• Ripple-Managerin Jasmine Cooper wirbt für das XRPL Lending Protokoll als fehlende Kreditschicht für institutionelle Onchain-Märkte.
  • Die beiden Amendments XLS-65 und XLS-66 sind noch nicht aktiv und stehen weiter im Validator-Voting mit geringer Zustimmung.

In einem neuen Blogbeitrag vom 29. Juni hat Ripple-Managerin Jasmine Cooper das XRP Ledger (XRPL) Lending Protokoll erneut in den Fokus gerückt und dessen Vorteile für Institutionen hervorgehoben. Der Beitrag scheint ein neuer Versuch zu sein, unter Validatoren für die Änderungen zu werben und Zustimmung zu erhalten.

Wie die Ripple-Managerin erklärte, ist das Protokoll darauf ausgerichtet, eine bislang fehlende Kreditschicht für institutionelle Onchain-Märkte zu schaffen. Cooper sieht darin die nächste entscheidende Phase nach der Tokenisierung.

„Ein Asset onchain zu bewegen, ist nur die halbe Aufgabe. Reale Finanzmärkte hängen davon ab, was danach passiert: gegen Assets zu leihen, sie als Sicherheiten einzusetzen und Liquidität zu erhalten, ohne verkaufen zu müssen.“

Der zentrale Designpunkt des Protokolls ist die Trennung von Kreditprüfung und Ausführung. Kreditentscheidungen sollen nicht durch Smart Contracts ersetzt werden. Sie verbleiben bei Institutionen. Das XRPL Lending Protokoll soll dagegen standardisieren, was nach der Einigung über Kreditbedingungen passiert.

„Beim Aufbau des Protokolls haben wir uns bewusst dafür entschieden, die Kreditbeurteilung offchain zu halten und die Ausführung onchain zu standardisieren. Das ist das zentrale Designprinzip.“

Technisch basiert das Modell auf zwei Komponenten. Der Single Asset Vault (XLS-65) bündelt und verwaltet ein einzelnes Asset onchain. Das Lending Protokoll (XLS-66) nutzt diese gepoolte Liquidität anschließend für Kredite mit definierten Laufzeiten, Zinslogik, Servicing und Rückzahlungsmechanik.

Laut Cooper unterscheidet sich Ripples Ansatz grundlegend von den Konkurrenten am Onchain-Lending-Markt. Diese haben oft eigene Modelle, Governance-Strukturen und Liquidationslogiken pro Anwendung geschaffen. Für Institutionen bedeute das fragmentierte Liquidität und Kreditrisiken, die immer wieder neu geprüft werden müssten.

„Eine Blockchain sollte keine Kreditteams, keine rechtliche Dokumentation und keine institutionellen Compliance-Rahmenwerke ersetzen. Diese Dinge gehören offchain, wo die dafür notwendige Beurteilung tatsächlich angewendet werden kann. Was das Protokoll leisten kann, ist die Standardisierung dessen, was nach einer Kreditentscheidung geschieht.“

Das gesamte Design ist auf Institutionen mit entsprechenden Kontrollmechanismen ausgerichtet. Aave, Compound, Maple und Clearpool hätten gezeigt, dass Onchain-Lending skalieren kann. Ripple geht nun seinen eigenen Weg mit mehr Kontrolle, begrenzt aber Liquidität und Netzwerkeffekte.

XRPL soll beides verbinden: öffentliche Infrastruktur und standardisierte Kreditabwicklung mit Berechtigungssystem über Credentials, wenn diese erforderlich sind. Insgesamt soll das Lending Protokoll für mehr Produktivität sorgen: für Zahlungsanbieter, Market Maker und Kreditgeber, die strukturierte Produkte auf gemeinsamer Infrastruktur aufbauen wollen.

„Kapitalmärkte werden nicht allein durch Asset-Eigentum definiert. Sie hängen von Finanzierung, Besicherung, Liquiditätsmanagement und der Fähigkeit ab, Kapital effizient durch ein System zu bewegen.“

Genau diese Ebene will XRPL mit XLS-65 und XLS-66 adressieren. Wichtig zu wissen ist: Die beiden Amendments sind laut XRPScan noch nicht aktiv. XLS-65 und XLS-66 wurden mit rippled v3.1.0 Ende Januar 2026 in den Validator-Prozess gebracht und stehen weiterhin auf „Open for Voting“.

Zuletzt lag XLS-65 bei rund 22,8 Prozent Zustimmung (8/35 Ja-Stimmen), während XLS-66 bei 20 Prozent (7/35 Ja-Stimmen) stand. Für eine Aktivierung müssten die Amendments die Schwelle von 28 Ja-Stimmen erreichen und diese Unterstützung anschließend zwei Wochen lang halten.

Zuletzt hatte Ripple-Chef Brad Garlinghouse Strategy (MSTR) für sein Finanzierungsmodell scharf kritisiert. Indes haben tokenisierte Assets auf dem XRP Ledger ein rasantes Wachstum von 2.200% erlebt.