Bill Miller IV zeigt sich für Bitcoin so optimistisch wie noch nie zuvor. Miller ist Chairman und CIO von Miller Value Partners und macht für seine Aussage allerdings nicht die jüngste Kursentwicklung verantwortlich, sondern ein aus seiner Sicht zunehmend fragiles fiskalisches Umfeld.

In einem neuen Gespräch mit dem amerikanischen Bitcoin Magazine führt Miller aus:

„Ich war in meinem Leben noch nie bullischer.“

Seine Grundthese habe sich in den vergangenen Jahren bis heute kaum verändert:

„Wir haben weltweit Systeme zur Steuerung und Verwaltung von Kapital, in denen Akteure nicht immer ausreichend rechenschaftspflichtig sind und in denen die Prozesse zur Erfassung von Kapital Schwächen haben. Seit 16 oder 17 Jahren gibt es nun eine Technologie, die Kapital aus meiner Sicht besser abbilden kann als die Systeme, die wir historisch kennen.“

Bitcoin als Maßstab für Kapital

Miller betrachtet Bitcoin nicht als klassischen Vermögenswert. Für ihn ist BTC vielmehr ein alternativer monetärer Maßstab:

„Die meisten Menschen fragen sich: Was für ein Asset ist Bitcoin eigentlich? Ich halte das für die falsche Perspektive. Bitcoin ist nicht der Zähler, sondern der Nenner. Es geht darum, woran wir Kapital überhaupt messen.“

Laut Miller ist hierbei vor allem die Verlässlichkeit des Systems entscheidend: Staaten können ihre Geldmengen ausweiten oder regulatorische Vorgaben anpassen, Bitcoin hingegen folgt einem langfristig festgelegten und genau definierten Regelwerk und Zyklus.

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Gerade die Berechenbarkeit seiner grundlegenden monetären Regeln gilt als eine der zentralen Stärken des Bitcoin-Protokolls. Miller sieht darin auch den Kern seiner Bewertung:

„Die Marktkapitalisierung von Bitcoin hat sich im Vergleich zu früheren Phasen gar nicht so stark verändert. Gleichzeitig hat sich die fundamentale Lage weltweit deutlich verschlechtert. Aus meiner Sicht bedeutet das, dass die Spanne zwischen dem fairen Wert und dem aktuellen Wert heute größer ist als damals.“

Besonderes Augenmerk legt Miller in diesem Zusammenhang auf das US-Haushaltsdefizit. Die jährliche Neuverschuldung der Vereinigten Staaten bewegt sich inzwischen in einer Größenordnung, die mit der gesamten Bitcoin-Marktkapitalisierung vergleichbar ist:

„Wenn man darüber nachdenkt, sprechen wir beim US-Dollar über die globale Reservewährung. Die gesamte Marktkapitalisierung von Bitcoin entspricht inzwischen ungefähr dem, was innerhalb eines Jahres an zusätzlichen Einheiten dieser Reservewährung finanziert, geschaffen oder aufgenommen werden muss. Welchen Bewertungsfaktor man darauf anlegt, darüber kann man diskutieren. Aber aus meiner Sicht liegt der faire Wert von Bitcoin deutlich höher.“

Gold vor Bitcoin: Die verzögerte Wahrnehmung der Anleger

Dass Gold Bitcoin über die vergangenen zwölf Monate outperformt hat, wertet Miller nicht als Widerspruch zu seiner These. Er verweist vielmehr auf einen sogenannten „Narrative Lag“.

Gemeint ist damit, dass sich veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und neue Anlageargumente oft schneller entwickeln als die Wahrnehmung institutioneller und privater Investoren.

Während Gold als etablierter Wertspeicher bereits fest im Denken vieler Anleger verankert ist, benötigt Bitcoin mehr Zeit, um in vergleichbarer Weise eingeordnet und akzeptiert zu werden:

„Über die vergangenen zwölf Monate hat Gold besser abgeschnitten als Bitcoin. Gut. Aber man muss den Zeitraum weiter fassen und sich fragen, warum man überhaupt investiert. Für mich geht es darum, langfristig Kapital aufzubauen. Wenn das Ziel darin besteht, morgen oder übermorgen Geld zu verdienen, kann ich Ihnen nicht sagen, was Sie kaufen sollen.“

Auch gegenüber der Federal Reserve positioniert sich Miller deutlich differenzierter als viele andere prominente Bitcoin-Befürworter:

„Ich bin überhaupt kein ‚End the Fed‘-Typ. Die Fed steht vor enorm schwierigen Aufgaben. Die großen Haushaltsdefizite liegen nicht in ihrer Kontrolle. Sie kann letztlich nur auf die Bedingungen reagieren, die ihr vorgegeben werden.“

Der langfristige Investment-Case bleibt für Miller deshalb vor allem eine Frage des Systems:

„Mich stimmt am meisten optimistisch, dass es heute einen Nenner für Kapital gibt, für den sich jeder freiwillig entscheiden kann und dessen Regeln nicht von einer lokalen politischen Autorität abhängen. Das ist eine Idee, deren Bedeutung wir meiner Ansicht nach noch immer nicht vollständig erfasst haben.“

Miller ist einer von vielen vermögenden Investoren, die sich deutlich positiv zu Bitcoin äußern. Ob BTC seinem Ruf als neues „digitales Gold“ langfristig gerecht werden kann, bleibt zunächst abzuwarten.

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In den letzten 24 Stunden verzeichnet der Bitcoin-Kurs ein Plus von 5,10 % auf einen Preis von 81.256,27 USD.