Nur zwei Tage nach der gescheiterten Abstimmung über den CLARITY Act treiben die US-Aufsichtsbehörden eigene Regeln für die Kryptomärkte voran.

Während die US-Börsenaufsicht (SEC) den Handel mit tokenisierten Aktien erleichtert, schafft die US-Aufsichtsbehörde für Derivate- und Terminkontraktmärkte (CFTC) regulatorischen Spielraum für Softwareanbieter, die Nutzer mit registrierten Terminmärkten verbinden.

SEC erlaubt Handel über Onchain-Liquiditätspools

Die SEC erteilte sogenannten Tokenized Securities Venues eine zeitlich begrenzte und an Bedingungen geknüpfte Ausnahme von der Börsendefinition. Die Plattformen dürfen dadurch bestimmte tokenisierte US-Aktien über zugangsbeschränkte automatisierte Market Maker und Liquiditätspools anbieten.

SEC-Chairman Paul Atkins bezeichnete die „Innovation Exemption“ als wichtigen Schritt zur Modernisierung der US-Kapitalmärkte:

„Heute unternimmt die SEC im Rahmen ihrer gesetzlichen Befugnisse einen bedeutenden Schritt, um die amerikanischen Kapitalmärkte in das digitale Zeitalter zu führen, indem sie den Onchain-Handel mit bestimmten tokenisierten Aktien durch die ‚Innovation Exemption‘ ermöglicht. Obwohl die Ausnahme nur vorübergehend gilt, erlaubt sie den Handelsplätzen bereits heute, tokenisierte Aktien in einer zugangsbeschränkten Umgebung zu handeln, während die Kommission prüft, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind.“

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Die Ausnahme läuft fünf Jahre nach ihrer Veröffentlichung aus. Parallel bittet die SEC um öffentliche Stellungnahmen zu möglichen Änderungen und weiteren regulatorischen Schritten.

Allerdings ist die Genehmigung kein Freibrief für den uneingeschränkten Aktienhandel auf der Blockchain. Anzahl und Handelsvolumen der verfügbaren Aktien werden begrenzt. Zudem müssen die Token ihren Inhabern dieselben Rechte gewähren wie eine traditionelle Aktie, einschließlich etwaiger Dividenden- und Stimmrechte.

Die verwendeten Smart Contracts müssen öffentlich einsehbar, überprüfbar und auf einer öffentlichen, erlaubnisfreien Distributed-Ledger-Infrastruktur implementiert sein. Wird der Handel mit der zugrunde liegenden Aktie an der primären Börse ausgesetzt, muss auch der Handel mit ihrer tokenisierten Version stoppen.

Tokenisiert ein unabhängiger Drittanbieter die Aktie, muss der betroffene Emittent vorab informiert werden und Gelegenheit zum Widerspruch erhalten. Unter bestimmten Bedingungen befreit die Anordnung außerdem Liquiditätsanbieter in den AMM-Pools vorübergehend von der Einstufung als Händler.

CFTC entlastet Entwickler passiver Handelssoftware

Ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte die CFTC eine No-Action-Position für Anbieter sogenannter passiver Software. Mitarbeiter der Behörde wollen unter festgelegten Bedingungen keine Durchsetzungsmaßnahmen empfehlen, wenn sich diese Anbieter nicht als „Introducing Broker“ oder als „Associated Person“ eines Introducing Brokers registrieren.

Die Erleichterung gilt ausschließlich für Software, mit der Nutzer über registrierte Futures Commission Merchants, Introducing Broker und Designated Contract Markets handeln können. Damit können Entwickler Schnittstellen und andere technische Werkzeuge für regulierte Terminmärkte bereitstellen, ohne sich allein aufgrund dieser Tätigkeit als Broker registrieren zu müssen.

Es handelt sich allerdings nicht um eine neue CFTC-Regel, sondern um eine Zusicherung der zuständigen Abteilung, unter den genannten Voraussetzungen keine Maßnahmen zu empfehlen.

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Kryptoindustrie sieht Durchbruch für Tokenisierung

Michael Saylor erklärte, die SEC-Entscheidung ermögliche einen rund um die Uhr verfügbaren Onchain-Handel mit tokenisierten Aktien wie MSTR und STRC:

„Die von der SEC gewährte Innovationsausnahme ermöglicht US-Investoren den Onchain-Handel mit tokenisierten STRC- und MSTR-Aktien rund um die Uhr über qualifizierte Handelsplattformen. Ein bedeutender Durchbruch für Digital Credit und die amerikanischen Kapitalmärkte.“

Compound-Gründer Robert Leshner erklärte, dass die Entscheidung erstmals den regulierten Onchain-Handel mit Aktien in den USA ermöglicht:

„Dieser lang erwartete Schritt der SEC ebnet den Weg für den ersten regulierungskonformen Onshore-Handel mit tokenisierten Aktien rund um die Uhr.“

Bitwise-Investmentchef Matt Hougan fügte hinzu:

„Tokenisierung ist ein Megatrend. Allein heute hat die SEC einen Weg für den Handel mit tokenisierten Aktien in den USA geschaffen, S&P hat OpenZeppelin übernommen und DeFi-Assets legen kräftig zu. Wer zuvor noch Zweifel hatte, sollte sie nach diesem Tag ablegen: Die Finanzwelt verlagert sich auf die Blockchain.“