Goldman Sachs rechnet nach der ersten US-Zinserhöhung seit mehr als drei Jahren bereits im Oktober mit einer weiteren Anhebung. Zudem signalisieren die neuen Projektionen der US-Notenbank, dass die Zinsen länger hoch bleiben könnten als bislang erwartet.

Für Bitcoin und den gesamten Kryptomarkt verschlechtert sich damit das mittelfristige Liquiditätsumfeld. Ein neuer Bullrun vor 2027 ist trotz der geldpolitischen Wende jedoch nicht automatisch ausgeschlossen.

Goldman Sachs erwartet eine Zinserhöhung im Oktober

Die Federal Reserve erhöhte den Leitzins am Mittwoch einstimmig (12:0 Stimmen) um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Es war die erste Anhebung seit Juli 2023 und zugleich die erste Zinsanpassung durch den neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh.

In ihrer offiziellen Erklärung begründete die Fed den Schritt mit der weiterhin erhöhten Inflation. Die Maßnahme solle eine „raschere Rückkehr“ zum Inflationsziel von zwei Prozent unterstützen. Zugleich beschrieb die Notenbank die US-Konjunktur als robust.

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Goldman Sachs änderte daraufhin seine Prognose. Die Ökonomen der Bank erwarten nun bei der Sitzung am 27. und 28. Oktober eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte. Zuvor war Goldman nach dem September-Schritt von einer Pause ausgegangen.

Nach Einschätzung der Bank geben die Aussagen von Warsh und der Fed einen deutlichen Hinweis. Der Leitzins würde damit auf 4,00 bis 4,25 Prozent steigen.

Die neue Zinsprognose der Fed fällt deutlich restriktiver aus als noch im Juni. Laut dem Summary of Economic Projections erwarten 16 der 18 Teilnehmer mindestens eine weitere Anhebung bis zum Jahresende. Vier Mitglieder rechnen sogar mit zwei zusätzlichen Schritten.

Der Median-Leitzins liegt Ende 2026 bei 4,1 Prozent und Ende 2027 ebenfalls bei 4,1 Prozent. Nach der mittleren Projektion wäre bis Ende 2027 somit keine Netto-Senkung vorgesehen. Erst für 2028 deutet der Median mit 3,9 Prozent eine Lockerung um 25 Basispunkte an.

Hinter dem Kurswechsel steht der Kampf gegen die hartnäckige Inflation in den USA. Die Fed erwartet für 2026 eine PCE-Inflation von 3,7 Prozent und eine Kernrate von 3,4 Prozent.

Gleichzeitig hob sie die Wachstumsprognose auf 2,3 Prozent an und senkte die erwartete Arbeitslosenquote auf 4,1 Prozent. Aus Sicht der Währungshüter bietet die robuste Konjunktur damit Spielraum für eine straffere Politik.

Die meisten Banken prognostizieren eine Zinserhöhung im Dezember

Goldman steht mit dem Oktober-Termin nicht allein, gehört aber zum restriktiveren Teil der Wall Street. Bank of America erwartet ebenfalls eine Anhebung im Oktober und darüber hinaus einen weiteren Schritt im Dezember.

ABN Amro, Barclays, BNP Paribas, Deutsche Bank, JPMorgan, Morgan Stanley und Nomura rechnen dagegen erst im Dezember mit der nächsten Anhebung. BNP Paribas, Deutsche Bank und Morgan Stanley sehen zudem das Risiko eines weiteren Zinsschritts Anfang 2027. Morgan Stanley und Macquarie haben nach der Fed-Sitzung konkret eine Anhebung im März 2027 in ihre Prognosen aufgenommen.

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Der Terminmarkt ist weniger eindeutig. Das CME FedWatch Tool zeigte aktuell eine Wahrscheinlichkeit von rund 48 Prozent für eine Oktober-Anhebung. Die Wahrscheinlichkeit mindestens einer weiteren Zinserhöhung bis zum Jahresende liegt bei rund 90 Prozent.

Muss der Bitcoin-Bullrun bis 2027 warten?

Der Bitcoin-Kurs reagierte vergleichsweise verhalten. Unmittelbar nach der Entscheidung schwankte BTC zwischen etwa 75.000 und 76.500 US-Dollar. Am Donnerstag notierte die größte Kryptowährung wieder bei rund 76.500 US-Dollar. Ether handelte nahe 2.430 US-Dollar, Solana knapp unter 100 US-Dollar.

Die Erholung zeigt, dass die Zinserhöhung weitgehend eingepreist war. Zudem interpretierte der Markt den Dot-Plot als Signal, dass die Fed zwar noch einmal erhöhen, aber keinen langen und aggressiven Zinserhöhungszyklus einleiten wird.

Die Kapitalströme bleiben allerdings schwach. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Mittwoch Nettoabflüsse von rund 296 Millionen US-Dollar, nachdem bereits am Dienstag etwa 450 Millionen US-Dollar abgeflossen waren. Seit dem 8. September summieren sich die Abflüsse über sieben Handelstage auf mehr als eine Milliarde US-Dollar. Die Auswirkungen der US-Inflationsdaten und der US-Zinspolitik zeigen sich somit in den Zahlen der institutionellen Anleger.

Ein Bullrun im vierten Quartal wird somit schwieriger, ist aber nicht unmöglich. Der größte Faktor bleibt der Iran-Krieg. Brent und WTI notieren weiterhin oberhalb von 100 US-Dollar.

Ein Waffenstillstand, die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz und die Normalisierung der regionalen Ölexporte könnten die Inflationsdaten potenziell stark beeinflussen und nach unten drücken. Eine Deeskalation oder ein Kriegsende könnte deshalb die Erwartungen einer weiteren Zinserhöhung im Oktober oder Dezember schnell verändern.

Fallende Anleiherenditen, ein schwächerer US-Dollar und eine Verbesserung der globalen Liquidität wären grundsätzlich positiv für Bitcoin und den Kryptomarkt. BTC könnte diese Entwicklung vorwegnehmen, lange bevor die Fed tatsächlich über Zinssenkungen spricht.