Bitcoin muss nach Einschätzung von CryptoQuant-CEO Ki Young Ju die Marke von 80.000 Dollar verteidigen, um eine Kaskade von Long-Liquidationen Richtung 73.000 Dollar zu vermeiden. Die Warnung trifft auf schwindende Spotnachfrage und eine vorsichtigere Positionierung großer Hyperliquid-Trader.

Der erhoffte Uptober für Bitcoin fällt aus

CryptoQuant-Forschungsleiter Julio Moreno schrieb am 27. Oktober ergänzend auf X:

„Uptober hat enttäuscht, weil die Spotnachfrage weiter schrumpfte, während US-Investoren überwiegend an der Seitenlinie blieben. Trader nahmen Gewinne mit, wobei weiterhin Gewinne realisiert werden können. Insgesamt sind die Bedingungen weniger bullisch geworden.“

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Der dazugehörige CryptoQuant-Bericht beziffert Bitcoins Monatsverlust bis zum 25. Oktober auf 4,2 Prozent. Gegenüber dem Oktober-Durchschnitt von plus 18,1 Prozent für 2020 bis 2025 wäre das nach minus 3,8 Prozent im Vorjahr der zweite negative Oktober in Folge und der schwächste seit 2020.

Bitcoin-Oktober-Renditen von 2020 bis 2026 mit minus 4,2 Prozent bis zum 25. Oktober 2026 und einem historischen Durchschnitt von plus 18,1 Prozent.
Bitcoin verliert bis zum 25. Oktober 2026 rund 4,2 Prozent. Der Oktober-Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 lag bei plus 18,1 Prozent. Quelle: CryptoQuant.

CryptoQuants Spotnachfragemessung lag seit dem 14. Oktober durchgehend im negativen Bereich. Die 30-Tage-Summe der „Apparent Demand“ erreichte am 25. Oktober minus 76.000 BTC, nachdem sie Ende September vorübergehend positiv gewesen war.

Auch die US-Nachfrage blieb schwach. Die Coinbase-Prämie war an allen ersten 25 Oktobertagen negativ und fiel am 24. Oktober auf minus 0,146, den niedrigsten Wert seit dem 30. Juni. Der Monatsdurchschnitt von minus 0,093 lag dreimal so tief im negativen Bereich wie im September. Bitcoin wurde auf Coinbase damit durchgehend günstiger gehandelt als am Offshore-Vergleichsmarkt.

Parallel schrumpfte der Gewinnpuffer der Trader. Der Abstand zwischen Marktpreis und realisiertem Preis der ein bis drei Monate gehaltenen Coins fiel von 33,4 Prozent am 22. September über 24,2 Prozent zum Oktoberbeginn auf 8,1 Prozent am 26. Oktober. Die Kostenbasis lag bei 74.041 Dollar. Weitere Gewinnmitnahmen bleiben möglich, während der Puffer gegen Kursverluste deutlich kleiner geworden ist.

Der Bull Score Index sank von 90 auf 60 Punkte und verharrt seit dem 19. Oktober dort. Sechs von zehn Indikatoren bleiben bullisch. CryptoQuant betrachtet den derzeitigen Rücksetzer deshalb als eine Abkühlung innerhalb eines bullischen Regimes. Erst ein Stand von unter 50 würde laut CryptoQuant den Rückfall in ein bärisches Regime anzeigen.

Mehr als 1 Milliarde US-Dollar an Longs in Gefahr?

Unabhängig von der CryptoQuant-Analyse erklärte CEO Ki Young Ju am gestrigen Dienstag auf X:

„BTC muss die Marke von 80.000 Dollar halten, um eine Kaskade von Long-Liquidationen Richtung 73.000 Dollar zu vermeiden. Noch wurde keine dieser Positionen liquidiert. Knapp unter 80.000 Dollar liegen Long-Positionen mit einem Liquidationsvolumen von etwa 119 Millionen Dollar, weitere 109 Millionen bei 77.000 Dollar und 88 Millionen bei 73.000 Dollar, kumuliert rund eine halbe Milliarde Dollar bis hinunter zu 73.000 Dollar.“

Hyperliquid-Liquidationskarte für Bitcoin mit blauen Long-Clustern unterhalb und roten Short-Clustern oberhalb des Kursverlaufs.
Unterhalb des Bitcoin-Kurses liegen potenzielle Long-Liquidationen, darüber potenzielle Short-Liquidationen. Die Karte zeigt deren Verteilung auf Hyperliquid. Quelle: CryptoQuant.

Die Werte beschreiben offene Positionen in Preisbändern von jeweils 1.000 Dollar. Werden deren Liquidationsschwellen erreicht, entstehen erzwungene Verkäufe, die weitere Schwellen auslösen könnten.

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Wichtig zu betonen ist, dass Jus Auswertung ausschließlich Hyperliquid erfasst. Indes meldete Glassnode gestern zugleich einen bärischen Richtungswechsel bei den dortigen Bitcoin-Walen:

„Hyperliquid-Wale sind bei BTC erstmals seit März netto short positioniert. Diese Gruppe hatte es geschafft, am Tief Long-Positionen einzugehen, doch vergangene Woche drehte die Positionierung. Die Frage ist, ob sie einen stärkeren Rücksetzer frühzeitig vorwegnehmen oder bei steigenden Kursen vor einem Short Squeeze stehen.“

Glassnode-Chart zeigt die Bitcoin-Nettopositionierung von Hyperliquid-Walen, die im Oktober 2026 erstmals seit März ins Negative dreht.
Die von Glassnode beobachteten Bitcoin-Wale auf Hyperliquid sind erstmals seit März netto short positioniert. Quelle: Glassnode.

Auch für Binance weist die 24-Stunden-Heatmap von Coinperps größere potenzielle Long-Liquidationen aus. Unsere Auswertung der Heatmap zeigt bei einem Kurs von rund 81.147 Dollar etwa 575,3 Millionen Dollar an Long-Liquidationen unterhalb des Kurses und 402 Millionen Dollar an Short-Liquidationen darüber.

Der größte Long-Cluster liegt bei 79.975 Dollar mit 63,2 Millionen Dollar, ein weiterer bei 80.157 Dollar mit 36,5 Millionen. Auf der Short-Seite konzentrieren sich 37,3 Millionen Dollar bei 81.556 Dollar und 36,5 Millionen bei 81.799 Dollar. Ein Rückgang um fünf Prozent auf 77.089 Dollar würde laut Coinperps kumuliert rund 544,2 Millionen Dollar an Longs liquidieren.

Coinperps-Heatmap zeigt geschätzte Bitcoin-Liquidationszonen auf Binance mit auffälligen Clustern um 80.000 Dollar und oberhalb von 81.500 Dollar.
Die Binance-Heatmap zeigt potenzielle Long-Liquidationen um 80.000 Dollar und Short-Liquidationen oberhalb des dargestellten Bitcoin-Kurses von 81.463 Dollar. Quelle: Coinperps.

Unterhalb von 80.000 Dollar nennt CryptoQuant drei mögliche Unterstützungen: den 365-Tage-Durchschnitt bei 77.585 Dollar, die Trader-Kostenbasis bei 74.041 Dollar und den 200-Tage-Durchschnitt bei 73.028 Dollar.

Die Fed-Entscheidung am heutigen 28. Oktober und die US-Zwischenwahlen am 3. November stehen als nächste Impulse an.