• Frankreich soll laut Analyst Joe Nakamoto für rund 70 Prozent der weltweiten Krypto-Wrench-Attacks verantwortlich sein.
  • Die französische Staatsanwaltschaft meldet 88 Anklagen im Zusammenhang mit Entführungen und physischer Erpressung von Krypto-Haltern.

Frankreich entwickelt sich offenbar zum Zentrum physischer Gewalt gegen Krypto-Besitzer. Nach Angaben des Analysten Joe Nakamoto entfallen rund 70 Prozent der weltweit erfassten Krypto-bezogenen „Wrench Attacks“ auf das Land.

Ein Entführungsfall alle zweieinhalb Tage

Mit „Wrench Attacks“ sind keine klassischen Cyberangriffe gemeint. Es geht um körperliche Bedrohung, Entführung, Einbruch oder Erpressung, um Zugang zu Wallets, Seed Phrases oder Börsenkonten zu erzwingen. Also um die brutalere Seite eines Marktes, der sonst meist über Smart Contracts, Hacks und Phishing spricht.

Frankreich soll 2026 bereits 41 Entführungen im Zusammenhang mit Krypto verzeichnet haben. Das entspricht im Durchschnitt einem Fall alle zweieinhalb Tage.

Diese Zahl ist drastisch, auch wenn einzelne Fälle unterschiedlich gelagert sein können. Sie zeigt aber, dass digitale Vermögenswerte längst reale Sicherheitsrisiken erzeugen.

Nakamoto führt den Anstieg unter anderem auf zentralisierte KYC-Datenlecks zurück. Wenn persönliche Informationen von Krypto-Nutzern, Handelsvolumen oder Adressdaten in falsche Hände geraten, entsteht ein direktes Zielprofil.

Für organisierte Täter ist dann nicht mehr nur interessant, welche Wallet gehackt werden kann, sondern welche Person unter Druck gesetzt werden kann.

Krypto-Sicherheit endet nicht bei der Wallet

Vanessa Perrée, Frankreichs nationale Staatsanwältin für organisierte Kriminalität, bestätigte demnach, dass 88 Personen im Zusammenhang mit diesen Fällen angeklagt wurden. Das deutet nicht auf einzelne Zufallstaten hin, sondern auf Strukturen, die Krypto-Vermögen gezielt verfolgen.

Für die Branche ist das unbequem. Jahrelang lag der Fokus auf technischer Sicherheit: Hardware-Wallets, Multi-Sig, Cold Storage, Zwei-Faktor-Authentifizierung. All das bleibt wichtig. Aber es schützt nur begrenzt, wenn Angreifer den Besitzer direkt angreifen.

Besonders gefährdet sind sichtbare Krypto-Unternehmer, OTC-Trader, Influencer, frühe Investoren und Menschen, deren Vermögen durch Datenlecks oder öffentliche Selbstdarstellung erkennbar wird.

Diskretion wird damit zu einer Sicherheitsmaßnahme. Weniger öffentliche Angaben über Bestände, getrennte Wallet-Strukturen, begrenzte Hot-Wallet-Beträge und klare Notfallprozesse werden wichtiger.