Strategy-Chairman Michael Saylor fordert die Unterstützer von BIP-110 auf, den umstrittenen Bitcoin-Soft-Fork aufzugeben. Die freiwillige Aktivierung ist wegen der geringen Unterstützung der Miner nicht mehr möglich. Abgesagt wurde BIP-110 jedoch nicht. Genau deshalb besteht weiterhin die Gefahr eines Forks.

Bitcoin Miner-Unterstützung reicht nicht aus

Miner können ihre Bereitschaft für BIP-110 anzeigen, indem sie ein bestimmtes Signal in den von ihnen erzeugten Blöcken setzen. Der Live-Monitor verzeichnete zuletzt bei Block 961.117 nur 40 solcher Signale in 1.502 Blöcken. Das entspricht einer Quote von 2,66 Prozent.

Tipp der Redaktion: Italienische Bank verkauft Bitcoin und setzt auf Ethereum-Staking

Für eine freiwillige Aktivierung wären gemäß der BIP-Spezifikation mindestens 1.109 der insgesamt 2.016 Blöcke erforderlich, was einer Zustimmung von 55 Prozent entspricht. Da jedoch nur noch 514 Blöcke ausstehen, kann diese Schwelle selbst dann nicht mehr erreicht werden, wenn alle verbleibenden Miner ihre Unterstützung signalisieren.

Saylor schrieb deshalb am 4. August auf X:

„Bei Block 961.022 verzeichnet BIP-110 insgesamt 38 Signale beziehungsweise 2,70 Prozent. Die freiwillige Schwelle von 55 Prozent ist nicht mehr erreichbar. Sofern die großen Miner ihren Kurs nicht ändern, läuft Bitcoin normal weiter, während BIP-110 stecken bleibt oder als bedeutungsloser Fork endet; seine Unterstützer sollten den Vorstoß aufgeben.“

Das Scheitern an der 55-Prozent-Hürde beendet den Vorschlag jedoch nicht automatisch. BIP-110 enthält einen zweiten Aktivierungsweg, der ohne vorherige Mehrheit der Miner möglich ist.

Ab Block 961.632, der voraussichtlich um den 8. August erreicht wird, sollen Netzwerkknoten mit BIP-110-Software alle Blöcke ablehnen, die das vorgesehene Signal nicht enthalten. Der pseudonyme BIP-110-Autor Dathon Ohm stellte deshalb in den Kommentaren auf X klar:

„Die verpflichtende Signalisierung für BIP-110 beginnt bei Blockhöhe 961.632. BIP-110 wurde nicht abgesagt.“

Die eigentlichen Beschränkungen von BIP-110 für Bitcoin-Transaktionen treten zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Kraft. Nach dem Zeitplan werden sie auf einer weiterlaufenden BIP-110-Kette erst bei Block 965.664 (ungefähr am 5. oder 6. September 2026) aktiviert.

Bitcoin läuft voraussichtlich normal weiter

Ab Block 961.632 dürfte die große Mehrheit der Miner Bitcoin wie bisher fortführen. Ihre Blöcke bleiben für das normale Bitcoin-Netzwerk gültig, auch wenn sie BIP-110 nicht unterstützen. Für die bestehende Bitcoin-Blockchain ändert sich daher voraussichtlich nichts.

Lesetipp: CryptoQuant: Bitcoin erreicht historisch günstige Kaufzone und mögliche Bodenbildung

Anders sieht es für Teilnehmer mit BIP-110-Software aus: Ihre Rechner akzeptieren ab diesem Zeitpunkt nur noch Blöcke, die BIP-110 unterstützen.

Da fast alle Miner voraussichtlich auf der normalen Bitcoin-Chain bleiben, verlieren diese Teilnehmer den Anschluss. Ihre Version der Blockchain bleibt dann entweder stehen oder wird von wenigen Minern als separate, deutlich kleinere Bitcoin-Chain weitergeführt. Es kommt zum Fork.

BIP-110 will die Speicherung größerer Datenmengen auf Bitcoin für rund ein Jahr einschränken. Unter anderem sollen gewöhnliche Transaktionsausgaben auf 34 Byte, OP_RETURN-Ausgaben auf 83 Byte und bestimmte Datenelemente auf 256 Byte begrenzt werden.

Befürworter wollen damit Inscriptions und andere nichtmonetäre Anwendungen wie NFTs (Ordinals) zurückdrängen. Saylor hält einen Eingriff in die Konsensregeln dagegen für zu riskant.