Cardano-Gründer Charles Hoskinson ist bekannt als Systemkritiker und Freigeist mit einer stark tech-affinen Meinung über die Zukunft der Menschheit.

In einer gestrigen Rede im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York auf dem FinTech Summit „Future of Money, Governance & the Law“ warnte er ausdrücklich vor digitalem Zentralbankgeld (CBDC) und dem digitalen Euro.

„Wenn man Geld und Identität kontrolliert, kontrolliert man die Menschen“

Die EZB will im Jahr 2029 technisch für eine mögliche Erstausgabe des digitalen Euro bereit sein. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2027 soll ein zwölfmonatiger Pilot starten. In Deutschland ist zudem für Anfang 2027 der Start der EUDI-Wallet vorgesehen, während die Bundesregierung parallel an der Deutschland-App als zentralem Zugang zu digitalen Verwaltungsleistungen arbeitet.

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Innerhalb dieser neuen, zunächst freiwilligen Infrastruktur sollen viele wichtige Daten über Bürger zusammenfließen: digitale Krankenakte, digitaler Führerschein, digitale Identität und Weiteres. Kurzum: wichtige Daten, die ein Bürger bislang in voneinander getrennten Systemen besitzt.

Datenschützer warnten bereits vor den Risiken einer zunehmend zentralisierten digitalen Identitäts- und Zahlungsinfrastruktur. Der Europäische Datenschutzbeauftragte weist darauf hin, dass verknüpfbare Transaktions- und Identitätsdaten Rückschlüsse auf Verhalten, Entscheidungen und Gewohnheiten von Nutzern ermöglichen könnten.

In einem solchen System könnten technisch weitreichende Kontrollmöglichkeiten entstehen, weshalb Datenschutz und technische Begrenzungen der jeweiligen Akteure bereits auf Systemebene verankert werden müssten.

Hoskinson vertritt eine ähnliche Meinung. Er sieht in digitalem Zentralbankgeld ein systemisches, zentralisiertes Risiko, das aus seiner Sicht unbedingt vermieden werden sollte. Für den digitalen Euro findet er deutliche Worte:

„Warum ich euch Europäern mit eurem digitalen Euro nicht vertraue? Wir alle wissen, was ihr damit machen werdet.“

Anschließend wurde er ungewöhnlich konkret:

„Folgendes wird in zehn Jahren passieren: Vermögens- und Transaktionsdiskriminierung. Ihr werdet digitale Euro auf eurem Bankkonto haben und Benzin kaufen wollen. Obwohl ihr 2.000 Euro auf eurem Konto habt, wird eure Karte abgelehnt und es heißt: Es tut uns leid, Sie haben diesen Monat bereits 50 Liter Benzin gekauft. Sie dürfen nicht mehr kaufen.“

Hoskinson führt dazu weiter aus:

„Ihr glaubt das nicht? Dann schreibt in irgendein Gesetz, dass ihr es nicht tun werdet.“

Alle aufgeführten Zitate sind 1:1 aus seiner Rede ins Deutsche übersetzt. Das Beispiel mit der vermeintlichen Treibstoffrationierung und der anschließenden Verknüpfung mit einem Zentralbankkonto, das in einigen Jahren möglicherweise von vielen Bürgern in der EU genutzt wird, beschreibt ein technisch denkbares Szenario.

Dabei handelt es sich jedoch um ein Zukunftsszenario, das Hoskinson prognostiziert, und nicht um einen von der EZB oder anderen beteiligten Institutionen angekündigten Plan für den digitalen Euro.

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Hoskinsons Kritik geht jedoch deutlich über individuelle Zahlungsbeschränkungen hinaus. Für ihn ist vor allem die Verknüpfung von digitalem Geld und digitaler Identität eine entscheidende Schnittstelle. Seiner Meinung nach könnte eine solche Infrastruktur Regierungen oder anderen Institutionen weitreichende Kontrollmöglichkeiten geben:

„Wenn man das Geld und die Identität kontrolliert, kontrolliert man die Menschheit. Man kann alles kontrollieren, was eine Person denkt und tut. Denn wenn sie sich gegen das System ausspricht, schaltet man einfach ihr Geld ab. Wie lange kann jemand Widerstand leisten, wenn er niemanden bezahlen, nirgendwohin reisen und sich nicht einmal selbst ernähren kann?“

Hoskinson bezeichnete dies als „Gefahr digitalen Geldes ohne Beschränkungen und Kontrollen“. Gleichzeitig stellte er seine Kritik in einen größeren Kontext.

Immer mehr Teile des menschlichen Lebens würden an digitale Systeme ausgelagert, von künstlicher Intelligenz bis hin zu großen Technologieplattformen. Deshalb müsse es aus seiner Sicht technische Garantien für Privatsphäre und individuelle Freiheiten geben.

Blockchain soll auch Regierungen begrenzen

Hoskinson argumentiert, dass die Blockchain-Technologie ein technisches Fundament bereitstellen könne, das Regierungen in ihrer Machtausübung Grenzen setzt und zugleich die Transparenz gegenüber den Bürgern erhöht:

„Blockchain ist insofern eine Meta-Technologie, als ihre Aufgabe nicht nur darin besteht, uns als Nutzer des Systems einzuschränken. Genauso wichtig ist es, auch das Verhalten und die Handlungen von Regierungen zu begrenzen. Wir bewegen uns auf eine Welt mit digitaler Identität zu. Wir bewegen uns auf eine Welt zu, in der Bargeld verschwinden wird. Und wir bewegen uns auf eine Welt zu, in der der größte Teil unseres Lebens in der Cloud stattfindet.“

Hoskinson erklärt weiter, dass Blockchain zur Absicherung individueller Rechte und zur Wahrung der Freiheit der Bürger eingesetzt werden solle:

„Wie stellen wir also verfassungsrechtliche Grenzen wieder her, geben euch ein Recht auf Privatsphäre, geben euch eure Freiheiten zurück und stellen sicher, dass diese Rechte, die wir vor langer Zeit auf Papier geschrieben haben, wieder mit Leben gefüllt werden? Das ist der Zweck der Blockchain-Industrie.“

Der Cardano-Gründer schließt die Rede mit der Aufforderung an die Regierungen der Welt, Blockchain in die bestehenden Regierungsprozesse einzubinden und damit eine gerechte und faire Zukunft für alle zu gestalten.

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Du kannst die vollständige Rede von Charles hier ansehen: