Die Cardano Foundation hat ihre Plattform für digitale Identitäten, Veridian, am 8. Oktober als eigenständiges kommerzielles Unternehmen ausgegliedert.

Die Aktien des von Thomas A. Mayfield geführten Unternehmens wurden bereits auf Cardano tokenisiert, während dessen Identitätstechnologie unter anderem bei Zahlungen zwischen KI-Agenten zum Einsatz kommt.

Veridian-Aktien nutzen Cardanos neuen Tokenstandard

Die Tokenisierung verbindet die Ausgründung unmittelbar mit Cardanos Infrastruktur für regulierte Vermögenswerte. Veridians Aktien wurden nach dem Schweizer DLT-Gesetz als Registerwertrechte nativ auf der Blockchain abgebildet. Dafür nutzt das Unternehmen den programmierbaren Tokenstandard CIP-0113, den die Cardano Foundation gemeinsam mit der Community entwickelt hat.

Laut Foundation sind die Veridian-Aktien der erste Vermögenswert dieser Art, der mit dem neuen Standard auf Cardano umgesetzt wurde. Die Ausgründung liefert damit zugleich einen konkreten Anwendungsfall für CIP-0113.

Die Foundation hatte drei Jahre an Veridian gearbeitet. Als eigenständiges Unternehmen soll die Plattform nun Regierungen und Unternehmen bedienen, die Identitäten und Berechtigungen bei digitalen Interaktionen überprüfen müssen. Der Ansatz verzichtet auf eine zentrale Datenbank, die kompromittiert oder zur Überwachung genutzt werden könnte.

KI-Agenten verschärfen das Problem digitaler Identität

Mayfield begründet den Bedarf mit einer grundlegenden Lücke der Internetarchitektur, die durch autonome Software wirtschaftlich relevanter wird:

„Das Internet wurde ohne eine Möglichkeit geschaffen, nachzuweisen, wer sich auf der anderen Seite befindet. Das war schon ein Problem, als es nur um Menschen ging. Es ist ein weitaus größeres Problem, seit KI-Agenten in unserem Auftrag Geld und Daten bewegen.“

Die Mitteilung verweist auf Agenten, die im Namen von Menschen und Unternehmen Zahlungen, Stablecoin-Transfers und Handelsgeschäfte ausführen. Dabei fehle eine verlässliche Möglichkeit, ihre Befugnisse zu überprüfen oder zu widerrufen. Veridian soll sowohl die Identität des Gegenübers als auch dessen Berechtigungen nachweisbar machen.

Mayfield beschreibt die technische Lösung und den Zweck der Ausgründung so:

„Veridian stellt jeder Person, jeder Organisation und jedem Agenten einen Nachweis bereit, der sich sofort überprüfen und ebenso schnell widerrufen lässt, ohne dass eine zentrale Datenbank kompromittiert werden könnte. Wir haben drei Jahre lang innerhalb der Cardano Foundation daran gearbeitet. Als unabhängiges Unternehmen können wir die Lösung nun zu den Regierungen und Unternehmen bringen, die sie benötigen.“

Ein bestehender Anwender ist Masumi, das von Serviceplan Group und NMKR entwickelte Netzwerk für Zahlungen und Identitäten von KI-Agenten auf Cardano. Masumi nutzt Veridian, um Agenten eine überprüfbare Identität zu geben. Gegenparteien können diese vor einer Zahlung kontrollieren, bei einem kompromittierten Agenten lässt sie sich widerrufen.

Für den breiteren Bedarf an Identitätslösungen nennt die Foundation auch eine Schadenssumme: Nach Angaben von Javelin Strategy & Research kostete Identitätsbetrug US-Verbraucher 2025 insgesamt 27,3 Milliarden US-Dollar.

Utahs Identitätsgesetz als Ansatzpunkt für die Expansion

Veridian basiert auf den offenen Identitätsstandards KERI und ACDC, die laut Foundation bereits von Regulierungsbehörden anerkannt werden. Technologiechef Fergal O’Connor gehört zu den Maintainern der zentralen Bibliotheken beider Standards. Die Veridian Wallet ist bereits für iOS und Android verfügbar.

Im US-Markt richtet sich das Unternehmen auf die Nachfrage staatlicher Stellen aus. Der Mitteilung zufolge verabschiedete Utah 2026 als erster US-Bundesstaat mit SB 275 ein Gesetz für staatlich unterstützte digitale Identitäten, das Datenschutz und die Kontrolle durch den Einzelnen vorschreibt. Mehr als zehn weitere Bundesstaaten beobachten das Modell.

Veridian hat nach eigenen Angaben sämtliche 142 Anforderungen des zugehörigen Umsetzungsleitfadens erfasst. Diese Bestandsaufnahme beschreibt die Vorbereitung auf den regulatorischen Rahmen, eine staatliche Beauftragung meldet die Mitteilung nicht.

Für 2027 plant Veridian die Suche nach strategischen Partnern und Investoren. Sie sollen den weiteren Ausbau in den USA unterstützen. Parallel will das Unternehmen sein Geschäft mit europäischen Unternehmenskunden, sein wachsendes Netzwerk von Ausstellern digitaler Nachweise im asiatisch-pazifischen Raum und überprüfbare Berechtigungen für KI-Agenten weiterentwickeln.

Frederik Gregaard, CEO der Cardano Foundation und Verwaltungsratsvorsitzender von Veridian, betont die weitere Zusammenarbeit:

„Die Foundation hat drei Jahre investiert, um Veridian an diesen Punkt zu bringen. Die Ausgründung gibt Veridian die Unabhängigkeit, sich mit der Geschwindigkeit zu entwickeln, die sein Markt verlangt, während wir weiterhin gemeinsam daran arbeiten, unter anderem überprüfbare Identitäten nativ in Cardano zu integrieren.“

Neben Gregaard wurde auch Nicolas Jacquemart, Chief Legal Officer der Cardano Foundation, in den Verwaltungsrat aufgenommen. Die kommerzielle Eigenständigkeit geht damit mit einer fortbestehenden Verbindung zur Foundation einher.