Der Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen könnte sich für Bitcoin als weniger problematisch erweisen als für den übrigen Kryptomarkt. Davon ist Matthew Sigel, Leiter der Digital-Asset-Forschung beim Vermögensverwalter VanEck, überzeugt.

Im Interview mit CNBC vom 4. November 2026 erklärt er, warum Bitcoin von der neuen politischen Konstellation in Washington sogar profitieren könnte. Nach dem Wahlsieg der Demokraten in beiden Kongresskammern hatte sich der Bitcoin-Kurs zunächst schwach entwickelt. Anschließend folgte jedoch eine deutliche Erholung.

Wie Kryptorevolution berichtete, sprang BTC am Mittwoch nach einem Rückgang auf rund 75.600 USD wieder über die Marke von 80.000 USD und steht zum Redaktionszeitpunkt bei 80.456,27 USD. (Artikel geht nach dem Chart weiter)

VanEck: Bitcoin braucht keine neuen Gesetze mehr

Sigel begründet seinen Optimismus vor allem damit, dass Bitcoin inzwischen deutlich stärker in das regulierte Finanzsystem eingebunden ist als noch vor wenigen Jahren. Die politischen Veränderungen in Washington dürften deshalb weniger Einfluss auf Bitcoin haben als auf andere Kryptowährungen.

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Im CNBC-Interview erklärt er:

„Wir sind bei Bitcoin derzeit ausgesprochen bullisch. Wenn man darüber nachdenkt, was sich in den kommenden vier Jahren wahrscheinlich nicht verändern wird, dann sticht Bitcoin heraus.

Die regulatorischen Rahmenbedingungen sind bereits festgelegt. Die Verwahrung wird über die ETFs reguliert, auch der Einsatz von Hebeln ist inzwischen reguliert. Ein Großteil davon läuft über die CME oder über die Bilanz von MicroStrategy.

Das ist ein großer Unterschied zum vergangenen Zyklus, als vieles noch unreguliert war. Gleichzeitig schreitet die Adoption weiter voran.“

Allerdings könnte der Wahlsieg der Demokraten neue Krypto-Gesetze vorerst ausbremsen. Das betrifft vor allem den CLARITY Act, der die Zuständigkeiten von SEC und CFTC klarer regeln soll. Für Bitcoin sieht Sigel darin jedoch kein größeres Problem, da die Kryptowährung bereits fest im regulierten Finanzmarkt verankert ist.

Hinzu kommt, dass die Demokraten Untersuchungen zu den Kryptogeschäften der Trump-Familie vorbereiten. Sigel sieht allerdings einen weiteren möglichen Vorteil für Bitcoin: die amerikanische Staatsverschuldung:

„Jetzt geht es ums Regieren und nicht mehr um Wahlkampf. Und beim Regieren geht es um Kompromisse. Besonders bei der Schuldenobergrenze werden Kompromisse notwendig sein, die wahrscheinlich zu höheren Staatsausgaben und einer zusätzlichen Schuldenaufnahme führen werden.

Diese Ausgaben und die neue Verschuldung werden einen großen Teil der Wähler verärgern. Auch einige unserer Handelspartner werden damit nicht einverstanden sein, sowohl wegen des Umfangs als auch wegen der Verwendung des Geldes.“

Eine steigende Staatsverschuldung könnte nach Sigels Einschätzung die Nachfrage nach Bitcoin als alternativem monetärem Vermögenswert unterstützen. Ob Anleger tatsächlich entsprechend reagieren, hängt allerdings auch von Zinsen, Liquidität und der allgemeinen Risikobereitschaft ab.

Warum Altcoins und Stablecoins stärker unter Druck geraten könnten

Bei anderen Kryptowährungen ist Sigel deutlich vorsichtiger. Während er für Bitcoin kaum noch regulatorische Unsicherheit sieht, könnten die Demokraten bestehende Entscheidungen der US-Aufsichtsbehörden erneut zur Diskussion stellen.

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Besonders betroffen wären möglicherweise Altcoins, Stablecoins und tokenisierte Vermögenswerte:

„Wenn die Geschichte ein Anhaltspunkt ist, dann sind die Demokraten für Bitcoin vollkommen in Ordnung, weil es für Bitcoin praktisch keine regulatorische Unsicherheit mehr gibt.

Über Altcoins, Tokenisierung und Stablecoins kann man dagegen diskutieren. Ich denke, dass der Markt hier zunehmend unterscheiden wird und sich genauer mit den Regeln beschäftigen könnte, die SEC und CFTC eingeführt haben und die möglicherweise wieder rückgängig gemacht werden, sollte sich die demokratische Welle in den kommenden vier Jahren fortsetzen.“

Ob sich diese regulatorischen Risiken tatsächlich verschärfen, hängt maßgeblich davon ab, welchen Kurs der neue Kongress einschlägt. Eine demokratische Mehrheit allein reicht nicht aus, um bestehende Vorschriften der SEC und CFTC außer Kraft zu setzen. Allerdings könnte sie die weitere Ausgestaltung der US-Kryptoregulierung erheblich beeinflussen.

Für Bitcoin sieht Sigel dagegen auch aus zyklischer Perspektive günstige Voraussetzungen. Der VanEck-Experte verweist auf den historischen Vierjahreszyklus von Bitcoin, demzufolge BTC bereits im Oktober einen zyklischen Tiefpunkt erreicht haben könnte. Sollte sich das Muster vergangener Marktzyklen wiederholen, wäre damit die Grundlage für eine längerfristige Erholung geschaffen.

Zusätzlichen Optimismus schöpft Sigel aus einer veränderten Dynamik an den Finanzmärkten. Während Bitcoin und Gold nach den US-Zwischenwahlen zulegen konnten, blieben Technologieaktien unter Druck. Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass sich die zuletzt ausgeprägte Korrelation zwischen Bitcoin und dem Nasdaq zumindest vorübergehend abschwächte.

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Eine nachhaltige Entkopplung lässt sich daraus noch nicht ableiten. Dennoch könnte die Entwicklung darauf hindeuten, dass Anleger Bitcoin wieder stärker als eigenständigen monetären Vermögenswert wahrnehmen und weniger ausschließlich als spekulatives Technologieinvestment. Für Altcoins dürfte hingegen die weitere regulatorische Entwicklung in Washington eine wesentlich größere Rolle spielen.