Die Adoption von Bitcoin steckt nach der Analyse führender Finanzhäuser weiter in den Kinderschuhen. Der Vermögensverwalter Bitwise hat anonym 15 große Institutionen gefragt, wie sie ihre Bitcoin-Käufe finanzieren. Das Ergebnis liefert ein deutliches Signal an den Kryptomarkt.

Staatsfonds verkauft Goldreserven, um Bitcoin zu kaufen

Ryan Rasmussen, Head of Research bei Bitwise, hat im Rahmen einer aktuellen Untersuchung anonym mit 15 großen Institutionen gesprochen, darunter Pensionsfonds, Stiftungen und Sovereign Wealth Funds.

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Nach Angaben von Bitwise Asset Management hat ein Staatsfonds Goldreserven verkauft, um Kapital für Bitcoin freizumachen:

“Eine interessante Erkenntnis bei einem der Staatsfonds, mit denen wir gesprochen haben, war, dass dieser tatsächlich Gold verkauft und auch andere Devisenreserven reduziert hat, um damit Bitcoin-Käufe zu finanzieren.”

Das bedeutet nicht, dass der Staatsfonds seine komplette Goldposition durch Bitcoin ersetzt hat. Dennoch zeigt sich daran eine Veränderung in der Betrachtung von Bitcoin als Vermögenswert durch kapitalstarke Institutionen.

Der Staatsfonds betrachtet Bitcoin offenbar ähnlich wie Gold als möglichen Schutz gegen die langfristige Entwertung von Fiatwährungen wie dem Euro, dem US-Dollar oder dem britischen Pfund. Rasmussen erklärt dazu:

“Wir haben mit mehreren Staatsfonds gesprochen, und es gibt in verschiedenen Regionen der Welt erhebliches Interesse an Bitcoin.”

Das Interesse ist demnach nicht auf einzelne Länder beschränkt. Institutionen in verschiedenen Regionen beschäftigen sich zunehmend mit Bitcoin und anderen sogenannten harten Vermögenswerten:

“Es geht nicht nur um ein einzelnes Land wie El Salvador. In ganz unterschiedlichen Regionen beschäftigen sich Staatsfonds mit Bitcoin, mit Währungsentwertung und mit der Frage, wie sie harte Vermögenswerte in ihren Portfolios halten können.”

Rasmussen beschreibt, dass Staatsfonds prozentual gesehen keine riesigen Positionen aufbauen müssen. Bereits eine Bitcoin-Allokation von 2 oder 3 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens könnte erhebliche Kapitalbeträge in den Bitcoin-Markt lenken.

Der norwegische Staatsfonds verwaltet ein Vermögen von mehr als 2,2 Billionen USD. Würden davon 3 Prozent in Bitcoin fließen, entspräche dies einem Volumen von 66 Milliarden USD und damit rund 4 Prozent der derzeitigen Marktkapitalisierung von BTC.

Zum Vergleich: Die Bitcoin-Reserven des größten börsennotierten Bitcoin-Treasury-Unternehmens der Welt, Strategy, sind zum Redaktionszeitpunkt rund 70,07 Milliarden USD wert. Das Unternehmen hält derzeit 847.666 BTC. Schon eine Bitcoin-Allokation von wenigen Prozent könnte bei Fonds dieser Größenordnung somit Milliardenbeträge in den Markt bringen.

Keine einheitliche Bitcoin-Strategie

Interessant ist auch die Art und Weise, wie diese Institutionen Bitcoin kaufen. Laut Rasmussen gibt es hierbei keine einheitliche Strategie. Einige interessieren sich für Spot-Bitcoin-ETFs, während andere die direkte Verwahrung und den Aufbau einer eigenen Custody-Infrastruktur forcieren.

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Darüber hinaus nennen einige Gesprächspartner auch Bitcoin-Mining als möglichen Ansatz. Andere interessieren sich für Optionsstrategien, um zusätzliche Erträge auf bestehende Bitcoin-Bestände zu erzielen. Die Möglichkeiten, Bitcoin als Vermögenswert einzusetzen, sind entsprechend breit gefächert:

“Bei den Staatsfonds, mit denen wir gesprochen haben, war eigentlich alles dabei. Einige wollten Spot-Bitcoin-ETFs kaufen, andere eigene Verwahrungslösungen aufbauen oder mit lokalen Verwahrern arbeiten und Bitcoin direkt im Cold Storage halten. Manche beteiligen sich am Mining, andere interessieren sich für Strategien, mit denen sich zusätzliche Erträge auf bestehende Bitcoin-Bestände erzielen lassen.”

Ein weiteres wichtiges Signal ist laut Rasmussen, dass keine der befragten Institutionen ihre Krypto-Positionen verkauft hat, nachdem der Bitcoin-Kurs von 125.000 USD auf 60.000 USD und damit um mehr als 50 Prozent gefallen war. Im Gegenteil: Ein Teil der Investoren nutzte die Korrektur, um seine Positionen weiter auszubauen:

“Als Bitcoin von 125.000 auf 60.000 Dollar fiel, hat keine der von uns befragten Institutionen Krypto verkauft. Dabei sprechen wir über Pensionsfonds, Stiftungen und Staatsfonds. Viele von ihnen haben während des Rückgangs sogar mehr Bitcoin und weitere Krypto-Assets gekauft.”

Nach Einschätzung des Analysten zeigt dieses Verhalten, dass Bitcoin von den befragten Institutionen nicht ausschließlich als kurzfristiges Spekulationsobjekt betrachtet wird, sondern zunehmend als Bestandteil einer langfristig orientierten Portfoliostrategie:

“Diese Investoren sind von Natur aus langfristig orientiert. Sie investieren systematisch, allokieren einige Prozentpunkte ihres Portfolios und halten an dieser Allokation über mehrere Jahre fest. Anschließend wird regelmäßig neu gewichtet, unabhängig davon, ob der Markt gerade steigt oder fällt.”

Bitwise sieht darin einen deutlichen Unterschied zu früheren Bitcoin-Zyklen. Mit Spot-ETFs, börsennotierten Bitcoin-Treasury-Unternehmen und institutionellen Anlegern existieren inzwischen zusätzliche Nachfragequellen, die auch während schwächerer Marktphasen Kapital bereitstellen können.

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Rasmussen glaubt zudem, dass Bitcoin bei rund 60.000 USD seinen vorläufigen Boden gefunden hat. Bis zu den Midterms in den USA könnte sich der Markt seiner Einschätzung nach zunächst seitwärts bewegen. Danach rechnet Bitwise mit höheren Kursen:

“Ich glaube, dass der Markt bei etwa 60.000 Dollar seinen Boden gefunden hat. Das ist eine starke Erholung. Ich würde erwarten, dass wir uns möglicherweise bis zu den Midterms seitwärts bewegen, aber von hier aus rechnen wir mit höheren Kursen.”

Du kannst das vollständige Interview hier anschauen: