich dominanten Langzeit-Halterbasis. Allerdings dominieren weiterhin die Verlustverkäufe. Viele Anleger nutzten die Rally offenbar noch immer, um Positionen im Minus zu verkaufen.

Damit bleibt Bitcoin laut Glassnode in einer Konsolidierungsphase. Sollte sich nichts Grundlegendes an der Makrolage ändern, scheint eine schnelle Erholung in Richtung 70.000 US-Dollar eher unwahrscheinlich.