Ein früherer leitender FBI-Agent steht in Virginia unter dem Verdacht, Kryptowährungen aus Wallets ausländischer Ermittlungsziele auf ein eigenes Konto übertragen zu haben. Der mutmaßliche Wert lag zeitweise bei rund einer Million Dollar.

Seed-Phrasen aus internen FBI-Beständen

Patrick Steven Yaroch arbeitete laut dem Gerichtsdokument bis Ende Juli in der Abteilung für Spionageabwehr am FBI-Hauptquartier und verfügte über eine Top-Secret-Freigabe. Zuvor war er in Boston mit Ermittlungen gegen einen im Dokument nicht genannten gegnerischen Staat befasst.

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Nach Darstellung des FBI begann Yaroch Ende 2024 oder Anfang 2025, in internen Beständen nach Zugangsdaten zu Krypto-Wallets zu suchen. Er soll dort gefundene Seed-Phrasen auswendig gelernt und anschließend etwa zehn bis zwölf Übertragungen auf eine persönliche Wallet veranlasst haben. Eine Seed-Phrase verschafft faktisch Kontrolle über die zugehörigen Blockchain-Adressen. Ein klassischer Kontoinhaber muss dafür nicht eingebunden werden.

Yaroch meldete sich am 29. Juli selbst bei Kollegen. Er habe „schlechte Entscheidungen“ getroffen und wolle das Geld zurückgeben, heißt es in der eidesstattlichen Erklärung eines FBI-Agenten. Zwei Tage später wurde er entlassen und in seinem Haus in Ashburn festgenommen.

Die Bundesbehörden werfen ihm den Transport und Empfang gestohlener Vermögenswerte wie Bitcoin im zwischenstaatlichen beziehungsweise internationalen Handel vor. Eine Verurteilung ist mit dem Dokument nicht verbunden. Es handelt sich zunächst um die Darstellung der Ermittler zur Begründung des Tatverdachts.

Millionenbetrag landete im DeFi-Protokoll Suilend

Bei der Durchsuchung fanden Ermittler unter anderem ein Smartphone, Computer, eine Hardware-Wallet und einen Zettel mit mutmaßlichen Seed-Phrasen. Auf einem Kraken-Konto wurden rund 188.600 Dollar, darunter auch BTC, aufgeführt. Weitere etwa 933.800 Dollar lagen laut Akte über die Wallet-App Slush im DeFi-Protokoll Suilend.

Yaroch hatte zunächst erklärt, die Gelder weder ausgegeben noch weiterbewegt zu haben. Die vorläufige Auswertung seines Telefons zeigte jedoch eine Übertragung von rund 1,02 Millionen Dollar zu Suilend am 23. Juli. Dort sollte das Kapital nach seiner Aussage Zinsen erwirtschaften. Es wurde also nicht in Fiatgeld ausgezahlt, blieb aber auch nicht einfach unangetastet.

Mit Yarochs schriftlicher Zustimmung transferierte ein Krypto-Team des FBI Vermögenswerte im Gegenwert von rund 925.400 Dollar auf Wallets der US-Regierung. Etwa 165.600 Dollar in klassischem US-Dollar-Guthaben blieben zunächst auf Kraken, weil sie nicht direkt auf eine Blockchain-Wallet verschoben werden konnten.

Die Ermittler verweisen außerdem auf ChatGPT-Anfragen zu Anlagestrategien für eine Million Dollar und zu einem möglichen Umzug in die Europäische Union. Für September war eine Familienreise nach Portugal gebucht. Yaroch erklärte laut Akte, sie diene einem Treffen mit Freunden und nicht dem Transfer von Geld.

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Wie wir zuletzt berichteten, nimmt die Zahl gezielter Angriffe auf öffentlich bekannte Krypto-Investoren und Unternehmer mit nachweislich großem Vermögen weiter zu. Jüngst wurden zwei französische Krypto-Millionäre in London 52 Stunden lang entführt, misshandelt und zur Herausgabe digitaler Vermögenswerte gezwungen.

Eines der Opfer überwies unter Druck Kryptowährungen im Wert von rund 30.000 Dollar, während die Täter insgesamt 150.000 Dollar forderten. Die Befreiung gelang nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei. Sechs Beteiligte wurden später verurteilt. Der Fall gilt als Beispiel für sogenannte Wrench Attacks, bei denen nicht technische Systeme, sondern deren Besitzer angegriffen werden.

Besonders Frankreich verzeichnet solche Vorfälle häufiger. CertiK registrierte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 33 körperliche Angriffe auf Krypto-Besitzer, nach zehn Fällen im Vorjahreszeitraum. Öffentlich sichtbarer Wohlstand erhöht deutlich das Risiko Opfer eines solchen Angriffs zu werden.