Der Ledger-Skandal weitet sich auf sieben weitere Länder aus, in denen der französische Hardware-Wallet-Hersteller den Verkauf vorerst aussetzt, bis die Untersuchungen zur Identifizierung der Schwachstellen entlang der Lieferkette abgeschlossen sind. Erst gestern hatte MediaMarkt bekannt gegeben, den Verkauf von Ledger-Geräten vorsorglich einzustellen.
Auch der direkte Konkurrent Trezor bezieht nun erstmals öffentlich Stellung und reagiert mit drastischen Maßnahmen.
Anzahl der Wiederverkäufer wird stark reduziert
Danny Sanders, Chief Commercial Officer (CCO) von Trezor, zieht nach den bisherigen Entwicklungen Bilanz und kündigt weitreichende Maßnahmen an: Zum 1. Januar 2027 sollen zahlreiche Dritthändler aus dem Vertriebsnetzwerk gestrichen werden.
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Dies sei notwendig, um die Risiken für die Krypto-Vermögen von Millionen Trezor-Nutzern weltweit zu minimieren:
„Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass auch nur ein einziges Trezor-Gerät kompromittiert wurde. Es handelt sich um eine rein vorbeugende Maßnahme, die wir aus größtmöglicher Vorsicht ergreifen.
Wir haben jedes Land einzeln betrachtet und dabei Umsätze und Vertriebsstrukturen gegen die eigene Präsenz und Reichweite von Trezor in den jeweiligen Märkten abgewogen. Unser Ziel war es, den besten Weg zu finden, damit Kunden möglichst einfach ein echtes Trezor-Gerät erwerben können.
Diese Vorsichtsmaßnahme dient dem Schutz unserer Lieferkette und unserer Kunden. Wir haben diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen. Sollten sich die Umstände in Zukunft ändern, werden wir die Entscheidung erneut überprüfen.“
Damit reagiert erstmals ein weiterer Hardware-Wallet-Hersteller auf die sich weiter zuspitzenden Entwicklungen im Ledger-Skandal. Laut dem Blockchain-Analyseunternehmen Bitquery ist die Summe der durch manipulierte Ledger-Geräte entwendeten Gelder mittlerweile auf mehr als 93 Millionen USD gestiegen.
Die tatsächliche Tragweite lässt sich bislang nur schwer beziffern, da sich Ledger weiterhin bedeckt hält, solange die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind. Neue Hinweise deuten jedoch eher auf eine weitere Ausweitung als auf eine Entspannung der Lage hin.
Hardware Wallet oder verlässliche Börse für die Verwahrung des Krypto-Vermögens?
Grundsätzlich gelten Hardware Wallets als eine der sichersten Möglichkeiten, Bitcoin und andere Kryptowährungen langfristig aufzubewahren. Da die privaten Schlüssel offline gespeichert werden, sind sie deutlich besser vor klassischen Online-Angriffen geschützt.
Die aktuellen Ereignisse verdeutlichen allerdings, dass auch diese Sicherheitsarchitektur Schwachstellen aufweisen kann – insbesondere dann, wenn Geräte bereits vor der Auslieferung manipuliert werden.
Eine Alternative bieten regulierte Krypto-Börsen wie Coinbase oder Kraken, die auf professionelle Sicherheitsinfrastrukturen, mehrstufige Authentifizierungsverfahren und die getrennte Verwahrung von Kundengeldern setzen.
Allerdings geben Anleger dabei in der Regel die unmittelbare Kontrolle über ihre privaten Schlüssel ab und müssen auf die Sicherheitsmaßnahmen sowie die finanzielle Stabilität des jeweiligen Anbieters vertrauen.
BlackRock setzt für die Verwahrung der im IBIT Bitcoin ETF gehaltenen Bitcoin auf die US-amerikanische Krypto-Börse Coinbase. Darüber hinaus wird Coinbase auch für die Verwahrung bestimmter von US-Behörden beschlagnahmter Kryptowährungen genutzt. Dies sind starke Vertrauensindikatoren. Dennoch gilt auch hier, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt.
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Wer Hardware Wallets nutzt, übernimmt die Verantwortung und das Risiko für die Verwahrung seiner Kryptowährungen selbst, anstatt diese an Drittanbieter wie Krypto-Börsen zu übertragen.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über zehn etablierte, MiCA-regulierte Krypto-Handelsplattformen, die in Deutschland verfügbar sind, sowie deren bisherige Unternehmensgeschichte und bekannte Sicherheitsvorfälle:
| Krypto-Börse | Gegründet | MiCA-Aufsicht | Unternehmensgeschichte und Sicherheitsvorfälle |
|---|---|---|---|
| Kraken | 2011 | Irland (CBI) | Langjährige Marktpräsenz. 2024 wurde eine Sicherheitslücke ausgenutzt, durch die rund 3 Mio. USD aus Unternehmensbeständen entnommen wurden. Kundengelder waren nicht betroffen. |
| Bitpanda | 2014 | Deutschland (BaFin), Österreich (FMA) | Seit über zehn Jahren am Markt. 2022 wurde die eigene Verwahrungsinfrastruktur durch die Übernahme von Trustology ausgebaut. |
| Coinbase | 2012 | Luxemburg (CSSF) | 2025 wurden Kundendaten durch bestochene Support-Mitarbeiter entwendet. Private Schlüssel waren laut Unternehmen nicht betroffen. |
| Bitvavo | 2018 | Niederlande (AFM) | 2022 waren rund 280 Mio. Euro beim kriselnden Partner DCG blockiert. Bitvavo übernahm das Risiko, um Kundenauszahlungen sicherzustellen. |
| BSDEX | 2019 | Deutschland (BaFin) | Deutscher Kryptohandelsplatz der Börse Stuttgart. MiCA-regulierte Verwahrung mit mehrstufigem Sicherheitskonzept und ISO-27001-Zertifizierung. |
| Bitstamp | 2011 | Luxemburg (CSSF) | 2015 wurden bei einem Hackerangriff knapp 19.000 BTC gestohlen. Kundenbestände wurden vollständig abgesichert. Seit 2025 gehört Bitstamp zu Robinhood. |
| Crypto.com | 2016 | Malta (MFSA) | 2022 wurden 483 Kundenkonten kompromittiert und Kryptowährungen im Wert von rund 34 Mio. USD unautorisiert abgezogen. Betroffene Kunden wurden entschädigt. |
| OKX | 2017 | Malta (MFSA) | 2025 wurde der dezentrale DEX-Aggregator nach Hinweisen auf einen Missbrauch durch die Lazarus-Gruppe vorübergehend eingestellt. Dies war nicht mit einem Hack der zentralen Börse gleichzusetzen. |
| eToro | 2007 | Zypern (CySEC) | Langjährig etablierter Multi-Asset-Broker. 2025 erfolgte eine unabhängige SOC-2-Type-II-Prüfung der Kryptoverwahrung. In Deutschland besteht zudem eine Zusammenarbeit mit Tangany. |
| Bybit EU | 2018 (Gruppe) | Österreich (FMA) | Im Februar 2025 wurden bei der globalen Bybit-Plattform rund 1,46 Mrd. USD gestohlen. Die separat regulierte EU-Gesellschaft erhielt ihre MiCA-Zulassung erst danach. |
Stand: Oktober 2026. Die Auswahl stellt keine nach Sicherheit gewichtete Rangliste dar. Die genannten Sicherheitsvorfälle beziehen sich teilweise auf internationale Unternehmensgruppen und ereigneten sich vor der MiCA-Zulassung der jeweiligen EU-Gesellschaft. Eine MiCA-Zulassung garantiert keinen vollständigen Schutz vor Hackerangriffen oder finanziellen Verlusten.












