Der Bitcoin-Kurs ist infolge des Binance-Hacks seit Donnerstag von 81.000 USD auf 76.500 USD zum Redaktionszeitpunkt gefallen. Hinzu kommen die heutigen US-Zwischenwahlen, in deren Umfeld Bitcoin und der Kryptomarkt historisch häufig starken Kursschwankungen ausgesetzt waren. (Artikel geht nach dem Chart weiter)

Außerdem lässt sich historisch eine klare Tendenz erkennen, in welche Richtung sich BTC in den 7 bis 14 Tagen nach den Midterms bewegt hat. Mehr dazu weiter unten im Artikel.

US-Zwischenwahlen: Chance oder Risiko für Bitcoin und Krypto?

Die Zeit vor und nach den US-Zwischenwahlen ist vor allem von einem Gefühl geprägt: Unsicherheit. Die zunehmende Angst zeigt sich nicht nur im Fear-and-Greed-Index, der derzeit bei 33 liegt (vor 90 Tagen lag er noch bei 67 und damit im Bereich „Gier“), sondern auch darin, dass institutionelle Investoren ihre Positionen derzeit reduzieren.

Tipp der Redaktion: Strategy kauft 810 Bitcoin – Bis zu 30 Milliarden USD stehen für weitere BTC-Käufe bereit

Bitcoin-ETFs stehen weiterhin unter Druck und verzeichneten gestern Abflüsse in Höhe von 398 Millionen USD. Zusammen mit Freitag flossen damit innerhalb von zwei Handelstagen insgesamt 1,041 Milliarden USD aus den ETFs ab. Das sind die größten Nettoabflüsse seit über sechs Monaten.

Bitcoin-ETF-Nettozuflüsse und -Abflüsse der letzten 90 Tage im Vergleich zum Bitcoin-Kurs und ETF-Gesamtvermögen. Am 2. November 2026 verzeichneten die ETFs Nettoabflüsse von 398,62 Millionen US-Dollar.
Bitcoin-ETFs unter Verkaufsdruck: Am 2. November 2026 flossen netto 398,62 Millionen US-Dollar ab. Das verwaltete Gesamtvermögen lag bei 98,12 Milliarden US-Dollar, während der Bitcoin-Kurs auf 76.779,73 US-Dollar fiel. Die Grafik zeigt die Entwicklung der ETF-Kapitalströme und des Bitcoin-Kurses über die vergangenen 90 Tage.

Auch Ether-ETFs verzeichnen hohe Abflüsse in Höhe von 139 Millionen USD. Seit dem 29. September 2026 fließt kontinuierlich Kapital ab. Die Nettoabflüsse summieren sich seither auf 1,8093 Milliarden USD.

Der Preis für Rohöl der Sorte Brent ist über Nacht von 110 USD auf 105 USD gefallen. Als Hauptgrund gilt die Hoffnung auf Fortschritte bei den Friedensgesprächen zwischen den USA und dem Iran. Es gab zwar Gespräche, die Trump als „guten Fortschritt“ bezeichnete.

Stundenchart des Brent-Rohölpreises auf Hyperliquid über die letzten drei Tage. Nach einem deutlichen Kursrückgang auf rund 103 US-Dollar erholt sich der Brent-Preis leicht auf 105,78 US-Dollar, bleibt jedoch unter den langfristigen gleitenden Durchschnitten.
Brent-Rohöl unter Druck: Der Stundenchart auf Hyperliquid zeigt einen starken Preisrückgang innerhalb der vergangenen drei Tage. Nach einem Tief bei rund 103 US-Dollar stabilisiert sich der Ölpreis bei 105,78 US-Dollar. Quelle: Hyperliquid.

Gleichzeitig haben US-Streitkräfte in der vergangenen Nacht die Insel Qeshm angegriffen, die als wichtigste Ölförderquelle des Iran bezeichnet wird. Laut einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ) begründete Trump den Präventivschlag damit, dass man den Iran seit Monaten nicht mehr angegriffen habe.

Der israelische Premierminister Netanjahu drängte Trump in einem Telefongespräch am Samstag dazu, den Iran direkt nach den US-Zwischenwahlen erneut anzugreifen. Dabei waren sogar Atomwaffen im Gespräch.

Obwohl bislang keine bestätigten Aussagen von US-Regierungsvertretern über eine unmittelbar bevorstehende Wiederaufnahme der Kampfhandlungen vorliegen, warnen Sicherheitsexperten vor einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit einer erneuten militärischen Eskalation nach den US-Zwischenwahlen.

In den frühen deutschen Morgenstunden steigt der Ölpreis bereits wieder, sodass der Inflationsdruck hoch bleibt und Bitcoin sowie den Kryptomarkt weiterhin belastet. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist von 5,2 % auf 4,9 % gefallen, liegt damit jedoch weiterhin auf einem historisch hohen Niveau. Zum Jahresbeginn waren es noch 4,2 %.

Linienchart zur Entwicklung der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen seit Jahresbeginn 2026. Nach einem Anstieg auf über 5,2 Prozent im Oktober sank die Rendite Anfang November auf 4,912 Prozent.
Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen im Jahresverlauf 2026: Nach einem deutlichen Anstieg und einem Höchststand von über 5,2 Prozent im Oktober fiel die Rendite Anfang November auf 4,912 Prozent zurück. Quelle: TradingView.

Hohe Renditen von US-Staatsanleihen sind tendenziell bärisch für Bitcoin, weil sie sichere Anlagen attraktiver machen, Kapital aus risikoreichen Investments abziehen und die Liquiditätsbedingungen verschärfen. Zusätzlicher Abwärtsdruck geht von der amerikanischen Zentralbank aus.

Laut dem FedWatch-Tool liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am 9. Dezember 2026 bei 72,9 %. Analysten schätzen, dass die nächste Leitzinserhöhung zwar bereits eingepreist ist, die Aussicht darauf jedoch deutlich macht, dass die Inflation eher steigt als sinkt.

Wird Bitcoin nach den US-Midterms steigen oder fallen?

Seit dem offiziellen Start von Bitcoin im Jahr 2009 fanden vier US-Zwischenwahlen statt. Im Umfeld aller vier Wahlen ist der Bitcoin-Kurs den historischen Daten zufolge um 27 % bis 72 % gefallen. Die folgende Grafik veranschaulicht diese Entwicklung.

Bitcoin-Kursentwicklung von 2009 bis 2024 im Vergleich zu den US-Midterms. Das logarithmische BTC-Chart zeigt historische Kursrückgänge von 72 %, 65 %, 52 % und 27 %.
Bitcoin und die US-Zwischenwahlen: Das Chart zeigt die historischen BTC-Kursrückgänge im Umfeld der Midterms 2010 (−72 %), 2014 (−65 %), 2018 (−52 %) und 2022 (−27 %). Die logarithmische Darstellung verdeutlicht die langfristige Kursentwicklung von Bitcoin trotz wiederkehrender Korrekturen. Quelle: Historische Daten von Coinglass

Allerdings gibt es auch positive Signale: Die Zeitspanne bis zum jeweiligen lokalen Kurstief nach den Midterms hat sich bei den vergangenen drei Wahlen immer weiter verkürzt. Im Jahr 2014 dauerte es noch 71 Tage, im Jahr 2018 nur 39 Tage und 2022 lediglich 13 Tage, bis BTC einen Boden ausbildete, von dem aus der Kurs später neue Allzeithochs erreichen konnte.

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Eine aktuelle Analyse von CoinDesk zeigt, dass Bitcoin in den zwölf Monaten nach den US-Zwischenwahlen von 2014, 2018 und 2022 eine durchschnittliche Rendite von 53,7 % erzielte. Im Jahr 2010 waren es über 1.500 %, 2014 rund 24,1 %, 2018 rund 44,9 % und 2022 sogar 92,1 %.

Balkendiagramm der Bitcoin-Renditen zwölf Monate nach den US-Midterms 2010, 2014, 2018 und 2022.
Zwölf Monate nach den Midterms gewann Bitcoin 2014/15 rund 24,1 Prozent, 2018/19 rund 44,9 Prozent und 2022/23 rund 92,1 Prozent. Der Durchschnitt ohne 2010 beträgt 53,7 Prozent. Quelle: CoinDesk, TradingView.

Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist zwar keine Garantie für die Zukunft, dennoch lässt sich bislang ein wiederkehrendes Muster erkennen. Weitere Details und wichtige Hinweise für Trader gibt es im neuen Video-Update. (Artikel geht nach dem Video weiter)

Analyst Michaël van de Poppe erklärt, dass vor allem die Angst vor der Ungewissheit das Marktgeschehen dominiert. Er empfiehlt, Geduld zu bewahren und Kursrückgänge zum Kauf zu nutzen:

“Die Angst vor den bevorstehenden US-Zwischenwahlen (Midterms) ist derzeit enorm. Besonders am Kryptomarkt macht sich diese Unsicherheit bemerkbar. Auch bei #Bitcoin sehen wir eine Korrektur, die unter anderem auf die anstehenden Wahlen zurückzuführen ist.

Auf Polymarket liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg der Demokraten aktuell bei 74 % im Senat und sogar 95 % im Repräsentantenhaus.

Allerdings dürfte dieses Szenario längst zu einem großen Teil in den Kursen eingepreist sein.

Selbst wenn die Demokraten beide Kammern gewinnen, ist nicht mit größeren politischen Umwälzungen zu rechnen. Viel wahrscheinlicher ist, dass anschließend wieder mehr Ruhe und Stabilität einkehren. Und genau das könnte sich als äußerst positiv für die Märkte erweisen.

Historisch betrachtet haben sich die Aktienmärkte in den Jahren nach den US-Zwischenwahlen regelmäßig sehr stark entwickelt.

Deshalb: Nutzt die Kursrückgänge als Kaufgelegenheiten. Akkumuliert weiter und habt Geduld.”

Wir rechnen mit hoher Volatilität, einer möglichen Korrektur bis auf 73.000 USD und einer anschließenden Seitwärtsbewegung, die bis Ende November andauern könnte. Sollte kein weiteres Black-Swan-Event eintreten, wird sich der Kryptomarkt langfristig sehr wahrscheinlich wieder erholen.