Bitcoin hat nach überraschend niedrigen US-Inflationsdaten und starken US-Makrodaten die Marke von 85.000 US-Dollar zurückerobert. Die Veröffentlichungen dämpften die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der Federal Reserve im Oktober und lösten einen Short-Squeeze aus.

Wahrscheinlichkeit für Fed-Zinserhöhung fällt

Der PCE-Kernindex ohne Lebensmittel und Energie stieg im August um 0,2 Prozent, erwartet worden waren 0,3 Prozent. Auch die Jahresraten unterschritten die Prognosen, während Revisionen die zuvor gemeldete Inflation abschwächten. The Kobeissi Letter schrieb auf X:

„Die US-PCE-Inflation für August, das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß, sinkt auf 3,4 Prozent und liegt damit unter den Erwartungen von 3,7 Prozent. Die PCE-Kerninflation sank auf 3,0 Prozent, erwartet worden waren 3,3 Prozent. Auch die Gesamt- und Kerninflation für Juli wurden jeweils um 30 Basispunkte nach unten revidiert.“

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Als Reaktion war die im CME-FedWatch-Tool ausgewiesene Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober zum Redaktionsschluss auf 47 Prozent gefallen.

Parallel zeigte die dritte Schätzung des US-Bruttoinlandsprodukts ein stärkeres Wachstum im zweiten Quartal. Die Wirtschaftsleistung nahm annualisiert um 2,2 Prozent zu, gegenüber erwarteten 1,5 Prozent. Die PCE-Kernrate aus dem Quartalsbericht lag mit 3,3 Prozent ebenfalls unter der Prognose von 3,6 Prozent.

Der ebenfalls veröffentlichte ADP-Bericht für September zeigte einen stärkeren Stellenaufbau als prognostiziert. Die Beschäftigung im US-Privatsektor nahm um 90.000 Stellen zu, gegenüber erwarteten 73.000 und einem Vormonatswert von 36.000.

Bitcoin-Anstieg: Shorts unter Druck, Spotkäufer ziehen mit

Der Bitcoin-Kurs stieg innerhalb von 40 Minuten nach Veröffentlichung der Makrodaten von rund 83.800 auf bis zu 85.600 US-Dollar, korrigierte dann aber auf bis zu 85.100 US-Dollar. Laut CoinGlass wurden am gesamten Kryptomarkt Short-Positionen in Höhe von rund 106 Millionen US-Dollar ausgelöscht, bei Bitcoin waren es rund 54 Millionen US-Dollar.

Der Analyst Furkan Yildirim schrieb via X:

„Der Sprung ist in erster Linie ein Short-Squeeze auf die Daten, begleitet von starkem Spot-Kaufdruck. Die Spot-Beteiligung ist positiv. Offen bleibt der fehlende OI-Aufbau, denn Short-Covering allein trägt einen Move selten weit.“

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Die von Yildirim beobachtete Futures-CVD war vor der Veröffentlichung leicht abwärtsgerichtet und stieg anschließend nahezu senkrecht. Das deutet in seiner Analyse auf aggressive Käufe über Market-Orders in den Perpetual-Futures hin. Auch die zuvor seitwärts verlaufende Spot-CVD zog stark an, wenngleich etwas weniger steil als am Futures-Markt.

Der Kaufdruck beschränkte sich somit laut seiner Auswertung nicht auf Derivate. Gleichzeitig fehlte beim Open Interest ein entsprechender Aufbau. Die Zahl der offenen Kontrakte war seit dem späten Vormittag leicht rückläufig und nahm auch während des Kurssprungs nicht zu. Yildirim führt die Bewegung deshalb größtenteils auf geschlossene Short-Positionen zurück. Die Nachhaltigkeit des Anstiegs bewertet Yildirim als mittel:

„Für ein Follow-through braucht es in den nächsten Stunden steigendes OI bei weiter positiv geneigter Spot-CVD. Bleibt OI flach und flacht die Spot-CVD ab, ist ein Rücklauf Richtung 84k möglich.“