Binance geht rechtlich gegen einen früheren Mitarbeiter vor. Der Vorwurf: Er soll den Memecoin ASTEROID über eine Wallet gestartet haben, auf die er nach seinem Ausscheiden keinen Zugriff mehr hätte haben dürfen.

Tutorial-Wallet wurde nach dem Ausscheiden weitergenutzt

Die Adresse war nach Angaben des Netzwerks ursprünglich für ein Video-Tutorial angelegt worden. Darin wurde demonstriert, wie sich ein Token auf der BNB Chain erstellen lässt. Der damalige Mitarbeiter soll jedoch auch nach dem Ende seines Arbeitsverhältnisses Zugriff auf die zugehörige Seed-Phrase behalten haben.

Mit einer Seed-Phrase lassen sich neue private Schlüssel erzeugen und Wallets kontrollieren. Anders als ein gewöhnliches Firmenpasswort kann sie nicht zentral zurückgesetzt oder gesperrt werden. Wer eine Kopie besitzt, behält technisch den Zugang, solange die betreffende Adresse weiterverwendet wird.

BNB Chain erklärte auf X, weder an der Erstellung noch an der Vermarktung von ASTEROID beteiligt gewesen zu sein. Das Netzwerk habe den Token nicht autorisiert und kontrolliere auch die verwendete Wallet nicht. Zugleich teilte das Unternehmen mit, es arbeite mit zuständigen Behörden zusammen. Einzelheiten zum Verfahren, zur betroffenen Person oder zur Gerichtsbarkeit wurden nicht genannt.

Changpeng „CZ“ Zhao, Mitgründer und früherer Chef von Binance, griff den Fall auf X auf. Er bezeichnete den ehemaligen Mitarbeiter als Scammer und riet Nutzern mit den Worten zur Vorsicht. Eine gerichtliche Feststellung zu den Vorwürfen liegt bislang nicht vor.

Vier Wallets kontrollierten fast 80 Prozent des Angebots

Die Blockchain-Analyseplattform Lookonchain ordnete dem mutmaßlichen Ersteller vier neu eingerichtete Wallets zu. Diese sollen für rund 10.000 Dollar insgesamt 796,7 Millionen ASTEROID gekauft haben. Das entsprach 79,67 Prozent des gesamten Token-Angebots.

Später wurden nach der Analyse 718,8 Millionen Token verkauft. Dafür flossen etwa 1.103 BNB, zum damaligen Kurs rund 638.000 Dollar. Lookonchain schätzte den daraus entstandenen Gewinn auf ungefähr 628.000 Dollar.

Die On-Chain-Daten zeigen die Transaktionen, die beteiligten Adressen und die Verteilung der Token. Sie belegen für sich genommen allerdings nicht, welche reale Person die vier Wallets kontrollierte. Die Verbindung zum früheren Mitarbeiter beruht auf der Darstellung von BNB Chain und der Zuordnung durch Lookonchain.

Technisch liegt der Kern des Falls weniger im Smart Contract als im Umgang mit Zugangsdaten. Eine einmal kopierte Seed-Phrase lässt sich nicht zurückholen. Die betroffene Wallet hätte vollständig stillgelegt und durch eine neue Adresse ersetzt werden müssen. Ob und wann dies intern geschah, hat BNB Chain bislang nicht offengelegt.