Bitcoin-Wale setzen auf der Derivatebörse Hyperliquid verstärkt auf fallende Kurse. Laut aktuellen Daten von Glassnode haben sie ihre Short-Positionen weiter ausgebaut. Der Netto-Short-Überhang ist inzwischen so hoch wie zuletzt im Oktober 2025.

Damals hatte Bitcoin Anfang des Monats ein Rekordhoch von über 126.000 US-Dollar erreicht, bevor eine scharfe Korrektur einsetzte. Am 10. Oktober löste der Kursrutsch eine massive Liquidationswelle aus, bei der gehebelte Positionen im Wert von mehr als 19 Milliarden US-Dollar liquidiert wurden.

Die jüngsten Daten zeigen, dass sich die Positionierung innerhalb weniger Wochen deutlich verändert hat. Noch im September dominierten bei Bitcoin-Walen Long-Positionen. Ende Oktober kippte die Stimmung erstmals seit März wieder auf die Short-Seite. Seitdem haben die Trader ihre Short-Positionen weiter ausgebaut.

Glassnode-Daten zeigen deutlichen Richtungswechsel bei Bitcoin-Walen

Die aktuelle Glassnode-Auswertung zeigt einen deutlichen Stimmungswechsel unter großen Bitcoin-Investoren auf Hyperliquid. Während die beobachteten Marktteilnehmer im Sommer zeitweise mit mehr als 2.000 BTC netto auf steigende Kurse setzten, überwiegen inzwischen ihre Short-Positionen.

Tipp der Redaktion: Krypto-Kritikerin Warren vor Machtübernahme: Gefahr für Bitcoin & CLARITY Act?

Die Daten basieren auf der Differenz zwischen Long- und Short-Positionen, gemessen als gleitender 24-Stunden-Durchschnitt.

Glassnode-Chart zeigt steigende Bitcoin-Short-Positionen großer Investoren auf Hyperliquid im November 2026, höchster Überhang seit Oktober 2025.
Bitcoin-Wale auf Hyperliquid bauen ihre Short-Positionen weiter aus. Laut Glassnode ist der Netto-Short-Überhang so hoch wie zuletzt im Oktober 2025. Quelle: Glassnode.

Wie ausgeprägt die Short-Positionierung mittlerweile ist, zeigen zusätzliche Daten von WhaleRadar. Am 7. November hielten die dort erfassten Bitcoin-Wale Short-Positionen im Wert von rund 1,04 Milliarden US-Dollar.

Dem standen Long-Positionen von lediglich 603 Millionen US-Dollar gegenüber. Damit entfielen rund 63 Prozent des beobachteten Positionsvolumens auf Wetten gegen Bitcoin. Der Netto-Short-Überhang belief sich auf etwa 437 Millionen US-Dollar.

Auch das gesamte Volumen der offenen Bitcoin-Derivatepositionen ist beträchtlich. Das sogenannte Open Interest auf Hyperliquid lag am 7. November bei rund 3,12 Milliarden US-Dollar. Die von WhaleRadar erfassten Großinvestoren hielten davon etwa 53 Prozent.

Bereits am 27. Oktober hatte Glassnode auf den Richtungswechsel der Bitcoin-Wale hingewiesen. Zuvor hatten dieselben Marktteilnehmer in der Nähe eines lokalen Kurstiefs verstärkt Long-Positionen aufgebaut.

Inzwischen setzen sie deutlich stärker auf fallende Kurse. Parallel dazu geriet Bitcoin zunehmend unter Druck. Ende Oktober fiel der Kurs bereits unter 80.000 US-Dollar. Dabei waren auch gehebelte Positionen in erheblichem Umfang von Liquidationen bedroht.

Allerdings unterscheiden sich die Erfassungsmethoden von Glassnode und WhaleRadar, weshalb ihre Zahlen nicht unmittelbar vergleichbar sind. Zudem müssen Short-Positionen nicht zwangsläufig auf weitere Kursverluste hindeuten. Großinvestoren nutzen solche Geschäfte auch, um bestehende Bitcoin-Bestände gegen fallende Preise abzusichern.

Bitcoin: Short-Liquidationen bei 87.000 Dollar könnten Kursanstieg beschleunigen

Die wachsenden Short-Positionen erhöhen zugleich das Risiko eines sogenannten Short Squeeze. Steigt Bitcoin entgegen den Erwartungen der Verkäufer, müssen Händler mit stark gehebelten Positionen ihre Wetten möglicherweise unter Verlust schließen. Diese erzwungenen Rückkäufe können den Kursanstieg zusätzlich beschleunigen.

Laut dem Glassnode-Bericht vom 4. November haben sich die potenziellen Short-Liquidationen oberhalb des damaligen Bitcoin-Kurses von rund 78.600 US-Dollar innerhalb einer Woche weiter aufgebaut, obwohl BTC im selben Zeitraum etwa 3,5 Prozent verlor.

Besonders viele potenzielle Short-Liquidationen konzentrierten sich bei rund 87.000 US-Dollar. Sollte Bitcoin diese Marke erreichen, könnten erzwungene Rückkäufe von Short-Positionen den Kursanstieg zusätzlich verstärken.

Auch auf der Unterseite identifizierte Glassnode größere Liquidationscluster. Zwischen 73.000 und 76.000 US-Dollar konzentrierten sich gehebelte Long-Positionen, deren Liquidation bei weiteren Kursverlusten zusätzlichen Verkaufsdruck auslösen könnte.

Ein weiterer größerer Cluster befand sich zwischen 60.000 und 63.000 US-Dollar. Bereits Ende Oktober hatten Marktbeobachter vor einer möglichen Liquidationskaskade bei einem nachhaltigen Rückgang unter 80.000 US-Dollar gewarnt.

Glassnode-Heatmap zeigt Bitcoin-Liquidationszonen bei rund 87.000 und 62.000 US-Dollar sowie weitere Long-Liquidationen zwischen 73.000 und 76.000 US-Dollar.
Die Bitcoin-Liquidations-Heatmap von Glassnode zeigt größere Konzentrationen potenzieller Short-Liquidationen bei 87.000 US-Dollar und Long-Liquidationen bei rund 62.000 US-Dollar. Helle Bereiche markieren ein erhöhtes Liquidationsvolumen. Quelle: Glassnode.

Zusätzlich belastet die schwache Nachfrage nach US-Spot-Bitcoin-ETFs das Marktumfeld. Laut Glassnode verzeichneten die Fonds in den zwei Wochen bis zum 2. November Nettoabflüsse von knapp einer Milliarde US-Dollar. Allein am 2. November zogen Anleger rund 640 Millionen US-Dollar ab.

Gleichzeitig lag die durchschnittliche Kostenbasis kurzfristiger Bitcoin-Halter bei rund 75.700 US-Dollar. Diese Kennzahl beschreibt den durchschnittlichen Einstandspreis der Anleger, die ihre Bitcoin innerhalb der vergangenen 155 Tage erworben haben.

Tipp der Redaktion: Strategy will Bitcoin-Bank für acht Milliarden Menschen aufbauen mit zwölf Prozent Renditeanlagen

Am 4. November befanden sich laut Glassnode nur noch rund 38 Prozent der von dieser Anlegergruppe gehaltenen Bitcoin im Gewinn. Anfang Oktober waren es noch mindestens 97,5 Prozent gewesen. Ob sich die Entwicklung vom Oktober 2025 wiederholt, bleibt offen.

Marcel erklärt im neuesten Video-Update, wo es in Deutschland gerade brennt: