Cardano-Gründer Charles Hoskinson schließt nicht aus, dass das Datenschutznetzwerk Midnight (NIGHT) die etablierte Blockchain Cardano (ADA) eines Tages bei der Marktkapitalisierung überholen könnte.
In einem knapp dreistündigen Livestream erläuterte er seine Einschätzung vor dem Hintergrund des technologischen Wandels innerhalb der Kryptobranche und der zunehmenden Nachfrage nach Datenschutzlösungen, die zugleich regulatorischen Anforderungen gerecht werden müssen.
Auf die Frage, ob Midnight langfristig eine höhere Marktkapitalisierung als Cardano erreichen könne, antwortete Hoskinson unmissverständlich:
„Absolut. Wir stehen am Beginn einer neuen Generation. Manchmal behaupten sich die älteren Generationen und bleiben ausgesprochen relevant, wie etwa Bitcoin. Es handelt sich um eine Technologie der ersten Generation, die nach wie vor auf Platz eins der Marktkapitalisierung steht. Andere Kryptowährungen der ersten und zweiten Generation haben dagegen erheblich an Bedeutung verloren. Deshalb lässt sich nur schwer vorhersagen, wie sich die Marktverhältnisse künftig entwickeln werden.“
Eine konkrete Kursprognose wollte Hoskinson daraus allerdings nicht ableiten. Entscheidend sei vielmehr, ob sich die nächste Generation von Blockchain-Technologien am Markt durchsetzen könne.
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Technologischer Fortschritt allein garantiere dabei keinen Führungswechsel. Bitcoin habe gezeigt, dass auch ältere Netzwerke ihre dominante Marktstellung über mehrere Innovationszyklen hinweg behaupten können.
Noch liegen Midnight und Cardano bei der Marktkapitalisierung weit auseinander. Cardano erreicht zum Redaktionszeitpunkt rund 6,8 Milliarden US-Dollar, während Midnight auf knapp 670 Millionen US-Dollar kommt. Bei einer unveränderten Bewertung von ADA müsste sich die Marktkapitalisierung von NIGHT damit ungefähr verzehnfachen, um zu Cardano aufzuschließen.
Das wirtschaftliche Potenzial von Midnight sieht Hoskinson insbesondere dort, wo öffentliche Blockchains bislang an praktische Grenzen stoßen: bei der vertraulichen Verarbeitung sensibler Daten und der Einhaltung regulatorischer Vorgaben.
Dahinter steht nach seiner Einschätzung ein grundlegender Strukturwandel der Branche, bei dem die Grenzen zwischen traditionellen Finanzdienstleistungen und dezentralen Anwendungen zunehmend verschwimmen könnten.
„Die vierte Generation ist die Verschmelzung des traditionellen Finanzsystems mit DeFi und die Entstehung von Web 2.5. Es geht um die Integration künstlicher Intelligenz in Kryptowährungen, die Einbindung digitaler Identitäten und darum, technische Grenzen für Nutzer weitgehend unsichtbar zu machen. Irgendwann hat man keine Bitcoin- oder Ethereum-Wallet mehr. Man hat einfach eine digitale Identität, und alles funktioniert über die verschiedenen Netzwerke hinweg.“
Die Verbindung aus Datenschutz, digitaler Identität und überprüfbarer Compliance könnte Midnight nach Hoskinsons Einschätzung Geschäftsfelder erschließen, die für institutionelle Marktteilnehmer bislang nur eingeschränkt zugänglich sind. Dazu zählt neben regulierten Finanzanwendungen auch der Einsatz bei Regierungen und Behörden.
Ledger 9 ist live: Midnight plant private Finanzgeschäfte und NIGHT-Staking
Die technische Grundlage für die weitere Entwicklung bildet die aktualisierte Midnight-Roadmap. Sie umfasst sieben Entwicklungsbereiche und definiert konkrete Meilensteine für das vierte Quartal 2026 sowie die ersten drei Monate des kommenden Jahres. Im Mittelpunkt stehen der Ausbau vertraulicher Finanzanwendungen, die Integration institutioneller Marktteilnehmer und die schrittweise Dezentralisierung des Netzwerks.
Ein wichtiger technischer Schritt erfolgte bereits am 6. November. Mit dem Upgrade auf Ledger 9 wurden auf dem Midnight-Mainnet unter anderem direkte Aufrufe zwischen Smart Contracts, zusätzliche Signaturverfahren und erweiterte Funktionen zur Verarbeitung von Ereignisdaten eingeführt. Die neuen Vertragsaufrufe und Ereignisfunktionen beschränken sich zunächst auf nicht abgeschirmte Daten.
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Hoskinson verwies im Livestream ausdrücklich auf das Entwicklungstempo und die aus seiner Sicht zunehmende Nachfrage nach Midnight:
„Midnight gewinnt derzeit erheblich an Zugkraft und wächst mit großen Schritten, sogar entgegen dem allgemeinen Markttrend. Der Grund ist, dass die Menschen genau das wollen, was wir anbieten: Datenschutz und regulatorische Konformität. Wir haben gerade den Hard Fork auf Ledger 9 abgeschlossen. Das gesamte Ökosystem entwickelt sich deutlich schneller als andere Netzwerke und nähert sich zunehmend dem Punkt, an dem es zu den drei bis fünf wichtigsten Datenschutz-Ökosystemen gehören könnte.“
Für das laufende Quartal sieht die Roadmap unter anderem private Token-Verträge, technische Vorlagen für tokenisierte Bankeinlagen sowie vertrauliche Kredit- und Tauschgeschäfte vor. Damit richtet sich Midnight zunehmend an Banken und Finanzdienstleister, die digitale Vermögenswerte auf einer Blockchain abbilden wollen, ohne sämtliche Geschäfts- und Transaktionsdaten öffentlich offenzulegen.
Wie weit diese Pläne bereits gediehen sind, verdeutlichte Hoskinson am Beispiel der britischen Monument Bank. Die Gespräche über eine Integration tokenisierter Bankeinlagen seien nach seiner Darstellung weit fortgeschritten.
„Wir sind bei den Gesprächen darüber, wie wir diese tokenisierten Einlagen auf Midnight bringen können, schon sehr weit. Ich arbeite gerade selbst an einem neuen Konzept, dessen Dokumentation inzwischen fast tausend Seiten umfasst. Ich glaube, dass Monument dieses Konzept intensiv nutzen könnte, weil es speziell für solche regulierten Transaktionen entwickelt wird.“
Eine verbindliche Ankündigung zur technischen Umsetzung machte Hoskinson allerdings nicht. Entsprechende Mitteilungen überlasse er grundsätzlich der Midnight Foundation.
Im ersten Quartal 2027 soll die Infrastruktur weiter ausgebaut werden. Vorgesehen sind zusätzliche Funktionen für tokenisierte reale Vermögenswerte, institutionelle Schlüsselverwaltung und vertrauliche Sicherheiten.
Diese sollen insbesondere Finanzgeschäfte ermöglichen, bei denen sensible Informationen geschützt bleiben, während berechtigte Stellen die Einhaltung regulatorischer Vorgaben überprüfen können.
Parallel arbeitet Midnight an der Dezentralisierung seiner Netzwerkinfrastruktur. NIGHT-Inhaber sollen künftig ihre Token delegieren und Staking-Erträge erhalten können. Zudem ist geplant, Cardano-Stake-Pool-Betreiber schrittweise an der Blockproduktion zu beteiligen und den Übergang zum BABE-Konsensmechanismus vorzubereiten.
Hoskinson betrachtet die Entwicklung von Midnight dabei nicht als Konkurrenz zu Cardano, sondern als Möglichkeit, dessen wirtschaftliche Reichweite zu vergrößern.
Entscheidend ist, dass auf der bestehenden Infrastruktur Anwendungen entstehen, die tatsächlich Nutzer und Kapital anziehen:
„Cardano braucht einen Gewinner. Es braucht ein erfolgreiches Projekt, das auf Cardano aufbaut, auf einen Wert von mehreren Milliarden Dollar wächst und viele neue Menschen in das Ökosystem bringt. Cardano ist eine Plattform, und ihr Erfolg hängt letztlich von ihren Fähigkeiten ab. Diese Fähigkeiten zeigen sich am deutlichsten an den Projekten, die darauf aufgebaut werden.“
Nach Hoskinsons Vorstellung soll Midnight damit nicht nur ein eigenständiges Datenschutznetzwerk etablieren, sondern zugleich neue Nachfrage nach der Infrastruktur von Cardano schaffen.
Wie stark sich diese Verbindung langfristig auf die Nutzung und wirtschaftliche Bewertung beider Netzwerke auswirkt, bleibt allerdings offen.
Hoskinson nennt 2028 als Frist für Nightstream
Über die veröffentlichte Roadmap hinaus setzte Hoskinson im Livestream eine zeitliche Vorgabe für Nightstream. Das Projekt entwickelt Zero-Knowledge-Beweisverfahren, die gegen künftige Quantenangriffe widerstandsfähig sein sollen:
„Nightstream muss 2028 auf dem Markt sein. Punkt. Wenn wir Nightstream 2028 nicht auf den Markt bringen können, ist es nicht real.“
Die Aussage ist eine Zielvorgabe, kein bestätigter Veröffentlichungstermin. Die offizielle Roadmap sieht zunächst Optimierungen bei der Berechnungszeit und Größe entsprechender kryptografischer Nachweise vor.
Das ebenfalls geplante Starstream könnte nach Hoskinsons Einschätzung früher erscheinen. Die Technologie soll eine gemeinsame Ausführungsumgebung für Anwendungen schaffen, deren Logik auf unterschiedlichen Blockchains eingesetzt werden kann.
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Damit verbindet Hoskinson auch sein Konzept der sogenannten Nightframes, bei denen private, dauerhaft arbeitende Programme und KI-Agenten eine Rolle spielen sollen.
Für Endnutzer ist außerdem Midnight Passport vorgesehen. Die erste Version soll die Kontoerstellung ohne herkömmliche Seed-Phrase ermöglichen. Eine zweite Version mit dezentralen Identitäten und überprüfbaren Berechtigungsnachweisen ist für Anfang 2027 geplant.
Zu den wirtschaftlichen Folgen eines möglichen Midnight-Erfolgs erklärt Hoskinson:
„Wenn Midnight wächst, glaube ich, dass Cardano erheblich mitwachsen wird, weil Midnight eine Menge neuer Menschen zu Cardano bringt. Ich sehe keine Realität, in der Midnight wächst, während Cardano stagniert.“
Midnight ist dabei keine gewöhnliche Cardano-Anwendung, sondern eine eigenständige Partner-Blockchain mit eigenem Ledger. NIGHT wurde als Cardano Native Asset ausgegeben. Der Zusammenhang zwischen beiden Netzwerken ist daher enger als bei vollständig unabhängigen Projekten. Eine automatische Wertübertragung auf ADA ergibt sich daraus allerdings nicht.
Hoskinson hatte bereits zuvor erklärt, dass Midnight langfristig größer als Zcash werden könnte. Die neue Einschätzung erweitert diesen Vergleich nun auf Cardano selbst.
Weitere Einzelheiten zu den technischen Meilensteinen enthält unsere frühere Berichterstattung über die Midnight-Roadmap bis 2027.
Für Cardano bleibt zudem das Skalierungsupgrade Leios relevant, dessen Aktivierung auf dem Mainnet weiterhin von technischen Prüfungen und Governance-Entscheidungen abhängt.
Du kannst dir den vollständigen Livestream hier ansehen:












