Die New York Stock Exchange prüft Avalanche als mögliche Blockchain für ihre geplante Plattform zum rund um die Uhr verfügbaren Handel mit tokenisierten Wertpapieren. Michael Blaugrund, Vice President of Strategic Initiatives beim NYSE-Mutterkonzern Intercontinental Exchange (ICE), bestätigte, dass beide Seiten intensiv miteinander im Austausch stehen.

Avalanche erfüllt zentrale Anforderungen der NYSE

Bekannt wurde die Annäherung durch einen Beitrag des offiziellen Avalanche-Accounts auf X. Demnach untersucht die NYSE derzeit mehrere Blockchain-Plattformen für ein noch in Entwicklung befindliches alternatives Handelssystem, kurz ATS.

Blaugrund erklärte zur Rolle von Avalanche:

„Bei unserer Prüfung verschiedener Plattformen erfüllt Avalanche für uns viele dieser Anforderungen. Deshalb stehen wir in engem Austausch mit dem Team.“

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Welche konkreten Kriterien Avalanche erfüllt, führte der ICE-Manager nicht aus. Ebenso wenig bestätigte er, dass die NYSE bereits eine endgültige Entscheidung zugunsten des Netzwerks getroffen hat. Die Aussage belegt zunächst eine technische Evaluierung und eine laufende Zusammenarbeit.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Die im Januar vorgestellte Architektur der NYSE soll ausdrücklich mehrere Blockchains für Abwicklung und Verwahrung unterstützen können. Selbst eine Integration von Avalanche müsste daher nicht bedeuten, dass das Netzwerk die exklusive technische Grundlage der Plattform wird.

NYSE plant separaten Onchain-Handelsplatz

Die NYSE hatte ihre Pläne für eine Plattform zum Handel und zur Onchain-Abwicklung tokenisierter Wertpapiere am 19. Januar vorgestellt. Vorgesehen sind ein durchgehender 24/7-Handel, eine sofortige Abwicklung, in US-Dollar denominierte Aufträge sowie die Finanzierung über Stablecoins.

Technisch soll der Handelsplatz die Pillar Matching Engine der NYSE mit Blockchain-basierten Post-Trade-Systemen verbinden. Unterstützt werden sollen sowohl Token, die mit traditionell ausgegebenen Aktien fungibel sind, als auch Wertpapiere, die von Beginn an digital emittiert werden.

Inhaber tokenisierter Aktien sollen weiterhin Dividenden- und Stimmrechte erhalten. Damit grenzt sich das Modell von synthetischen Produkten ab, die lediglich die Kursentwicklung einer Aktie abbilden, ohne tatsächliche Aktionärsrechte zu vermitteln.

Blaugrund ordnete das Vorhaben bereits bei dessen Ankündigung in die langfristige Strategie von ICE ein:

„Seit ihrer Gründung hat ICE Märkte vom Analogen ins Digitale überführt. Die Unterstützung tokenisierter Wertpapiere ist ein entscheidender Schritt in der ICE-Strategie […]“

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Securitize übernimmt zentrale Infrastrukturrolle

Im März holte die NYSE zudem Securitize als Designpartner an Bord. Das Unternehmen soll als erster digitaler Transferagent auf der geplanten Plattform tokenisierte Aktien und ETF-Anteile für Emittenten ausgeben können.

Beide Unternehmen arbeiten außerdem an Standards für digitale Transfer- und Tokenisierungsstellen. Dazu zählen regulatorische, operative und technische Anforderungen an eine institutionelle Infrastruktur. Parallel kooperiert ICE mit BNY und Citi, um tokenisierte Bankeinlagen in seine Clearinghäuser einzubinden und Kapitalbewegungen außerhalb der üblichen Bankzeiten zu ermöglichen.

Regulatorisches Umfeld verbessert sich

Die Gespräche mit Avalanche fallen in eine Phase, in der die US-Börsenaufsicht SEC den regulatorischen Spielraum für tokenisierte Wertpapiere erweitert. Wir wir heute berichteten, wird eine neue, auf fünf Jahre begrenzte Ausnahme bestimmten Plattformen den Handel mit tokenisierten Aktien erleichtert, sofern diese dieselben Rechte wie klassische Wertpapiere gewähren.

Ob und in welcher Form die NYSE-Plattform diese Ausnahme nutzen kann, ist bislang offen. Der Handelsplatz benötigt weiterhin regulatorische Genehmigungen.