Die Akzeptanz von Bitcoin weltweit steigt kontinuierlich, jedoch gibt es aktuell starken Gegenwind auf makroökonomischer Ebene. Ein hoher Ölpreis, Zinssorgen und steigende Renditen von US-Staatsanleihen zeichnen ein bärisches Bild.

Michael Saylor führt indes aus, dass der nächste große Impuls für einen weiteren Kursanstieg bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen ausgerechnet von milliardenschweren Banken kommen könnte.

Bei einem Auftritt auf der DC FinTech Week in Washington erläuterte Saylor, weshalb er die zunehmende Integration von Bitcoin in das traditionelle Bankensystem für einen der wichtigsten Kurstreiber der kommenden Jahre hält.

Michael Saylor sieht 100-Milliarden-Chance für Bitcoin

Im Mittelpunkt seiner Analyse steht ein bislang weitgehend unerschlossener Markt: die Vergabe von Krediten, bei denen Bitcoin als Sicherheit hinterlegt wird. Ein aktuelles Beispiel verdeutlicht diese Entwicklung: Erst vor wenigen Tagen gab die Jeonbuk Bank aus Südkorea bekannt, als erste Bank des Landes Bitcoin als Sicherheit für Kredite zu akzeptieren.

Während Immobilienbesitzer ihre Häuser beleihen können, um zusätzliche Liquidität zu erhalten, bestehen für Bitcoin-Investoren im traditionellen Bankensystem bislang deutlich weniger Möglichkeiten.

Das könnte sich nach Einschätzung von Saylor grundlegend ändern, sobald große Finanzinstitute wie JPMorgan, Citigroup, Morgan Stanley oder Charles Schwab Bitcoin verstärkt in ihre Verwahrungs- und Kreditdienstleistungen integrieren.

Er führt dazu aus:

“Wenn Citi, JPMorgan, Morgan Stanley oder Schwab damit beginnen, Bitcoin zu verwahren, werden sie auch Kredite darauf vergeben. Derzeit stehen pro Jahr nur Bitcoin im Wert von rund zehn Milliarden Dollar aus dem neu geschaffenen Angebot zur Verfügung. Jedes Mal, wenn Kredite im Umfang von zehn Milliarden Dollar geschaffen werden, entspricht das einem ganzen Jahresangebot.

Die Bankennetzwerke könnten Kredite im Umfang von 100 Milliarden Dollar auf Basis von Bitcoin schaffen. Das wäre das Zehnfache des jährlichen Angebots. Und genau das wird den Preis nach oben treiben, genauso wie Hypotheken die Immobilienpreise antreiben.”

Die Zahlen verdeutlichen, welche Größenordnung Saylor dabei im Blick hat: Das von ihm skizzierte Kreditvolumen entspräche dem Zehnfachen des von ihm geschätzten jährlichen Werts neu ausgegebener Bitcoin.

Allerdings handelt es sich dabei nicht um bereits zugesagte Kredite oder unmittelbare Bitcoin-Käufe. Saylor beschreibt vielmehr das Potenzial eines Kreditmarktes, der Bitcoin stärker in das traditionelle Finanzsystem integriert und dadurch zusätzliche Nachfrage schaffen könnte.

Bitcoin-Angebotsschock: Institutionelle Anleger verschärfen die Knappheit

Neben der möglichen Kreditvergabe durch Banken nennt Saylor einen weiteren Faktor, der den Bitcoin-Kurs langfristig unterstützen könnte: die zunehmende Verknappung des neu verfügbaren Angebots.

Aktuell entstehen durch das Mining rund 450 neue BTC pro Tag. Mit dem nächsten Bitcoin-Halving, das voraussichtlich im Jahr 2028 stattfinden wird, sinkt diese Menge auf etwa 225 BTC täglich.

Während das neu geschaffene Angebot damit weiter abnimmt, könnten große Unternehmen durch die Ausgabe Bitcoin-besicherter Finanzprodukte zusätzliche Mittel für den Aufbau ihrer BTC-Reserven mobilisieren.

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Saylor verweist dabei auf sein eigenes Unternehmen Strategy, das entsprechende Finanzinstrumente bereits in großem Umfang einsetzt:

“Wir haben innerhalb eines Jahres digitale Kreditprodukte im Wert von zehn Milliarden Dollar oder mehr verkauft. Ein Unternehmen wie unseres könnte damit theoretisch das gesamte neu geschaffene Bitcoin-Angebot aufkaufen.

Und dann gibt es ein Unternehmen namens Strive, das kleiner ist als wir, aber ein ähnliches Geschäftsmodell verfolgt. Sie haben in der vergangenen Woche 3.000 Bitcoin gekauft – praktisch die gesamte Menge, die in diesem Zeitraum neu geschaffen wurde.

Wenn immer mehr Unternehmen beginnen, digitale Kreditprodukte auszugeben, entsteht ein Angebotsschock. Sie kaufen praktisch alle neu geschaffenen Bitcoin auf. Und ein weiterer Faktor ist das näher rückende Halving, durch das sich das neue Angebot erneut halbieren wird.”

Saylor unterstreicht damit, wie schnell einzelne institutionelle Käufer einen erheblichen Teil der neu geschaffenen BTC-Menge absorbieren und damit für eine Angebotsknappheit sorgen können.

Treffen solche Käufe künftig auf eine steigende Nachfrage aus dem Bankensektor, könnte sich der Wettbewerb um verfügbare Bitcoin weiter verschärfen.

US-Geldpolitik und KI-Boom: Diese Faktoren beeinflussen den Bitcoin-Kurs

Auch die makroökonomischen Rahmenbedingungen spielen nach Einschätzung von Saylor eine entscheidende Rolle.

Als wesentliche Belastungsfaktoren der vergangenen Monate nennt er die restriktive Geldpolitik, internationale Handelskonflikte und den außergewöhnlichen Kapitalbedarf der KI-Branche.

Insbesondere die massiven Investitionen in künstliche Intelligenz hätten erhebliche Kapitalmengen gebunden, die dadurch nicht für andere Anlageklassen zur Verfügung standen.

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Saylor führt dazu aus:

“Die größten Belastungsfaktoren für Bitcoin im vergangenen Jahr waren eine restriktive Außenpolitik, eine restriktive Handelspolitik, eine restriktive Geldpolitik und eine gewaltige Anziehungskraft, die Kapital in den KI-Sektor gelenkt hat – insgesamt rund eine Billion Dollar.

Die positiven Faktoren und sich verändernden Fundamentaldaten sind jedoch, dass das Finanzministerium und die Federal Reserve den Anleihemarkt unterstützen müssen. Deshalb werden wir eine Ausweitung der Geldmenge erleben.

Eine steigende Geldmenge ist grundsätzlich gut für Bitcoin, denn die Kryptowährung reagiert sehr empfindlich darauf. Auch die zunehmende Akzeptanz durch Banken ist ein wichtiger positiver Faktor.”

Damit kommen laut Saylor gleich mehrere Faktoren zusammen, die den BTC-Kurs in den nächsten Jahren positiv beeinflussen könnten.

Darüber hinaus gibt es seiner Meinung nach auch einen sich selbst verstärkenden Bitcoin-Boom: Eine zunehmende Kreditvergabe auf Bitcoin-Basis kann eine Dynamik auslösen, bei der steigende Kurse wiederum neue Investitionen ermöglichen.

Das würde insbesondere Unternehmen wie Strategy zugutekommen, deren Geschäftsmodell auf dem langfristigen Aufbau großer Bitcoin-Reserven basiert:

“Diese Entwicklungen bringen immer mehr Kapital in den Markt. Sie nehmen Bitcoin aus dem verfügbaren Angebot, treiben damit den Preis nach oben, und der steigende Preis zieht wiederum zusätzliches Kapital an.

Wenn der Bitcoin-Preis steigt, erhöht sich der Wert unserer Reserven. Wenn unsere Reserven wachsen, sinkt unser Kreditrisiko und die Bewertungsaufschläge unserer Aktien steigen.

So entsteht ein dreifacher, sich selbst verstärkender Kreislauf, der immer weiter an Dynamik gewinnt.”

Laut Saylor zeichnet sich damit ein Szenario ab, bei dem Bitcoin zunehmend vom reinen Anlageobjekt zur Grundlage neuer Kredit- und Finanzprodukte aufsteigt.

Je stärker traditionelle Banken und institutionelle Investoren die Kryptowährung in ihre Geschäftsmodelle integrieren, desto größer könnte die Nachfrage nach BTC als Sicherheit in den nächsten Jahren werden.

Allerdings hängt die Entwicklung von mehreren volatilen Faktoren ab: Weder ist garantiert, dass die Banken tatsächlich einen Kreditmarkt im Umfang von 100 Milliarden USD aufbauen, noch würde ein solches Kreditvolumen automatisch zu Käufen in gleicher Höhe führen.

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In Bezug auf den Bitcoin-Kurs führt er aus, dass sich der Preis innerhalb kürzester Zeit verdreifachen könnte:

“Eine Bank wie JPMorgan könnte innerhalb weniger Wochen problemlos Kredite in Höhe von zehn Milliarden Dollar bereitstellen. Stell dir mal vor, nur zwei oder drei dieser Großbanken würden das machen. Dann könnten innerhalb eines Jahres über 100 Milliarden Dollar zusammenkommen. Damit könnte man praktisch die gesamte Bitcoin-Menge aufkaufen, die in den nächsten zehn Jahren neu entsteht. Und wenn so viel Geld in Bitcoin fließt, könnte sich der Preis locker verdoppeln oder sogar verdreifachen.”

Zum Redaktionszeitpunkt steht BTC bei 81.150 USD und verzeichnet ein Minus von 3,27 % innerhalb der letzten 24 Stunden. Du kannst das vollständige Interview hier anschauen: