Bitcoin könnte deutlich stärker unter Druck geraten, als viele Anleger derzeit erwarten. Analyst Mike McGlone bringt sogar einen Kursrückgang um mehr als 70.000 USD ins Spiel. Seine Argumentation stützt sich dabei vor allem auf die aktuelle makroökonomische Entwicklung.

Steigende Anleiherenditen setzen Bitcoin unter Druck

Als zentrale Risiken nennt McGlone steigende Anleiherenditen und eine weiterhin restriktive Geldpolitik. Werden als sicher geltende Anlagen wie US-Staatsanleihen attraktiver, könnte Kapital aus risikoreichen Vermögenswerten wie Bitcoin abfließen. Besonders Kryptowährungen reagieren häufig empfindlich auf Veränderungen der globalen Liquidität.

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Dahinter steckt ein vergleichsweise einfacher Mechanismus. Steigende Renditen von US-Staatsanleihen erhöhen die Opportunitätskosten unverzinster Anlagen. Bitcoin wirft keine laufenden Erträge ab und ist deshalb stärker darauf angewiesen, dass Investoren weiteres Kurspotenzial sehen.

Hinzu kommt die wichtige Rolle des US-Dollars. Eine Aufwertung der amerikanischen Währung kann die Finanzierungsbedingungen weltweit verschärfen und die Nachfrage nach risikoreichen Vermögenswerten dämpfen.

McGlones Szenario geht damit über eine gewöhnliche Korrektur am Kryptomarkt hinaus. Es beschreibt eine Situation, in der mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken.

McGlone erklärt in einem neuen Beitrag auf X, dass Bitcoin sogar auf die Marke von 10.000 USD fallen könnte. Insbesondere eine stärkere Korrektur am US-Aktienmarkt könnte BTC seiner Einschätzung nach massiv unter Druck setzen und einen Rückfall auf 10.000 US-Dollar begünstigen:

„Seit 2009 gilt Bitcoin als Vorreiter für risikobehaftete Anlageklassen und gab bei deren Aufwärtsbewegungen häufig die Richtung vor. Doch der Bitcoin-Höchststand von über 100.000 US-Dollar im Jahr 2025, der Anstieg des Goldpreises auf über 5.000 US-Dollar im ersten Quartal sowie die zunehmend restriktive Haltung der meisten Zentralbanken bei gleichzeitig stark steigenden Staatsanleiherenditen könnten auf das nahende Ende dieses Marktzyklus hindeuten.

Meiner Einschätzung nach steuert Bitcoin auf einen Rückgang bis in den Unterstützungsbereich von rund 10.000 US-Dollar zu. Dieses Szenario dürfte insbesondere dann an Wahrscheinlichkeit gewinnen, wenn der US-Aktienmarkt eine Korrektur von 20 Prozent erlebt.“

Bloomberg-Chart zum Vergleich der 50-Wochen-Durchschnittswerte von Bitcoin, S&P 500, Kupfer und Metallen von 2000 bis 2026. Bitcoin zeigt nach einem starken Anstieg eine deutliche Korrektur.
Bitcoin im Vergleich zu Aktien und Rohstoffen: Die Bloomberg-Grafik zeigt die Entwicklung der 50-Wochen-Durchschnitte von Bitcoin, S&P 500, Kupfer und dem Bloomberg Metals Index. Nach seinem starken Höhenflug fällt Bitcoin deutlich zurück, während Aktien und Metalle weiter zulegen. Quelle: Bloomberg Intelligence, Oktober 2026.

Warum McGlones 10.000-Dollar-Szenario umstritten bleibt

Obwohl zahlreiche Analysten ebenfalls pessimistische Einschätzungen vertreten, geht McGlones Bitcoin-Prognose deutlich über die Kursziele der meisten bekannten Marktbeobachter hinaus. Lediglich Peter Brandt hat ein noch drastischeres Szenario mit einem möglichen Rückgang auf null Euro ins Spiel gebracht.

Sollte Bitcoin auf 10.000 USD fallen, entspräche dies vom aktuellen Kursniveau aus einer weiteren Korrektur von mehr als 87 %. Zwar hat die Vergangenheit gezeigt, dass am Kryptomarkt kaum etwas ausgeschlossen werden kann und es keine Garantien gibt. Allerdings würde Bitcoin damit auf ein Kursniveau abrutschen, das sogar unter den Tiefständen nach dem Zusammenbruch der Kryptobörse FTX liegt.

Damit dieses Szenario wahrscheinlicher wird, wären wohl erhebliche wirtschaftliche oder geopolitische Verwerfungen nötig. Denkbare Auslöser wären etwa ein sogenanntes Black-Swan-Ereignis oder weitreichende Krisen wie ein Weltkrieg oder eine schwere Währungskrise.

Ein Nutzer auf X wirft McGlone hingegen eine voreingenommene Haltung vor:

„Dieser Typ wird dafür bezahlt, Bitcoin schlechtzureden und die Menschen davon abzuhalten, finanziell souverän und unabhängig zu werden – indem sie das härteste Geld besitzen, das jemals geschaffen wurde. Das ist eine psychologische Manipulationskampagne der Wall Street.

Bitcoin wurde aus Chaos und Krisen geboren – und wird sich am Ende als überlegen erweisen.“

Die Marke von 10.000 USD ist daher eher als mögliches Extremszenario denn als verlässliches Kursziel zu verstehen. Für eine solche Entwicklung müssten erhebliche Verkaufsbewegungen auf eine deutlich schwächere Nachfrage treffen.

Zwar sind derzeit mehrere Risikofaktoren für ein solches Szenario vorhanden, jedoch zeigt Bitcoin bislang relative Stärke gegenüber KI- und Techaktien. In den vergangenen zwölf Tagen wurden am Aktienmarkt mehr als drei Billionen USD an Börsenwert vernichtet, während sich Bitcoin oberhalb der Marke von 80.000 USD halten konnte.

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McGlones Hauptargument einer 20-prozentigen Korrektur am US-Aktienmarkt scheint damit vorerst nicht zu greifen. Zwar führte die aktuelle Korrektur zu Kursverlusten zwischen 7 und 10 %. Allerdings müsste sich die makroökonomische Lage zunächst deutlich verschärfen, damit das beschriebene Extremszenario eintritt.

Besonders relevant bleiben die Entwicklung der US-Anleiherenditen, die geldpolitischen Entscheidungen der Federal Reserve und die Kapitalströme institutioneller Anleger. Zum Redaktionszeitpunkt steht der Bitcoin-Kurs bei 81.749 USD und verzeichnet in den vergangenen 24 Stunden ein Plus von 0,26 %.