• Charles Hoskinson weist Vorwürfe zurück, seine Discord-Pläne für Cardano seien eine „Machtübernahme“.
  • Gleichzeitig kündigt der Cardano-Gründer Pläne für eine eigene „Partei“ an, die über Delegation politischen Einfluss auf Treasury-Entscheidungen ausüben soll.

Cardano-Gründer Charles Hoskinson hat in einem Interview mit Crypto Crow am 17. Juni Vorwürfe zurückgewiesen, seine Discord-Pläne für einen neuen Cardano-Governance-Kanal seien ein Versuch zur Zentralisierung oder gar eine „Machtübernahme“. Des Weiteren kündigte er Pläne für eine „politische Partei“ innerhalb des Cardano-Ökosystems an.

Wie schon in den letzten Tagen kritisierte Hoskinson den aktuellen Stillstand und die Probleme bei der dezentralen Cardano-Governance. Laut Hoskinson findet die Debatte zu stark auf öffentlichen Kanälen wie X statt, auf denen wenig produktive Ergebnisse entstehen. Sein Vorschlag ist deshalb die Plattform Discord, wo es klare Regeln und Moderation gibt. Hoskinson erklärte folglich:

„Das ist keine Machtübernahme. Es gibt keinen Versuch, irgendetwas zu zentralisieren. Zentralisierung hat mit dem, was ich vorschlage, nichts zu tun. Ich versuche, mich auf die eigentliche Debatte zu konzentrieren, damit Leute nicht vom Diskurs abkommen.“

Der geplante Kanal soll nach Hoskinsons Darstellung kein gewöhnlicher Community-Discord sein. Zugangsvoraussetzung soll zudem nicht die persönliche Zustimmung durch Hoskinson, sondern ADA-Besitz und die Anerkennung eines Verhaltenskodex sein.

Wichtig zu wissen: Cardano hat zwar eine On-Chain-Governance und eine Treasury, aber laut Hoskinson keinen geeigneten Prozess, um strategische Prioritäten zu setzen. Er verwies auf konkurrierende Wünsche innerhalb des Ökosystems, darunter mehrere Implementierungen, Marketing, Konferenzen, Venture-Finanzierungen und technische Projekte.

Ohne übergeordnete Strategie werde jede Treasury-Entscheidung zur Einzelfallabstimmung. Hoskinson sagte weiter:

„Wir brauchen zuerst einen Konsens darüber, was Wachstum für Cardano bedeutet. Wenn wir das entschieden haben, kann daraus die Position der Governance werden, und die DReps können darüber als Ja-oder-Nein-Frage abstimmen. Danach kann man fragen, wer am besten geeignet ist, diese Strategie umzusetzen.“

Aufgrund dessen plant Hoskinson ein jährliches Budget ab, anstatt die bisherigen Budgets für jedes einzelne Projekt. Ein Teil der Treasury-Mittel könnte für die konkrete Projekte reserviert werden, ein anderer für alternative Funding-Organisationen wie Catalyst-ähnliche Modelle oder spezialisierte Fonds.

Besonders scharf fiel seine Kritik am aktuellen Druck auf DReps aus. Hoskinson sprach von einem drohenden Verlust der „Governance-Klasse“ Cardanos, auch wegen fehlender finanzieller Anreize:

„Wenn wir unsere Governance-Klasse verlieren, wie sollen wir dann vorankommen? Die Leute, die an Governance teilnehmen, ziehen sich zurück. Sie wollen es nicht mehr machen, und das ist ein Warnsignal.“

Gleichzeitig lehnte Hoskinson eine pauschale Bezahlung aller DReps ab. Der Grund: Ein inaktiver DRep mit automatisierter Stimmabgabe würde dann genauso behandelt wie jemand, der Vorschläge intensiv prüft, Gespräche führt und Verantwortung übernimmt.

Brisant ist auch Hoskinsons Idee einer eigenen „Partei“. Nachdem Wachstumskennzahlen definiert wurden, will der Cardano-Gründer eine Partei gründen, einen DRep registrieren und die Stimmen für ihn als demokratisches Mandat nutzen, als politischen Hebel:

„Wenn ich nur ein Prozent Delegation habe, interessiert das niemanden. Wenn es aber 20 oder 30 Prozent sind, merken die Leute, dass es sehr schwer wird, ohne Verhandlung Finanzierung zu bekommen. Diese Entscheidung treffe dann nicht ich, sondern die ADA-Halter, die an mich delegieren.“

Gerade an dieser Stelle dürften sich Kritiker bestätigt fühlen. Ob daraus tatsächlich ein neues Machtzentrum um Hoskinsons Partei entsteht oder ein demokratisch legitimierter Reformprozess, bleibt abzuwarten.