Nach dem Ledger-Skandal vom vergangenen Freitag, bei dem Krypto-Vermögen im Wert von mehr als 100 Millionen US-Dollar in Bitcoin und ETH gestohlen worden sein sollen, erreichten Berichte über mutmaßlich manipulierte Ledger-Geräte zuletzt auch Europa. MediaMarkt reagierte auf die Berichte und stoppte den Verkauf von Ledger-Geräten in mehr als 1.000 Filialen.

Vor wenigen Stunden veröffentlichte Ledger erstmals ein Update, das sich direkt auf deutsche Nutzer bezieht. Darüber hinaus stellen wir dir am Ende des Artikels zwei Maßnahmen vor, mit denen du überprüfen kannst, ob dein Ledger-Gerät möglicherweise betroffen ist.

Bislang untersuchte Geräte wiesen keine Manipulationen auf

Ledger gab auf X bekannt, dass das Unternehmen nach dem Hinweis einer Einzelperson aus Deutschland ausgewählte Geräte aus den Lagerbeständen verschiedener Einzelhändler untersucht habe. Dabei seien keine Hinweise auf Manipulationen festgestellt worden:

“Nach den Hinweisen einer Einzelperson aus Deutschland hat unser Team Geräte aus den Lagerbeständen von Einzelhändlern und Vertriebspartnern im gesamten Bundesgebiet untersucht, darunter auch Geräte aus den ausdrücklich genannten Geschäften. Bei keinem der untersuchten Geräte konnten Anzeichen einer Manipulation festgestellt werden. Europaweit wurden bislang keine Fälle gemeldet, in denen es im Zusammenhang mit implantierten Bauteilen zu finanziellen Verlusten gekommen ist.”

Laut Angaben von Ledger wurden zwar Geräte aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus dem betroffenen MediaMarkt untersucht, die von Johannes öffentlich dokumentierten Geräte liegen dem Unternehmen jedoch bislang nicht vor:

“Die im Internet gezeigten Geräte konnten wir bislang noch nicht untersuchen. Wir laden den Eigentümer daher ein, uns die betreffenden Geräte zur Verfügung zu stellen, damit unser Sicherheitsteam sie eingehend analysieren und die Untersuchungsergebnisse anschließend transparent kommunizieren kann.”

Bei der von Ledger beschriebenen Einzelperson handelt es sich um den X-Nutzer Johannes, über den wir in den vergangenen Tagen bereits mehrfach berichteten. Er hatte zwei Ledger-Geräte in einem MediaMarkt gekauft und anschließend beide Gehäuse geöffnet. Dabei entdeckte er nach eigenen Angaben in beiden Hardware-Wallets verdächtige Bauteile, darunter zusätzliche Kabel und ein LTE-Modul.

https://x.com/0xJohannes_/status/2109634513957527974
https://x.com/0xJohannes_/status/2109634513957527974

Johannes bestätigte in einem Beitrag auf X, dass er eines der mutmaßlich manipulierten Geräte an Ledger schicken werde. Dem aktuellen Status-Update zufolge scheint dieses jedoch noch nicht beim Unternehmen eingetroffen zu sein. Um das tatsächliche Ausmaß der möglichen Manipulationen, insbesondere für deutsche Nutzer, abschließend beurteilen zu können, sind weitere Untersuchungen notwendig.

Tipp der Redaktion: Trezor reagiert auf Ledger-Skandal und zieht drastische Konsequenzen

Wichtiger ist jedoch die Frage, wie du dich verhalten solltest, wenn du selbst ein Ledger-Gerät nutzt.

Ledger weiter nutzen, andere Hardware-Wallet oder doch Coinbase?

Angesichts der Vorfälle der vergangenen sieben Tage gibt es gute Gründe, über einen Wechsel zu einem anderen Hardware-Wallet-Hersteller nachzudenken. Bereits in der Vergangenheit kam es im Umfeld von Ledger zu Datenlecks, bei denen Nutzerdaten aus Online-Datenbanken, darunter Adressen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern, gestohlen wurden.

Da wir früher ebenfalls Ledger genutzt haben, erreichen uns regelmäßig gefälschte E-Mails, wie beispielsweise heute Morgen:

Fake Ledger Email
Fake Ledger Email vom 14.10.2026

In dieser E-Mail werde ich aufgefordert, auf einen Link zu klicken, um den Versand zu bestätigen. Selbstverständlich werde ich das nicht tun. Aktuellen Berichten zufolge werden inzwischen sogar gefälschte Ledger-Briefe an Nutzer verschickt. Seid deshalb besonders wachsam und reagiert nicht auf solche Nachrichten!

Fake Brief von Ledger
https://x.com/DelCrxpto/status/2109396254191182037/photo/1

Die Entwicklungen der vergangenen Tage verdeutlichen einmal mehr, dass wir selbst die Verantwortung für unser Krypto-Vermögen tragen, wenn wir Hardware-Wallets nutzen. Es gilt weiterhin der bekannte Grundsatz: „Not your keys, not your coins.“

Werden wir deshalb jetzt von Hardware-Wallets auf vermeintlich sichere Kryptobörsen wie Coinbase oder Kraken umsteigen? Nein. Wir werden unsere Kryptowährungen auch weiterhin selbst verwahren und die damit verbundene Verantwortung übernehmen.

Ob die Selbstverwahrung auch für dich die richtige Entscheidung ist, musst du selbst abwägen. Für alle, die es interessiert: Wir setzen auf die Schweizer BitBox02 Nova.

Wenn du herausfinden möchtest, ob dein Ledger-Gerät möglicherweise manipuliert wurde, stehen dir zwei Möglichkeiten zur Überprüfung zur Verfügung.

Ein wichtiger Hinweis vorab: Keine der beiden Methoden bietet hundertprozentige Sicherheit. Wenn du vermutest, dass dein Gerät manipuliert oder mit zusätzlichen Spionagekomponenten ausgestattet wurde, solltest du dich in jedem Fall an den offiziellen Ledger-Support wenden.

Echtheit deines Ledger-Geräts überprüfen

Ledger bietet mit dem sogenannten „Genuine Check“ eine integrierte Sicherheitsprüfung an, mit der sich die Echtheit deines Geräts überprüfen lässt.

Dazu öffnest du die offizielle Ledger-App (ehemals Ledger Live, heute Ledger Wallet), verbindest deine Hardware-Wallet mit deinem Computer und entsperrst sie. Im Bereich „My Ledger“ kannst du anschließend die Echtheitsprüfung durchführen.

Wichtig: Ein erfolgreich abgeschlossener Genuine Check garantiert nicht, dass dein Gerät frei von Manipulationen ist. Insbesondere zusätzlich verbaute Hardware-Komponenten wie Spionagechips können bei dieser Prüfung unentdeckt bleiben.

Hardware auf mögliche Manipulationen untersuchen

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die physische Beschaffenheit deines Ledger-Geräts zu überprüfen. Dafür stellt der Hersteller eine offizielle Anleitung zur Überprüfung der Hardware-Integrität zur Verfügung.

Anhand der dort veröffentlichten Abbildungen und Hinweise kannst du nachvollziehen, wie die Hardware im Originalzustand aussehen sollte und worauf bei möglichen Manipulationen zu achten ist.

Allerdings raten wir davon ab, dein Ledger-Gerät vorschnell selbst zu öffnen. Wenn du konkrete Anhaltspunkte für eine Manipulation entdeckst oder Zweifel an der Echtheit deiner Hardware-Wallet hast, solltest du dich zunächst an den offiziellen Ledger-Support wenden und das betroffene Gerät bis zur Klärung nicht weiter verwenden.

Lesetipp: Ledger-Skandal eskaliert weltweit: Jetzt sind auch diese 7 Länder betroffen

Die bisherigen Untersuchungsergebnisse von Ledger sind zunächst ein positives Signal, reichen jedoch bei Weitem nicht aus, um sämtliche Verdachtsfälle abschließend zu klären. Solange die öffentlich dokumentierten Geräte nicht umfassend untersucht und die entsprechenden Ergebnisse veröffentlicht wurden, bleiben wichtige Fragen offen.