Eine Gruppe von Ethereum-Entwicklern um Justin Drake hat einen Vorschlag zur Begrenzung der ETH-Emissionen vorgelegt. EIP-8363 würde die Staking-Rendite bei wachsender Beteiligung schrittweise reduzieren und den Nettoertrag bei rund 50 Prozent gestakten ETH vollständig auf null setzen.

EIP-8363 soll Ethereum-Staking-Belohnung bei 50 Prozent abschalten

Der Vorschlag mit dem Namen „Tapered Issuance Burn“ stammt von einem sechsköpfigen Autorenteam: Pintail, Jérôme de Tychey, Lion – auch bekannt als Dapplion und Ethereum-Core-Entwickler –, Pa7x1, Ladislaus von Daniels sowie Justin Drake. Laut EIP-8361 würde Validatoren mit zunehmender Staking-Quote ein wachsender Anteil ihrer Belohnungen abgezogen und verbrannt.

Sobald insgesamt 60,25 Millionen ETH gestakt sind – etwa die Hälfte des ETH-Angebots, –würden die neu ausgegebenen Konsens-Belohnungen vollständig verbrannt. Die gestakten ETH selbst wären davon nicht betroffen; nur die Netto-Belohnungen würden für Validatoren auf null sinken. Priority Fees und MEV blieben erhalten, weshalb die gesamte Staking-Rendite nicht vollständig auf null fallen würde.

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Die Autoren betrachten die 60,25-Millionen-ETH-Marke nicht als Ziel. Der Markt soll sich bereits darunter einpendeln. Die 50-Prozent-Marke ist nach Ansicht der Autoren lediglich eine Obergrenze. Sie erwarten, dass das Staking-Wachstum bereits vorher stoppt, weil die sinkende Rendite irgendwann nicht mehr ausreicht, um zusätzliche Staker anzuziehen.

Bei der heutigen Staking-Quote von rund 33 Prozent würde der Ertrag aus der Konsensschicht nach Abschluss der Übergangsphase von etwa 2,6 auf rund 1,2 Prozent sinken. Eine 18-monatige Anpassung soll einen abrupten Einbruch verhindern.

Aave-Gründer warnt vor Schaden für ETH

Aave-Gründer Stani Kulechov hält die Rendite dadurch für kaum noch kalkulierbar. Er befürchtet, dass institutionelle Anleger andere Netzwerke mit besser vorhersehbaren und höheren Renditen bevorzugen könnten:

„Die Staking-Rendite von Ethereum würde dadurch unvorhersehbar und für viele sogar vollständig unwirtschaftlich. Das wäre ein negativer Faktor für jeden institutionellen Käufer, der eine ETH-Position anstelle eines Engagements in anderen Netzwerken mit vorhersehbaren Cashflows erwägt. Diese Unsicherheit ist mit erheblichen Kosten für die Akzeptanz verbunden.“

Für DeFi sieht Kulechov ein zusätzliches Problem: Sinkt der Carry gegen null, verlieren kreditfinanzierte Staking- und Looping-Strategien ihre Grundlage. Im Extremfall bliebe als wesentlicher Grund für die Aufnahme eines ETH-Kredits nur noch eine Short-Position.

Ether.fi-Gründer kritisiert Verfahren

Ether.fi-Gründer Mike Silagadze bemängelt neben der ökonomischen Wirkung den Zeitplan. Der EIP wurde mit einer Frist von 48 Stunden für Kommentare veröffentlicht, während er wahrscheinlich in etwa vier Monaten mit dem Hegotá-Upgrade live gehen könnte.

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Eine derart große Änderung benötigt laut Silagadze mehr Zeit. Wichtig zu wissen ist, dass der Entwurf zwar vor der Einreichungsfrist für Hegotá vorgelegt wurde, aber weder angenommen noch für den Hard Fork bestätigt ist. Silagadze erklärte weiter:

„Dies wird ganz offensichtlich Solo-Staker verdrängen, die nicht von der Ethereum Foundation oder anderen subventioniert werden. Es würde praktisch garantieren, dass am Ende nur große zentralisierte Akteure mit Kapitalkosten von null staken, bei denen Nutzer ihre ETH passiv halten. Warum?“

Silagadze erwartet zudem Kapitalabflüsse bei sieben der zehn größten DeFi-Protokolle. Er argumentiert, die niedrigere Emission werde den ETH-Kurs nicht positiv beeinflussen. Eher das Gegenteil könnte der Fall sein, wenn bislang gestakte ETH auf dem Markt frei verkäuflich werden.

Zum Redaktionszeitpunkt handelt ETH bei 1.868 US-Dollar und liegt rund 2,3 Prozent über die letzten sieben Tage im Minus.