Das Liquid Network ist am 6. September Ziel eines Hacks geworden, bei dem rund 3.996 Bitcoin im Wert von etwa 320 Mio. Dollar gestohlen werden konnten. Die Täter verschafften sich dabei nach bisherigen Erkenntnissen nicht die Kontrolle über die privaten Schlüssel.

Stattdessen nutzten sie offenbar einen Softwarefehler, durch den sich L-BTC ohne entsprechende Bitcoin-Deckung erzeugen ließen. Diese L-BTC wurden anschließend über den regulären Peg-out-Mechanismus gegen echte Bitcoin eingelöst. Für das Netzwerk sah die Auszahlung zunächst wie eine legitime Transaktion aus.

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OP_RETURN-Nachricht warnt vor einem Sicherheitsrisiko und fordert zur schnellen Behebung eines Bugs auf.

Liquid ist eine von Blockstream entwickelte Bitcoin-Sidechain. Das 2018 gestartete Netzwerk wird jedoch nicht von Blockstream allein betrieben, sondern von der Liquid Federation, einem Zusammenschluss von mehr als 80 Börsen, Handelsunternehmen und Bitcoin-Infrastruktur-Anbietern. Eine kleinere Gruppe sogenannter Functionaries produziert die Blöcke und ist an der Verwaltung des Bitcoin-Pegs beteiligt.

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Blockstream bleibt technisch eng mit Liquid verbunden. Das Unternehmen entwickelt unter anderem Elements, die Open-Source-Software, auf der Liquid basiert. Genau dort soll nach dem derzeit bekannten Stand die Schwachstelle gelegen haben.

4.000 L-BTC gingen hinein, 3.996 echte BTC kamen heraus

Der entscheidende Vorgang begann am 6. September gegen 14:05 UTC. Zu diesem Zeitpunkt wurden 4.000 L-BTC an den Peg-out-Service von SideSwap geschickt.

L-BTC ist die auf Liquid verwendete Repräsentation von Bitcoin. Normalerweise wird jeder L-BTC durch einen Bitcoin gedeckt, der auf der Bitcoin-Seite des Systems hinterlegt ist. Wer seine Mittel von Liquid zurück auf das Bitcoin-Mainnet bewegen will, lässt die entsprechenden L-BTC auf der Sidechain vernichten. Danach gibt die Federation die hinterlegten BTC frei.

Genau dieser Mechanismus wurde beim Hack ausgenutzt.

Die eingereichten 4.000 L-BTC wirkten für das System offenbar gültig. Sie wurden mit einer regulären Peg-out-Autorisierung verarbeitet und anschließend verbrannt. Um 14:28 UTC, nur 23 Minuten später, zahlte die Federation 3.996,018 BTC an die angegebene Adresse auf dem Bitcoin-Mainnet aus.

Erst danach wurde deutlich, dass die eingelösten L-BTC offenbar nicht auf normalem Weg entstanden waren. Nach Angaben zum Vorfall wurde ein Fehler in Elements ausgenutzt, der die Erzeugung von L-BTC ermöglichte, ohne dass zuvor dieselbe Menge Bitcoin in den Peg eingebracht worden war.

Damit entstand ein Loch zwischen den auf Liquid vorhandenen Token und den tatsächlich hinterlegten Bitcoin.

Der Unterschied zu einem klassischen Wallet-Hack ist erheblich. Nach bisherigem Stand wurde SideSwaps Peg-out Authorization Key nicht kompromittiert. Auch gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass Hacker private Schlüssel der Liquid Federation gestohlen haben.

Stattdessen bestand der Angriff offenbar darin, das System dazu zu bringen, ungedeckte L-BTC als legitime Vermögenswerte zu akzeptieren. Anschließend wurden diese über den vorgesehenen Auszahlungsprozess gegen tatsächlich vorhandene Bitcoin getauscht.

Vor dem Vorfall befanden sich rund 4.200 BTC im Peg. Die Auszahlung von knapp 4.000 BTC entsprach damit einem sehr großen Teil der dort gehaltenen Bitcoin.

Hacker bezeichnen sich als White Hats und nehmen Kontakt auf

Wenige Stunden nach dem Abzug meldete sich die Partei, die die Bitcoin kontrollierte, direkt über die Blockchain.

In einer Nachricht, die in einer Bitcoin-Transaktion hinterlegt wurde, schrieb die Gruppe:

„we are whitehats. contact us on chain.“

Damit bezeichneten sich die Beteiligten selbst als White-Hat-Hacker, also als Hacker, die Sicherheitslücken nach eigener Darstellung nicht mit dem Ziel eines dauerhaften Diebstahls ausnutzen.

Blockstream nahm daraufhin Kontakt mit der Gruppe auf. Der Austausch wurde später über PGP-verschlüsselte Nachrichten fortgesetzt.

Die Hacker stellten dabei in Aussicht, den Großteil der Bitcoin zurückzugeben. Zuvor wollten sie jedoch bestätigt sehen, dass der zugrunde liegende Softwarefehler behoben wurde und die Nodes des Liquid Network auf die korrigierte Version aktualisiert worden sind.

Liquid reagierte unterdessen mit einer Unterbrechung wichtiger Netzwerkfunktionen. Die Bridge-Nodes wurden gestoppt, während SideSwap Swaps sowie Peg-ins und Peg-outs vorübergehend aussetzte. Börsen wurden zudem gebeten, Ein- und Auszahlungen von L-BTC zu pausieren.

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Das Bitcoin-Mainnet selbst wurde bei dem Angriff nicht kompromittiert. Die Blockchain verarbeitete lediglich eine gültig signierte Bitcoin-Transaktion, die von der Liquid-Infrastruktur autorisiert worden war. Die Schwachstelle lag nach dem derzeitigen Stand innerhalb des Liquid- beziehungsweise Elements-Systems.

Auch andere auf Liquid ausgegebene Vermögenswerte wie USDT waren nach bisherigen Angaben nicht unmittelbar von dem Fehler betroffen.